"Richtig" differenzieren

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    • "Richtig" differenzieren

      Bei der Diskussion um das Thema Binnendifferenzierung zwecks Begabungsförderung in der Regelschule stoße ich immer wieder an einen Punkt, der unlösbar erscheint. Zum einen gibt es Lehrpläne und die begrenzte Kapazität der Lehrkraft, auf der anderen Seite das Bedürfnis der Kinder nach Erfolgserlebnissen. Verebben letztere bei den Schnelldenkern, weil der Schulalltag den Charakter von Strafarbeit annimmt, so leidet die Motivation. Stillt der Lehrer Neugier und Wissensdurst der ohnehin Schlauen, so geht die Schere rasch auseinander, so dass die Klasse zu zerreißen droht. Dies betrifft dann nicht nur den Spagat, den der Lehrer vom Stoff her überbrücken muss, sondern auch das Ungerechtigkeitsgefühl zwischen den unterschiedlich rasch voranschreitenden Kindern. Will der Lehrer letzteres vermeiden, so wird er auf das allgemeine Erledigen der "langweiligen" Aufgaben bestehen und "Zusatzaufgaben" obendrein vergeben, was wiederum den Charakter von Abstrafen des Leistungswillens darstellt.

      Wie man es macht, so ist es verkehrt. Das Fehlen einer "richtigen" Binnendifferenzierung mündet dann in den emotional belastenden Klassensprung. Auch wieder verkehrt! Bezüglich unseres HB-Exemplars blieb dann aber keine andere Wahl. Das Umwandeln aller Schulen in Montessori-Einrichtungen oder JÜL-Klassen kommt wohl auch eher nicht in Frage.

      Wie differenziert man denn "richtig"?

      Ganz neugierig: Marius
    • Re: "Richtig" differenzieren

      So weit wie du sind wir in unseren Erkenntnissen schon lange und viele verzweifeln daran. Vor allem die, die nur Nebenfächer haben und 250 Schüler und 12 Klassen, zweistündig und einmal wöchentlich. Da geht es halt gar nicht, wenn man mal ganz ehrlich ist.

      Ich, mit zwei sprachlichen Haupfächern in der Oberstufe, habe weniger Lerngruppen und differenziere über freie Arbeitsformen, kooperative Arbeitsformen (in Grupen, die mal leistungsheterogen, mal leistungshomogen sind, je nach Aufgabe), über Unterrichtsstunden, die die Schüler gestalten (freiwillig, werden als Präsentation gewertet), darüber, dass mein Redeanteil so gering wie möglich (moderierend und sprachliche Hilfen anbietend), meine Kommentare wenn möglich positiv verstärkend, im Falle der Korrektur respektvoll sind, das Material so vielschichtig wie möglich und das Ergebnis der Stunde meist offen ist (nicht alle Schüler müssen "da hin" wo ich einen Text oder einen Fimausschnitt hinführen sehe, es ist in Ordnung wenn einer den Text begriffen und der andere über ihn hinaus gedacht und ihn in Bezug gesetzt hat). Wenn ich die Schüler gut kenne, biete ich ihnen Aufgaben an, die zu ihnen passen (oder von denen ich das denke) und frage sie, ob sie sie übermehmen wollen. Ich frage den Kurs in regelmäßigen Abständen, ob sie zum Lehrplanthema X oder Y eigenständig etwas beisteuern wollen. Ich mache die Methoden nicht nur, ich erkläre, was sie schulen und wozu sie gut sind. Ich versuche, bei jedem Schüler etwas zu finden, was er kann und ihm die Gelegenheit zu geben, dass er damit mindestens einmal richtig glänzen kann. Ich berate ganz viel und ich frage Schüler wie es ihnen geht und was sie sich von mir erwarten / wünschen. Ich lasse mich, wenn die Schüler von mir keine Noten mehr bekommen, "benoten" (i.e. einen Text zu meinem Unterricht/mir schreiben) und frage u.a. auch nach der Differenzierung.

      Noch "richtiger" ginge es so:
      - Klassen mit max. 10 Leuten
      - keine Noten
      - Blockunterricht zu teils wählbaren Themengebieten, meinetwegen mit ein paar Pflichtkerngebieten
      - Tests nur diagnostisch und ohne "heimliche Noten"
      - jahrgangsübergreifender Unterricht - Gruppen könen sich auch mal nach Leistungsfähigkeit finden
      - kein Sitzenbleiben - überhaupt kann man die Jahrgänge meinetwegen auch abschaffen
      - Prüfungen werden gemacht, wenn der Schüler meint er ist soweit und die Lehrer ihn dahin gehend beraten haben
      - menschenwürdige Ausstattungen für Lehrer und Schüler
      - ständig anwesenede Schulpsychologen, LRS Trainer, Sozialarbeiter,
      - Ruhe&Leseräume für Lehrer und Schüler
      - und noch vieles mehr, was in die Richtung geht...


