Wie geht ihr damit um?

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    • Wie geht ihr damit um?

      Ich wollte hier einfahc mal ein paar Meinungen zum Thema Hochbegabung einholen. Wie ihr dazu steht, welche Probleme sich daraus ergeben (auch für euch),wie ihr als Lehrer,Eltern etc. damit umgeht. Habt ihr Vorurteile, wie leistet ihr Hilfestellung usw.

      Ich Danke für jede Antwort

      PS:Tschuldigung wenn die Frage ein bischen Wirr formuliert ist.
    • "Immer so" würde ich nicht sagen. Aber natürlich häufig.

      Einmal liegt es daran, dass sie nichts drüber wissen. Es war nicht Teil ihrer Ausbildung - es sei denn, sie sind noch sehr jung.

      Sie können sie nicht erkennen. Viele sind überzeugt davon, noch nie einen hochbegabten Schüler getroffen zu haben.

      Und viele tun sich schwer, die Meinung fachfremder anzunehmen.

      Grüße Enja
    • Hallo Enja,

      na ja - und dann gibt es d i e Mütter/Eltern, die immer sofort mit der HB um die Ecke kommen.

      Zuletzt noch in unserem Schachverein. "Diese beiden hier sind hochbegabt, sie gehen auf eine Spezialschule."

      Der nette Schachlehrer versucht nun diese beiden los zu werden, denn die kommen nicht, weil sie möchten, sondern weil irgendein Therapeut der Mutter versichern konnte, dass Schach für HBs super ist.....

      Gruß, t.B.
    • Konkret: Wieso gehen Lehrer immer so negativ damit um?
      Wieso immer?

      Viele Hochbegabte verstecken ihre Hochbegabung absichtlich, weil sie bei ihrem Mitschülern schlechte Erfarungen gemacht haben. In dem Fall ist es für Lehrer nahezu unmöglich, sie zu erkennen (siehe anderer thread).

      Sehr schwierig ist es auch abzuwägen zwischen der Konzeption von spannenden, fordernden Aufgaben, die zwar rekordverdächtige Leistungen hervorbringen können, genau diese können aber bei den Mitschülern, die diese (z.B.) Referate / Präsentationen etc nie selbst erstellen und manchmal nicht mal verstehen können, zu sehr negativen Reaktionen führen. Auch durchaus verständlich, wenn man sich vorstellt, dass man ein Mensch ist, der mit aller Kraft darum kämpfen muss, selbst die basics eines Themas irgendwie zu kapieren ...
      Davor (i.e. vor den Neidreaktionen) möchte man einen hochbegabten Schüler bewahren - das ist sehr knifflig. Weder Experten auf Fortbildungen noch die hochbegabten Schüler, die ich kennen gelernt habe, konnten mir jemals sagen, was da der "richtige" Weg ist. Es gibt eigentlich nur die Wahl zwischen gähnender Langeweile und dem Neid der anderen.

      Was ich tue, ist:
      - möglichst viel freie Arbeitsformen anzubieten (auch ohne Hochbegabte in der Klasse, so ist mein Unterricht immer)
      - viel in Kleingruppen arbeiten, so dass ich bei bestimmten Themen die besondes Guten zusammensetzen kann, dass sie sich gegenseitig fordern
      - den/die Hochbegabte fragen, wie er es den selber am liebsten hätte (Zusatzaufgaben, Referate, Präsentationen oder eher "unaufällig bleiben" oder (was er/sie auch immer für Vorstellungen / Wünsche hat) - regelmäßi nachfragen, wie's ihm / ihr geht
      - sehr auf ein gutes, offenes und warmherziges Kursklima und menschliche Umgangsformen achten, vielleicht mehr als auf administrative Genauigkeiten - in der Hoffnung, dass alle, die ganz Schwachen und die ganz Starken, nicht rausfallen
      - möglichst binnendifferenziert arbeiten, was in Zeiten des Zentralabis allerdings immer schwieriger und aufwändiger wird.


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    • Hallo,

      man sieht ja aus dem Posting von "Träumende Bücher" schon, wie das läuft. Genau sooo schallt es einem von Lehrern auch oft entgegen.

      Wenn Lehrer von der HB des Kindes wissen, kommt es häufig vor, dass sie beweisen wollen, dass das Kind gar nicht so klug ist, wie es zu meinen scheint. Die Kinder werden dann regelrecht vorgeführt. Deshalb scheuen sich die meisten Familien eher, der Schule solche Informationen überhaupt zu geben. Völlig zu recht.

