Definitionen von HB

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    • Definitionen von HB

      Eine Ursache der Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Lehrern und Eltern beim Thema Hochbegabung sehe ich in den unterschiedlichen Definitionen von HB. Eltern, die von der HB ihres Kindes reden, haben meist die eindimensionale Definition von HB im Kopf, die besagt, dass der IQ im Bereich der oberen 2 % der Normalverteilung ist und eine Disposition zu herausragenden Leistungen besteht.

      Lehrer haben meiner Erfahrung nach oft - bewusst oder unbewusst - andere Modelle im Kopf, bei denen es nicht um die Disposition zu herausragenden Leistungen geht, sondern bei denen das Vorhandensein dieser Leistungen ein Merkmal der HB ist. Nachfolgend eine Aufstellung der mir bekannten HB-Modelle, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

      Drei-Ringe-Modell nach Renzulli (1986):

      die Schnittmenge der drei folgenden Persönlichkeitsmerkmale:

      * überdurchschnittliche Fähigkeiten
      + abstraktes Denken
      + sprachliches Geschick
      + domänespezifische Fähigkeiten

      * Aufgabenzuwendung
      + Fähigkeit, sich intensiv und über längere Zeit mit einer Aufgabe
      auseinanderzusetzen, und zwar
      - kognitiv,
      - emotional
      - motivational

      * Kreativität
      + originelles, produktives, flexibles und individuell-selbständiges Vorgehen beim
      Problemlösen

      Kritik am Drei-Ringe-Modell:

      Hohe kognitive Fähigkeiten gehen keineswegs immer mit hohen Leistungen einher (Problem der Underachiever).

      Durch die dreifache Voraussetzung (hohe Begabung, hohe Kreativität und hohe Aufgabenorientierung) sind Hochbegabte
      äußerst seltene Ereignisse.

      Messung von Kreativität und Aufgabenverpflichtung wenig reliabel und valide.

      Das `Triadische Interdependenzmodell´ von Mönks:

      * Ergänzung des Modells von Renzulli
      * Hochbegabung entsteht in der Interaktion von Personen und Umwelt
      * Auf Seiten der Intelligenz muss der IQ über 130 liegen

      Kritik:

      * Ähnlich wie bei Renzulli
      * Man findet nach den drei Kriterien kaum Hochbegabte
      * Dass die Umwelt wichtig ist, gilt nicht nur für die drei Dimensionen auf Personenseite
      * Es bleibt offen, wann die Umwelt besonders wichtig ist
      * Unklare Trennung von Hochbegabung und Hochleistung
      * Die Frage, ob Underarchiever als hochbegabt bezeichnet werden, ist nicht eindeutig
      beantwortet

      Münchner Hochbegabungsmodell nach Heller, Perleth und Hany

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      Das Müncher Hochbegabtenmodell orientiert sich am Intelligenzbegriff von Gardner (9 Intelligenzien)
      * Sprachliche Intelligenz
      (Dichter, Journalisten, Werber, Rechtsanwälte,....)
      * Musikalische Intelligenz
      (Musiker, Dirigenten, Komponisten, ...)
      * Logisch-mathematische Intelligenz
      (Mathematiker, Computerfachleute, Philosophen, ..)
      * Räumliche Intelligenz
      (Schachspieler, Bildhauer, Architekt,..)
      * Körperlich-kinästhetische Intelligenz
      (Sportler, Schauspieler, Tänzer, Chirurg, etc )
      * Intrapersonale Intelligenz
      (Fähigkeit, eigene Gefühle, Grenzen und Möglichkeiten gut zu kennen, z.B. Schauspieler, Schriftsteller, Künstler, .. )
      * Interpersonale Intelligenz
      (Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen und ihnen empathisch zu begegnen : Therapeuten, Lehrer, Verkäufer)
      * Naturalistische Intelligenz
      (Fähigkeit, Lebendiges zu beobachten, zu unterscheiden und zu erkennen, für Naturphänomene sensibel zu sein : Förster, Botaniker, Biologen, ....)
      * Existenzielle Intelligenz
      (Fähigkeit, wesentliche Fragen des Daseins zu erkennen und Antworten darauf suchen : Spirituelle Führer, Philosophen, ...)

