Hochbegabung und Lehrerfortbildung

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    • Hochbegabung und Lehrerfortbildung

      Hallo,

      was wäre eurer Meinung nach an Lehrerfortbildung nötig und sinnvoll, um HBs erfolgreich unterrichten und begleiten zu können?

      Vielleicht differenziert in

      a) jeder Lehrer - denn jeder Lehrer unterricht HBs. Er merkt es nur häufig nicht

      b) Lehrer, die sich vertieft damit befassen wollen - also Beratungslehrer zum Beispiel

      Im Prinzip muss man natürlich auch noch nach Schulformen unterscheiden. Aber das wäre für mich ein zweiter Schritt.

      Grüße Enja
    • Oh, wenn das so einfach ist, das "Institut der Wahl" unseres Gymnasiums hat natürlich auch was im Angebot:
      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.duesseldorf.de/ccb/veranstaltungen/lehrer.shtml">http://www.duesseldorf.de/ccb/veranstal ... hrer.shtml</a><!-- m -->


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Es geht mir nicht um einzelne Angebote. Von denen weiß ich natürlich, wo sie stehen. Eher um sowas:

      Der theoretische Teil beinhaltet neben (Hoch-)Begabungskonzepten vor allem Möglichkeiten der Identifizierung und Förderung besonders begabter Kinder im schulischen und außerschulischen Kontext. In den Literaturzirkeln wird dazu die Pflichtliteratur gemeinsam mit einer Mentorin erarbeitet. Der Theorieteil wird mit einer Klausur abgeschlossen.

      Der praktische Teil umfasst neben Exkursionen zu Einrichtungen der Begabtenförderung vor allem die praktische Arbeit mit begabten Mädchen und Jungen. Diese soll in Form eines Projektes zur schulischen Begabtenförderung im Rahmen der Diplomarbeit dokumentiert werden. Der Praxisteil wird mit der Besprechung der Diplomarbeiten beendet.


      Damit wird man Specialist in Gifted Education

      Ist natürlich sehr allgemein gehalten.
    • Hallo Enja,

      mit den mir bekannten ECHA-Lehrkräften kann ich in der Regel gut kommunizieren. Die verstehen eine ganze Menge vom Thema. Und haben auch verstanden, dass es auch mal besser sein kann, gar nicht zu fördern. Es gibt aus meiner Sicht auch einen Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Klima an einer Schule und der Anzahl der ECHA-Lehrer. Wobei man natürlich bei z.B. 7 ECHA Lehrern auf ein Kollegium von 90 Lehrern nicht davon ausgehen kann, dass das eigene Kind von so einer Lehrkraft unterrichtet wird. Aber helfen tut es schon.

      Die Diplomarbeiten kann man vermutlich mal anfordern, nehme ich an.

      Die Fortbildung kostet so um die EUR 3500, wenn ich das nicht völlig falsch im Kopf habe. Für die Stadt Düsseldorf zahlt das, glaube ich, die Stadt. Woanders muss man selber zahlen. Da muss einen das Thema natürlich sehr interessieren.

      Allerdings sind die Dinge, die man dort lernt, offenbar auch für nicht HB-Kinder im Bereich individuelle Förderung einsetzbar.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Das hier ist das, was hessische Lehrer künftig in ihrer Ausbildung zum Thema lernen sollen. Alle Lehrer:

      Pädagogisch-psychologische Grundlagen hoher Begabung bei Schülerinnen und Schülern
      Lehrerinnen und Lehrer sind aufmerksam und sensibel für hohe Begabungspotenziale von Schülerinnen und Schülern. Sie
      - kennen die wesentlichen Ergebnisse des aktuellen Forschungsstandes zur Ausprägung und zum Vorkommen von hohen Begabungen bei Schülerinnen und Schülern,
      - unterscheiden systematisch wie auch zielgruppenspezifisch zwischen hoher Begabung als kognitivem Potenzial einerseits und hoher Leistung als bereits realisierter Größe andererseits,
      - kennen die mit Minderleistung bei Hochbegabten verbundenen Probleme (sog. "Underachievement") sowie die zugehörigen Ausprägungsformen und den entsprechenden Hilfebedarf,
      - wissen, dass Leistung und sozioökonomischer Status des Elternhauses keine zwingenden Rückschlüsse auf hohe Begabung zulassen,
      - suchen im Bedarfsfall für Diagnostik und Beratung den Kontakt zu Schulpsychologinnen und -psychologen bzw. zu kompetenten begabungsdiagnostischen Beratungsstellen,
      - beziehen leistungsbezogene Entwicklungsstände und Lernpotenziale der Schülerinnen und Schüler auch aus dem außerunterrichtlichen Bereich mit ein,
      - kennen Lern- und Entwicklungsbedürfnisse hochbegabter Kinder und Jugendlicher,
      - initiieren im Bedarfsfall einen Runden Tisch aller Betroffenen und Beteiligten zur Besprechung und Festlegung von individuellen Fördermaßnahmen.