      Der Neid der anderen scheint mir eine typisch deutsche Spezialität zu sein. Unser Schulsystem ist im Grunde so ausgerichtet, dass alle jederzeit im Gleichschritt lernen und arbeiten. Wer abweicht, hat ein hohes Mobbingrisiko.

      Und wenn dazwischen ein Lehrer agiert, der nicht sooo ist, nützt das nichts. Ihm kann man dann leider auch nichts mitteilen, da es seine Kollegen sonst auch erfahren würden.

      Fortbildungen gibt es nur sehr wenige in der Richtung. Ich habe es mir gestern auf der HP des IQ mal wieder angeguckt.

      Unter dem Schlagwort Hochbegabung findet man neun Veranstaltungen. 5 davon "auf Abruf", also für einzelne Lehrer gar nicht zu haben. Praktisch nur Vorträge, nichts umfangreicheres. Ein Hörbuch. So charismatische Veranstaltungen wie "VHS soundso stellt ihr Programm vor". Aus dem Angebot müssen sich die Lehrer der 114 Schulen für Hb-Förderung ihre Fortbildung suchen. Das wird wohl kaum klappen.

      Grüße Enja
    • M.E. reagieren Lehrer auf hochbegabte Kinder so wie andere Erwachsene auch. Eine etwaige Schieflage zwischen kognitiver und sozialer Entwicklung gerade bei jüngeren Kindern muss man ja nicht als sympathisch empfinden.
      Freilich habe Lehrer einen pädagogischen Auftrag und sollten nicht "normal" sondern pädagogisch reagieren können.

      Hinzu kommt bei jeder "Leistungsstörung" die latente Frage, wer denn die "Schuld" daran trägt. Denn das Kind ist ja hochbegabt. Da gibt es ja nicht nur bei Lehrern Defizite in der Beurteilung der Auswirkungen einer Hochbegabung. Im schulischen Kontext kann "hochfleißig" ja ohne weiteres "hochbegabt" weit abhängen.


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Du fährst sozusagen alle erhältlichen Klischees auf:

      "Eine etwaige Schieflage zwischen kognitiver und sozialer Entwicklung gerade bei jüngeren Kindern muss man ja nicht als sympathisch empfinden."

      "Dass "Fleiß" langfristig für den Schulerfolg wichtiger ist als Begabung war das Ergebnis einer Studie über die letztens ein Onlineartikel kam."


      Hoch begabte Kinder sind also nach deiner Wahrnehmung irgendwie gestört. Und faul wie die Nacht.

      So dass sie dann "selber schuld" haben, wenn man sie "psychiatriereif schießt", wie man das so schön nennt?

      Woher beziehst du diese Weisheiten? Kennst du welche?

      Grüße Enja
    • Re: Wie geht ihr damit um?

      "Freki" schrieb:

      Wie ihr dazu steht, welche Probleme sich daraus ergeben (auch für euch),wie ihr als Lehrer,Eltern etc. damit umgeht.


      Probleme können sich auch ergeben mit Lehrern, die über das Thema Hochbegabung eine Weiterbildung besucht haben, wenn die gezwigten Leistungen nicht dem Potential entsprechen. Sie sehen es dann als persönliche Herausforderung, die Leistung aus dem Schüler zu kitzeln und reagieren dann leicht beleidigt, wenn die angedachten Massnahmen nicht auf Begeisterung stossen oder keine Wirkung zeigen. (Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, hochbegabte Schüler würden bei einer Belastung von 45 Stunden/Woche gerne noch 5 weitere Stunden für zusätzliche Referate arbeiten? :?: )

      Leider kommt es dann nicht selten zu Killerphrasen à la "Ich bin wirklich am Ende mit dir, ich habe alles versucht und du schaffst nichts" oder "Es reicht halt nicht, wenn nur deine Mutter von dir beeindruckt ist." oder "Und jetzt eine besonders schwierige Frage für unseren Einstein......" alles kombiniert mit "Vorführen", wie Enja bereits geschrieben hat.

      Es reicht, wen ein oder zwei Lehrer so verfahren, die Integration in die Klasse ist dann kaum mehr möglich und man müsste eigentlich die Flucht ergreifen, wenn nicht die Wahrscheinlichkeit so hoch wäre, dass man vom Regen in die Traufe kommt.
    • Ich habe gerade mal die Studie rausgesucht:
      Um vor der Schule lesen und/oder rechnen zu lernen sind keine überdurchschnittlichen
      kognitiven Fähigkeiten nötig, sie können vielmehr auch unterdurchschnittlich oder durchschnittlich
      sein. Überdurchschnittliche kognitive Fähigkeiten garantieren den Schulerfolg
      keineswegs. Insgesamt sind Vorwissen und Motivation wichtiger als Intelligenz. Umgekehrt
      gilt jedoch als gesichert, dass eigeninitiiertes vorschulisches Lesen- und Rechnenlernen,
      das zu einem deutlich akzelerierten Vorwissen führt, mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten
      verbunden ist und insgesamt die besten Voraussetzungen für den Schulerfolg
      liefert.

