LRS ~ Bioarbeit

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    • Re: LRS ~ Bioarbeit

      Ranschburg hat 1928 angefangen dem Phänomen der Lese Rechtschreibstörung auf den Gund zu gehen und zu forschen. Leider kam er aber zu dem Schluß, dass der Grund für diese Schwächen in mangelnder Intelligenz liegt, die eine höhere geistige Anforderung nicht leisten kann.
      Damals kam der Begriff partieller Idiotie oder partiellem Intelligenzdefekt auf und führte dazu, dass Betroffene auf den Sonderschulen unterrichtet wurden.
      In den 70er Jahren entstand die Anti-Legasthenie-Bewegung, dich ich persönlich als ursprünglich für viele heutige Probleme empfinde.
      Sirch und Schlee haben mit ihren Thesen so unendlich viel Schaden angerichtet, dass sich einem der Magen umdrehen kann.
      Ich zitiere mal aus einer Page:
      SIRCH (1975) stellte die These auf, dass Legasthenie ,,ein teilweises oder völliges Mißlingen
      des Lesen- und/oder Rechtschreibenlernens aufgrund mangelhafter Motivation oder fehlender
      didaktischer Grundlegung der Methoden" sei. Schlee (1974) ging sogar soweit zu behaupten, ,,Legasthenie ist eine überflüssige Leerformel. [...] Das Legastheniekonzept ist nicht nur überflüssig, sondern auch pädagogisch gefährlich, da es den Schülern, die an den Unzulänglichkeiten und Widersprüchen der schulischen Lehr- und Lernverhältnisse scheitern, eine krankheitsähnliche Lernstörung zuschreibt. Es ist daher ersatzlos zu streichen. Konsequenterweise ist auch die Legasthenieforschung unverzüglich einzustellen."

      und genau diese Thesen sind die Windmühlen, gegen die man heute noch manchmal kämpfen muß.
      Ich glaube, ich habe noch keinen Legastheniker und keinen LRS-Betroffenen kennen gelernt, der im Laufe seiner Schulzeit noch nie gehört hat: 'du musst nur mehr üben'
      Wenn ich nicht irre, führten die Thesen der Beiden sogar dazu, dass in den Ländern 1978 per Erlaß der Begriff Legasthenie abgeschafft wurde...Dadurch waren alle Fördermöglichkeiten zunichte gemacht. Stattdessen sollten jetzt alle Schüler gefördert werden, die besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens haben. Diese Schwierigkeiten wären ein rein schulpädagogisches, vorübergehendes Problem, welches mit rein unterrichtlichen Maßnahmen behandelt werden kann ...
      und sie wurden so lange Jahre an den Unis vertreten...
      LG Flexi

      Es ist nicht so wichtig was A schreibst, sondern wie B es versteht. ;)
    • Re: LRS ~ Bioarbeit

      Ham' wa mal wieder was gelernt.
      Ich - so als interessierter Laie - kannte nur die "Ranschburg'sche Ähnlichkeitshemmung".

      Wobei ich nicht so ganz glaube, dass ein Psychiater das Schulsystem formen konnte.
      Eher formte das Schulsystem den Psychiater. ;)


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Re: LRS ~ Bioarbeit

      Was es alles gibt :shock:
      Also, bei meiner Ausbildung wurde der Heini an der Uni zum Glück noch nicht mal mehr als kurioses Phänomen zitiert...
      Von den anderen Heinis hatte ich gehört, aber auch nur unter dem Aspekt "gefährliches Störfeuer" ...