      Über die Tatsache, dass das illusorisch weil teuer ist, braucht man mich nicht zu belehren. Dass es sinnvoll ist, weiß die Lernpsychologie schon seit ...was, 100? ...na jedenfalls vielen Jahren.
    • Re: "Richtig" differenzieren

      Hallo Meike,

      ich nehme mal an, dass der Ansturm der Schüler zu deiner Wirkungsstätte enorm wäre, wenn es publik wäre, wo solch bestmöglicher Unterricht wie deiner tatsächlich stattfindet...

      Die eigentliche Akzelleration bei Töchterchen besteht im Moment aus einem großzügigen Unterrichtsausfall wegen Lehrermangel, der dafür sorgt, dass der restliche Unterricht von durchschnittlich 24 Ust/Woche ziemlich gestrafft angeboten wird. Das kommt Töchterchen zwar zugute, wird aber andererseits den leistungsschwächeren Schülern gar nicht gerecht. Eine wie auch immer ausgeprägte Differenzierung fehlt unter diesen Umständen völlig. Es läuft auf eine Vogel-friss-oder-stirb-Mentalität hinaus. Insbesondere Jungs haben mit dieser zusätzlich akzellerierten Unterrichtsgeschwindigkeit im G8-Gymmi ein massives Problem. Im nächsten Schuljahr (9. Klasse, Sprachzweig) werden von anfänglich 40% Jungs noch 8% übrig sein. Ich nehme mal an, dass sich dieser Selektionsdruck durch den Unterrichtsausfall noch verstärkt, aber dass er ansonsten etwas subtiler auch vorhanden sein dürfte. Das Tolle an den statistischen Vergleichen zwischen den Abiturnoten aus G8 und G9 ist ja, dass solche Selektionsprozesse unter den Teppich gekehrt werden, so dass oberflächlich am Ende alles ganz großartig wirkt...

      Ich nehme mal an, dass du gerade in den Sprachfächern solche geschlechtsspezifischen Selektionsprozesse auch beobachten kannst, oder? - Wie kommst du damit zurecht? - Hast du auch diesbezüglich Differenzierungstipps parat, die ich mal an die hiesigen Fachlehrer lancieren könnte?

      Viele Grüße von

      Marius
    • Re: "Richtig" differenzieren

      - Klassen mit max. 10 Leuten


      Nein, Klassen mit 20-25 Kindern und 2 Lehrern im Teamteaching! Zehn Kinder sind für verträgliche Sozialkontakte zu wenig. Ansonsten gefällt mir deine Liste, Meike. Differenzierungsmöglichkeiten hängen auch eindeutig am Alter. In der Oberstufe ist die Schüler-Motivtionslage anders als in der Mittelstufe.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: "Richtig" differenzieren

      Ich bereichere diesen Thread mal um eine Facette:
      Die Lehrerin änderte ihre Strategie und teilte Arbeitsblätter mit entsprechenden Aufgaben aus, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, den Kindern entsprechend. Zu einer kleinen Gruppe von drei Kindern setzte sie sich selbst und erklärte ruhig die Vorgangsweise.
      Da tönte es schon aus einem Eck von dem Jungen von vorhin, dass er schon fertig sei, weil wie gesagt, der Lösungsweg vom Papa viel einfacher sei. Einer "meiner Therapiekinder" lies frustiert den Stift sinken und starrte nur noch irgendwohin, war im Gedanken sichtlich ganz woanders, 2 andere Jungs fingen einen Streit mit den Pfiffigen, er solle sich nicht immer so aufspielen. Die meisten Kinder arbeiteten immer noch weiter, was mich am meisten erstaunte. Erst als es an der Tür klopfte und eine Mutter den vergessenen Turnbeutel ihrer Tochter brachte und die Gelegenheit nutzen wollte, der Lehrerin einige wichtige Neuigkeiten mitzuteilen, war es mit der Konzentration endgültig vorbei.

      <!-- m --><a class="postlink" href="http://forum.mysnip.de/read.php?10520,711457,711551#msg-711551">http://forum.mysnip.de/read.php?10520,7 ... msg-711551</a><!-- m -->

      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Re: "Richtig" differenzieren

      Erst als es an der Tür klopfte und eine Mutter den vergessenen Turnbeutel ihrer Tochter brachte und die Gelegenheit nutzen wollte, der Lehrerin einige wichtige Neuigkeiten mitzuteilen, war es mit der Konzentration endgültig vorbei.