      <!-- m --><a class="postlink" href="http://perso.unifr.ch/margrit.stamm/forschung/fo_downloads/fo_dl_publ/FLR2003def.pdf">http://perso.unifr.ch/margrit.stamm/for ... 003def.pdf</a><!-- m -->

      Nun haben die wenigsten Studien einen Anspruch auf alleinige Wahrheit.
      Aber gut, ich persönlich halte Fleiß(=Motivation?) bei durchschnittlicher Intelligenz in unserem Schulsystem für risikoärmer und erfolgversprechender als hohe Intelligenz bei durchschnittlichem Fleiß (der dann schnell erlahmen kann).


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Hallo,

      ich finde es schon gut, wenn an einer Schule ein "begabungsfreundliches Klima" herrscht. Das wäre dann in etwa so, wie Meike das beschreibt. Das ist nämlich gut für jedes Kind und insbesondere eben auch für die Begabten.

      Warum viele Lehrer so ein negatives Bild haben? Einige sind tatsächlich der Ansicht, dass sie noch nie ein hochbegabtes Kind kennengelernt haben (ist bei 2 auf 100 Kinder ziemlich unwahrscheinlich). Andere haben sowieso schon genug Probleme mit anderen Kindern. Manche werden einfach auch Angst haben, vor den Fragen der Kinder, den Eltern, der gesammelten Hilflosigkeit. Und es gibt sie eben auch, die Eltern, die ihre Kinder "pushen" (s. das Schachbeispiel), auch wenn sie es vielleicht nur gut meinen, oder einem windigen Therapeuten geglaubt haben.

      Mobbing ist immer ein Gefahr am Horizont. Man segelt eigentlich ständig hart am Wind...

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Das mit den bösen Eltern, die ihre Kinder pushen, ist auch so ein Klischee, dass ich ziemlich nervig finde. Normalerweise wird doch erwartet, dass Eltern ihren Kindern klarmachen, dass sie sich in der Schule anstrengen sollen. Die Eltern hoch begabter Kinder sollen dagegen warten, bis sich das Talent von allein entfaltet.

      Grüße Enja
    • Was mir leider immer noch niemand - weder "meine" Hochbegabten, noch die Fortbilder, noch die websites und Fachliteratur - wirklich beantworten konnte, ist, wie man hochbegabte effektiv vor dem Hohn und Spott und Ärgerem der Mitschüler schützen kann. Allgemeine Phrasen wie "schaffen Sie ein begabtenfreundliches Klima!" kann man ja gerne mal so in den Raum stellen, aber sie helfen nix, wenn die Klasse sonst voll von abschwächelnden ums-Überleben-Kämpfer ist, die einen echten Hals kriegen, wenn jemandem was zufliegt. Oder er sich gewählt ausdrücken kann. Oder er Texte auf Anhieb versteht.
      Wie genau (jenseits der von mir weiter oben genannten Dinge, die ich als für mich selbstverständliches Angebot für alle Kinder sehe) schafft man denn fix (! man HAT ja nicht Jahre in einer Klasse! Und mobbing zermürbt ziemlich schnell!) ein begabtenfreundliches Klima als Lehrer? Mitten im weniger begabtenfreundlichen Deutschland? Womöglich noch im Kurssystem, wo man die Lieben ind er Zusammensetzung 5 Stunden max. hat?

      Irgendwie ist man als Lehrer ja dann in der Sicht einiger doch wieder dran schuld, wenn der Begabte gemobbt wird. Wie man's wirklich verhindern kann, sagt einem aber - jendseits der Phrasen - auch keiner. Leider noch nicht mal die Hochbegabten selber. O-Ton zu mir "Ich freu' mich total über Ihre Bemühungen, Frau Meike, aber Sie können die Dinge für mich nicht ändern. Ich möchte mich lieber weiter unter Wert verkaufen, als rauszustechen."
      Find' ich eher traurig. Sollte das alles gewesen sein, was man machen kann - sich auf solche Wünsche einzulassen und das understatement zu decken?