      Ob besondere Fähigkeiten zu exzellenten Leistungen führen, hängt immer von Persönlichkeitsmerkmalen und Bedingungen in der Umwelt des Einzelnen ab. Hier ist der Einfluss vieler Faktoren denkbar. Begabung und Intelligenz werden nicht gleichgesetzt, Intelligenz (hier: intellektuelle Fähigkeiten) ist einer von mehreren Bereichen menschlicher Kompetenzen, in denen Einzelne besonders hohe Potentiale besitzen und dadurch eine vielversprechende Ausgangsposition haben, um exzellente Leistungen zu erzielen.

      So verfügt das Modell einerseits über eine hohe Plausibilität, weil die vielen Facetten mit Erfahrungen und Fallbeispielen gut verknüpft werden können. Andererseits lassen sich so umfangreiche Modelle wissenschaftlich kaum fundiert untersuchen und empirisch belegen. Denn zahlreiche Faktoren sind nicht zuverlässig messbar und es kann unermesslich viele Beziehungen (Wirkungsrichtungen) zwischen einzelnen Faktoren geben.

      Hochbegabung nach Sternberg

      Sternberg und Zhang1 (1995) formulieren einige Kriterien für das Vorliegen einer Hochbegabung, die über das Konstrukt Intelligenz hinausgehen, jedoch auch beinhalten:

      1. Das Kind / Jugendlicher ist Gleichalterigen in einem Bereich deutlich überlegen.
      2. Der Bereich (Dimension) in dem das Kind / der Jugendliche eine besondere Leistung aufweist muss zu einer erhöhten Produktivität führen.
      3 . Die Dimension des spezifischen Leistungsbereichs kann durch ein Messinstrument (Test) nachgewiesen werden. (Auszüge aus Sternberg & Zhang, 1995)

      Vor Eltern-Lehrer-Gesprächen finde ich es wichtig, sich darüber zu verständigen, nach welchem Modell HB im jeweiligen Bundesland definiert wird. Im Saarland setzt die spezielle HB-Förderung ein, wenn die Voraussetzungen des eindimensionalen Modells von einem Schulpsychologen bestätigt werden. Diese Hürde ist also relativ gering. Problematischer wird es, wenn vor einer Förderung überdurchschnittliche Leistungen erwartet werden.

      Grauseldis
    • In Hessen gelten hierzu für die Schulämter und Schulen die Vorgaben von Prof. Rost.

      Hochbegabt ist also hier jemand, der in einem IQ-Test einen Wert von mehr als 130 erreicht hat. In Anerkenntnis der Problematik dieser Definition und mit allen Unwägbarkeiten, die damit verbunden sind, ist das einfach das einzige, was sich abtesten lässt.

      Wegen der Toleranzintervalle der Tests sollte es auf ein paar Punkte weniger nicht ankommen. Da Rosts Marburger Studie ergeben hat, dass Lehrer die hoch begabten Schüler in ihren Klassen nicht erkennen können, muss ein Psychologe dieses feststellen.

      Psychologische Gutachten von freien Psychologen und anderen testenden Stellen wie KJPs, SPZs, Erziehungsberatungsstellen und anderen Beratungsstellen werden gleichermaßen anerkannt. Eine Wiedertestung durch den Schulpsychologen soll nicht verlangt werden.

      In jedem Schulbezirk gibt es einen zuständigen speziellen Psychologen, der für das Thema Hochbegabung speziell fortgebildet ist und auch die nötigen Tests bereithält. Zusätzlich gibt es bei besonderen Schwierigkeiten entsprechende Sonderpädagogen für jeden Schulbezirk, die Hilfe leisten können.

      Wann Handlungsbedarf bezüglich Underachievement besteht, hat Rost ebenfalls klar definiert.

      Einzelheiten finden sich unter dem Link, den ich schon eingestellt hatte.

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