      Und genau um solche Situationen zu vermeiden, finde ich, dass Eltern (außer natürlich wenn sie Leseeltern sind oder Büchereidienst o.Ä. haben) in der Schule nichts zu suchen haben.

      Ansonsten würde ich meine Kinder auch gerne zu Meike schicken - wenn die Klassen nicht ganz so klein wären!
      Nina
    • Re: "Richtig" differenzieren

      Wie genau muss man sich denn das Teamteaching vorstellen? Gibt es denn ernsthaft Lehrer, die gerne jede Stunde vorher mit einem Kollegen besprechen, die die damit einhergehende Kontrolle über sich ergehen lassen möchten und die ständig Kompromisse eingehen wollen in Bezug auf die didaktischen Vorstellungen?

      Oder ist da einer wieder nur der quasi 1-Euro-Hiwi, der beim Zettel Austeilen hilft? So was hat doch nur Sinn, wenn es sich um zwei gleichwertig qualifizierte Kräfte handelt. Mein Bedarf an Hilfskräften, die keine Ahnung haben, ist jedenfalls gedeckt. Dann lieber nur ein Lehrer, der ein durchdachtes Konzept hat (wenn dem denn so ist...) und der eventuell auftretende Langeweile irgendwie füllen kann (ist bei uns allerdings auch Mangelware).

      An unserer Schule soll wohl demnächst so etwas wie Hochbegabten-Differenzierung eingeführt werden - ich bin mal gespannt, wer in den Genuss dieser Förderung kommt und wie die Lehrer überhaupt feststellen, dass jemand unterfordert ist. Bis jetzt fällt es, glaub ich, niemandem auf, dass es immer eine handvoll Schüler gibt, die ohne Anleitung in Nullkommanix fertig mit den Arbeitsaufträgen sind. Eigentlich schade um die Zeit...
    • Re: "Richtig" differenzieren

      "lenila" schrieb:

      Wie genau muss man sich denn das Teamteaching vorstellen? Gibt es denn ernsthaft Lehrer, die gerne jede Stunde vorher mit einem Kollegen besprechen, die die damit einhergehende Kontrolle über sich ergehen lassen möchten und die ständig Kompromisse eingehen wollen in Bezug auf die didaktischen Vorstellungen?


      Ja, teamteaching gibt es - und das kann eine sehr effiziente didaktische Herangehensweise sein. Es stimmt allerdings, dass die schulischen Traditionen in Deutschland (dem Land der verschlossenen Klassenräume) dem entgegenstehen. Stärker noch wirkt allerdings die Mittel- und Lehrerknappheit; in zwei Lehrer pro Gruppe wird leider nur in pädagogischen Grenzsituationen investiert.

      Nele
      Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too? - Douglas Adams
    • Re: "Richtig" differenzieren

      Nein, Klassen mit 20-25 Kindern und 2 Lehrern im Teamteaching!
      Meinetwegen auch das, wobei es auf die Schüler ankommt - verhaltensauffällige, konzentrationsgestörte, lernbehinderte brauchen was anderes als solche, die diese Probleme nicht haben - ist ja auch wurscht, was ich mit emienen Wunschträumereien sagen wollte, ist, dass ich gerne so viel Personal und Platz hätte, wie die Kinder es brauchen und nicht, wie die Kasse es zulässt.

      Ja, Marius, ich bin in sofern privilegiert als ich mit nur LKs und nur Hauptfächern in einer reinen Oberstufe keine "Horden" unterrichten muss und es mir leisten kann, auf jeden einzelnen Schüler zu achten. Ich komm zwar auch nicht unter 50Std die Woche (großzügig abgerundet) weg, aber das ist für mich noch gesundheitsverträglich. Auch wenn ich nicht für diese Stundenzahl bezahlt werde. Als ich mit weniger Stunden pro Klasse in mehr Klassen in der Mittelstufe war, war das schon viel, viel schwerer. Bei Kollegen, die zweistündig, epochal und in 12 Klassen a 30 Kinder unterrichten ist es schlicht sinnlos, dasselbe zu verlangen: es geht einfach nicht. Da ist man froh, wenn man zum Zeugnistermin alle 300und ebbes Gesichter kennt! Ich muss unter 100 kennen, das ist machbar. Man kann auch nicht von jedem Kollegen dasselbe verlangen - die Umstände machen mindestens so viel aus, wie der Wille, das Können, die "Disposition". Ich habe schon hoch - höchst!! - engagierte und willige Kollegen an den Umständen zerbrechen sehen. Und die konnten durchaus was ab, das waren keine Weicheier. Sowas erfüllt mich mit Zorn. ES gibt genug Nasen unter den Kollegen, warum man die guten oder die mit gutem Potential verheizt, kaputtspart und keinen Weg findet, sie den Schülern zu erhalten, indem man sie angemessen unterstützt, respektiert und motiviert, ist wider alles, was man inzwischen über Umgang mit Mitarbeitern weiß.