      Integrative Förderung hochbegabter Schülerinnen und Schüler an Regelschulen
      Lehrerinnen und Lehrer sprechen hochbegabte Schülerinnen und Schüler möglichst individualisierend inmitten vielfältig aufgefächerter Unterrichtsbedingungen in der Klasse an, um auch sie im Hinblick auf ihre Leistungspo-tenziale optimal zu fördern und zu fordern. Sie
      - besitzen ausgeprägte Förderkompetenz für hochbegabte Schülerinnen und Schüler im Sinne einer möglichst individuellen Begleitung und selbstbestimmter Lernprozesse mit Hilfe geeigneter pädagogischer Methoden inte-grativer und ganzheitlicher Förderung,
      - verfügen über Kenntnisse zur Didaktik und Methodik der Hochbegabtenförderung im Regelunterricht ihrer Schul-form (auf der Grundlage der einschlägigen schulformübergreifenden und -bezogenen Handreichungen und Grundsatztexte des HKM),
      - sind in der Lage, didaktische Prozesse und pädagogische Hilfsmittel zu modifizieren , individuelle Förder- und Lernpläne zu erstellen, ein Lerntagebuch zu führen usw.,
      - suchen bei Schülerinnen und Schülern mit besonderen schweren (Verhaltens-)Problemen und gleichzeitiger Hochbegabung den Kontakt zu den schulpsychologischen Ansprechpartnerinnen und -partnern mit der Zustän-digkeit für das Thema Hochbegabung und den hierfür benannten sonderpädagogischen Ansprechpartnerinnen und -partnern aus ausgewählten Beratungs- und Förderzentren (BFZ),
      - vermitteln interessierten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zur Teilnahme an geeigneten außerschuli-schen Fördermaßnahmen,
      - tauschen sich mit Kollegien von Gütesiegel-Hochbegabung-Schulen aus, um von den Kenntnissen und Erfah-rungen dieser Schulen lernen zu können,
      - wissen um das Erfordernis regelmäßiger Weiterbildung zu Themen der Hochbegabtenpädagogik.


      Man könnte ja meinen, dass die, bei denen das nicht Teil ihrer Ausbildung war, es irgendwie im Rahmen ihrer Fortbildung nachholen können sollten.
    • Das Problem ist ja, dass bei vielen Fortbildungen solche Zielvoraussetzungen programmatisch ausgewisen werden - schlussendlich aber selten umgesetzt werden.

      Ich bin nun bestimmt ein Fortbildungsfetischist und scheue mich weder vor Samstagen, noch vor Abenden oder Tagen in den "Ferien", ich berichtige: in der unterrichtsfreien Zeit - aber das geht immer von der alltäglichen, dringend benötigten normalen Arbeit ab, die ich dann halt nachts erledige. Wenn DANN noch FoBis nicht effizient sind, bin ich angefressen und frustriert.

      Wenn ich einen Wunsch an eine FoBi zum Thema hätte, dann eher den, in Kontakt mit weniger Folien und PowerPoint Präsentationen, stattdessen mit ganz vielen hoch begabten Jugendlochen zu treten, die ihre Wünsche und Erfahrungen mitteilen und dann mit den Lehrern gemeinsam über die Umsetzbarkeit diskutieren und ein Konzept entwickeln. Vorgefertigte Konzepte passen eigentlich immer nur in (kleineren) Teilen.

      Grundsätzlich habe ich damit die besten Erfahrungen gemacht. Das effizienteste Seminar zum Thema Drogenmissbrauch war das mit derzeit noch drogenabhängigen Schüler/innen, ex-drogenabhängigen Schülerinnen und solchen, die Freunde haben, die abhängig sind UND ein paar Sozialarbeitern/Psychologen.
      Und die beste FoBi zu Ängsten und Zwängen war die, die in der psychosomatischen Klinik mit den Jugendlichen und Therapeuten gemeinsam stattfand.
      Lesen und theoretische Grundlagen kennen lernen kann ich selber. Dazu brauch ich keine drei Begrüßungsrunden und vierhundert Farbfolien und auch keine Aufforderung.
    • "stattdessen mit ganz vielen hoch begabten Jugendlochen zu treten, die ihre Wünsche und Erfahrungen mitteilen und dann mit den Lehrern gemeinsam über die Umsetzbarkeit diskutieren und ein Konzept entwickeln. Vorgefertigte Konzepte passen eigentlich immer nur in (kleineren) Teilen. "

      Das ist sicher eine gute Sache. Hoch begabte Jugendliche in größerer Stückzahl zu treffen, ist nicht so ganz einfach an einer Schule. Möglich ist das auf einschlägigen Veranstaltungen.

      Bei der Hessischen Schülerakademie in Fürsteneck zum Beispiel, "betreuen" Lehramtsstudenten co. Die Kursleiter sind Professoren. Diese Erfahrung ist für die werdenden Lehrer sehr intensiv. An einem ähnlichen Projekt arbeite ich gerade. Für Referendare gibt es auch eins. Diese Praxisschiene halte ich für genauso wichtig wie die theoretische.

      Grüße Enja