      Wobei es ja aber auch heute noch so komische Gestalten mit irgendwelchen esoterischen Ansätzen gibt, die ähnliches behaupten - dass es Legasthenie gar nicht gibt, sondern man nur deren Methode XYZ anwenden muss um zu erreichen, dass die alle fließend lesen und schreiben... Hatten wir da nicht sogar mal welche im LF? Oder gar hier ?? *unschuldigguck*
    • Re: LRS ~ Bioarbeit

      "Meike" schrieb:

      Was es alles gibt :shock:
      Also, bei meiner Ausbildung wurde der Heini an der Uni zum Glück noch nicht mal mehr als kurioses Phänomen zitiert...
      Von den anderen Heinis hatte ich gehört, aber auch nur unter dem Aspekt "gefährliches Störfeuer" ...*

      ich sage mal so...im Grunde sind die Thesen Ranschburgs ja auch lange überholt und eigentlich aus der Welt...aber man trifft eben noch heute gelegentlich auf die aus der Zeit verbliebenen Vorurteile...unseren Sohn wollte man nach der 4. Klasse eeeiiigentlich lieber zur Sonderschule geben, wegen seiner 'Behinderung' (O-Ton)...und das bei einem damals glattem Zweier-Zeugnis...was die Geschichte der Legasthenie betrifft, finde ich es nicht ganz unwichtig, dass den Lehramtantwärtern diese mehr ins Bewusstsein gerückt wird, denn zumindest Sirch und Schlee haben bis heute massgeblich an der Entwicklung in den Schulen beigetragen...wenn man bedenkt, dass heute noch viele Lehrer im Amt sind, die genau in der Zeit studierten, als die Thesen als Leitfaden galten..
      Mir jedenfalls hat das Wissen darüber geholfen zu begreifen, warum manches im Schulalltag läuft, wie es läuft...auch wenn ich nicht gerecht finde und mich ärgere...aber es erklärt eben gelegentlich, warum man gegen eine Windmühle kämpft...

      "Meike" schrieb:

      Wobei es ja aber auch heute noch so komische Gestalten mit irgendwelchen esoterischen Ansätzen gibt, die ähnliches behaupten - dass es Legasthenie gar nicht gibt, sondern man nur deren Methode XYZ anwenden muss um zu erreichen, dass die alle fließend lesen und schreiben... Hatten wir da nicht sogar mal welche im LF? Oder gar hier ?? *unschuldigguck*

      juuuupppp...daran muss ich jedes mal denken, wenn ich DIE Postings lese... 8)
      LG Flexi

      Es ist nicht so wichtig was A schreibst, sondern wie B es versteht. ;)
    • Re: LRS ~ Bioarbeit

      Hallo Flexi,

      die "Windmühlen" gibt es aber auch bei anderen Störungen (wie bspw. solchen aus dem autistischen Formenkreis oder Hirnstoffwechselstörungen wie ADHS), die man von außen nicht sieht.

      Stell dir einfach mal vor, ein Kind würde deswegen nicht so gut lesen können, weil es einen eingeschränkten Visus hätte, den auch ein Lehrer anhand von zwei Glasbausteinen auf der Nase sofort würde erkennen können. Es gäbe dann viel weniger Windmühlen... Dass der ganze visuelle Verarbeitungsapparat nicht nur aus den Augen besteht, ist heute zwar Allgemeingut, aber dass die hinter dem Auge liegenden Strukturen ebenso isoliert für Störungen anfällig sein können wie die Augen, liegt eben (noch) außerhalb des Vorstellungshorizonts.

      Aber: Um beim Beispiel mit dem Augenproblem zu bleiben, so würde man eine Visusminderung durch Fehlsichtigkeit ja auch therapeutisch angehen (z.B. indem man das bessere Auge abdeckt und eine Brille verordnet) und auf die neuroplastischen Eigenarten des Kindergehirns hoffen. Kein Mensch käme hierzulande auf die Idee, einen schlechten Visus einfach nur als Schicksal hinzunehmen, wenn er denn mal bekannt ist. Oder?

      Ich finde es ganz super, dass du dich so intensiv mit dem Hintergrundwissen auseinandergesetzt hast. Ich denke, dass dies ansatzweise auch solchen Berufsgruppen zugemutet werden dürfte, die den Anspruch hegen, das Kindergehirn bestmöglich formen zu wollen...

      Viele Grüße und Hut ab von

      Marius