      Ich nehme mal an, dass du gerade in den Sprachfächern solche geschlechtsspezifischen Selektionsprozesse auch beobachten kannst, oder? - Wie kommst du damit zurecht? - Hast du auch diesbezüglich Differenzierungstipps parat, die ich mal an die hiesigen Fachlehrer lancieren könnte?
      Ich bekomme die Schüler ja eher, wenn sie durch diesen Prozess schon "durch" sind, im Guten wie im Bösen (bin übrigens ein Feind von G8. Bzw. ein Feind von festen Jahrgängen. Siehe oben).

      Aktueller Umgang mit Jungs (ob der sich als genereller Tipp an den Fachlehrer umformulieren lässt, kann ich nicht beurteilen, da ich seinen Unterricht nicht kenne), die in der Tat oft mit höheren sprachlichen Defiziten in den Englisch LK kommen:
      - die Mädels kommen freiwillig zur Beratung, die Jungs sind oft genant, die "verdonnere" ich dann halt zur Beratung und erarbeite dann konkrete Lernpläne gegen die Defizite mit ihnen (das finden sie dann gut, weil praktisch und "nicht so emotional" :wink: )
      - Ich frage (nicht nur) Jungs, ob sie ein Thema haben, das sie interessiert, und zu dem sie bereit wären, eine Präsentation oder eine Unterrichtsstunde zu halten, die begleite ich dann eng und bewerte sie (selbst wenn sie nicht so dolle wird) als Zusatzpunkt fürs mündliche. Komplett in die Hosen gehen solche Zusatzleistungen nicht, wenn sie ein eigenes Thema behandeln und es klare Kriterien gibt.
      - ein sehr kommunikativer Unterricht (mindest. 40% wird in Partner/Gruppenarbeit auf Englisch verhandelt) löst die Zunge auch der sprachschüchternen Jungs, ich teile die Gruppen, sobald ich die Schüler kennen, so ein, dass jeder sich sicher fühlt und es günstige Konstellationen gibt. Manchmal auch per Gummibärchenzufallsgenerator, dann musst du es halt aushalten, mal auf Englisch mit der sagenhaft hübschen Dame X zu parlieren, wenn du das überlebt hast, ist dein Selbstwertgefühl auch weiter gestiegen (sie haben es bisher alle überlebt ;) ).
      - ich achte auf eine leistungsförderliche Atmosphäre (wer jemanden "Streber" schimpft, stirbt eines langsamen und qualvollen Todes :wink: , nee, der hat ein langes und sehr intensives Gespräch mit mir), aber genauso langsam und qualvoll sterben die "Augenverdreher-wenn-jemand-einen-Fehler-macht". Jungs sind im Sprach-LK oft erstaunlich empfindlich und schüchtern, weil die Mädchen oft hemmungslos und ellenlang reden können und sie ...eher nicht. Noch nicht.
      - ich sammele Themenwünsche (Im Lehrplanrahmen) und wenn Jungs stiller sind, setze ich sie in "ihrem" Themenwunschgebiet besonders ein und lobe dann die Leistungen entsprechend

      fällt mir jetzt so spontan ein.
    • Re: "Richtig" differenzieren

      Hallo Meike,

      ich hege die Befürchtung, dass diese kurzsichtige Denkweise des Kaputtsparens mit der Kurzatmigkeit unserer Politik zu tun hat. In der Medizin wird an Früherkennung und Prävention gespart, aber dafür laufen den Krankenkassen die Ausgaben für die Behandlung von Krankheiten davon. In der Schulausbildung wird an allen Ecken gespart, aber dafür laufen nachher den Sozialkassen die Kosten davon.

      Ich würde darauf wetten, dass eine bessere Personalausstattung der Schulen zusammen mit dem flexiblen Konzept aus deiner Vorstellung am Ende noch nicht mal wirklich teurer wäre, wenn man damit unter Behebung des Fachkräftemangels mehr potente Steuerzahler heranziehen könnte...

      Und vielen Dank für deine Tipps wegen Jungs. Aus Erzählungen von Töchterlein weiß ich, dass das Dahinschmelzen der männlichen Fraktion unter den verbliebenen Kameraden eine psychische Delle verursacht hat. Aber aus deiner Schilderung entnehme ich, dass es auch darüber hinaus einen geschlechtsspezifischen Verhaltensunterschied gibt, der gerade den Jungs in den Sprachfächern zuweilen den Mund versiegelt. Ich habe nicht den Eindruck, dass dies in irgendeiner Weise Berücksichtigung findet, was das Dahinschmelzen dann noch beschleunigt. Vielleicht können wir hier ja noch Aspekte einsammeln, die in diverser Weise die Unterschiedlichkeit von Kindern - auch über das Geschlecht hinaus - aufgreifen. Ich finde dies wirklich hochspannend! Vielleicht suche ich dann doch mal das Gespräch mit den Sprachlererinnen (alles Damen), weil ja das Kindergehirn aus meiner Sicht durchaus nachweisbar geschlechtsspezifisch anders funktioniert. Das wäre doch ein guter Aufhänger, die Sichtweise aus der Lehrerperspektive daraufhin zu hinterfragen. Vielleicht ergibt sich ja dabei das ein oder andere Aha-Erlebnis.

      Viele Grüße von

      Marius
    • Re: "Richtig" differenzieren

      Stärker noch wirkt allerdings die Mittel- und Lehrerknappheit; in zwei Lehrer pro Gruppe wird leider nur in pädagogischen Grenzsituationen investiert.


      Das ist leider so und das ist auch die Stelle, wo ich gerne mehr Geld im System sehen würde. Da ist politisch noch viel zu tun.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: "Richtig" differenzieren

      In unserer Fachschaft ist das Verhältnis Männer/Frauen 50%/50%. In Frz. eher 80% zu 20% für die Damen. In Latein 100% Männer. Spanisch auch die Hälfte. Deutsch 60% (w) / 40%. (m) Hm.
      Die Jungs wählen aber durchaus nicht eher die Männer an. Bei mir sitzen so viele, wie bei den Kollegen (etwa ein Drittel). Nur bei dem jungen, fußballbegeisterten Kollegen, der PoWi als zweites Fach hat, regelmäßig ins Stadion geht und die ganze Pause mit den Schülern durchfachsimpelt, sind es die Hälfte. Den mögen aber auch die Damen. Er ist ein ganz hübscher. :wink:

      Gibt es denn ernsthaft Lehrer, die gerne jede Stunde vorher mit einem Kollegen besprechen, die die damit einhergehende Kontrolle über sich ergehen lassen möchten und die ständig Kompromisse eingehen wollen in Bezug auf die didaktischen Vorstellungen?
      Jaha! Ich habe IMMER mindestens einen Ref. in fast jedem Kurs und finde das fachlich doch noch etwas differenziertere Feedback (als das, das ich von den Schülern bekomme) extrem hilfreich. Selbst wenn es nur warum-Fragen sind: "Warum hast du die Diskussion an der Stelle abgebrochen/weiterlaufen lassen? Wie machst du das mit der sprachlichen Korrektur, wenn die mitten im Thema sind? Warum hast du das und nicht dieses an der Tafel festgehalten? Warum diesen Einstieg und nicht jenen? Warum sollten die Schüler zuerst X und dann Y machen? Welche Note vergibst du für das Ergebnis der Gruppe vorhin und warum? Wieso ...?" Vieles macht man nach einer Weile "aus dem Bauch" und es ist gut, sich immer mal über die eigenen Beweggründe und Abläufe und über mögliche Alternativen Gedanken zu machen.

      Kollegiale Hospitation mit erfahrenen Kollegen wäre noch viel toller. Krieg ich aber nicht (außer minimal innerhalb der selbstgemachten Supervision durch enge Koordination mit ein paar Kollegen). Dafür stehen keine Stunden zur Verfügung. Teamteaching, wo jeder einen Teil der Arbeit übernimmt und das ganze Konzept gemeinsam entsteht, wäre am allertollsten - wenn natürlich der Kollege zu mir passt. Nicht jeder Kollege ist teamfähig. Wobei ich es schon den meisten zutraue, aber einigen wenigen dafür sowas von dermaßen nicht, dass ich mir nicht vorstellen könnte, wie das dann zu regeln sei ... so innerhalb eines TeamteachingGesamtkonzepts.

      Naja, dahin wird es sich ja eh in den nächsten ...tausend? ...Jahren nicht entwickeln :( , vermute ich mal.