Ungewöhnlicher Weg aus der Dyskalkulie-Mit Wasser rechnen

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    • Ungewöhnlicher Weg aus der Dyskalkulie-Mit Wasser rechnen

      Ungewöhnlicher Weg aus der Dyskalkulie - Mit Wasser rechnen

      Wenn Schüler nach der 3. Klasse noch mit den Fingern zählen, leiden sie oft unter Rechenschwäche (Dyskalkulie). Ein bis vier Betroffene sitzen laut Expertenmeinung in jedem Matheunterricht. Um Abhilfe zu schaffen, zählt ein Kölner Lerntherapeut jetzt ausgerechnet auf ein unzählbares Medium: auf Wasser.

      Judith muss sich konzentrieren. Vor der 14-Jährigen stehen mehrere Glaszylinder. Zwei sind bis zum Rand gefüllt mit blau gefärbtem Wasser, zwei weitere nur zum Teil. Das seltsame Stillleben im Raum des Rechentherapiezentrums Köln ist eine Bild gewordene Rechenaufgabe, die auf einer einzigen Abmachung beruht: In randvollen Gläsern befinden sich immer exakt zehn gleich große Schlucke Wasser. Die Mengen in den weniger vollen Gläsern sind, in Zehntelschritten abschätzbar, entsprechend kleiner. Judith schätzt ab. Zehn plus zehn plus sechs plus acht Schlucke oder 16 plus 18 lautet die Aufgabe, die es zu lösen gilt.

      In Gedanken macht Judith drei Gläser voll, bis im letzten Glas noch vier Schlücke übrigbleiben. "34", sagt die Schülerin und lächelt. Das Ganze dauert nur Sekunden. Ihr Lerntherapeut Torsten Landwehr lobt zufrieden. Denn das Ergebnis ist ein gewaltiger Fortschritt hin zur Abstraktion. Noch vor wenigen Wochen musste die Realschülerin das Wasser wirklich umschütten, um das Ergebnis abzulesen. Jetzt, in ihrer fünften Stunde, "schüttet" sie im Kopf, selbst Zahlen über Hundert. "Und ganz früher", sagt Judith, "hätte ich das an meinen Fingern abgezählt".
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      In Mathe eine Sechs, ansonsten eine Zwei
      Fingerzeig für Rechenschwäche: Früher zählte Judith mit der Hand
      Judiths Finger-Zähl-Methode ist typisch für Schüler mit gestörtem oder fehlendem Verständnis für Mengen und Zahlen: Eine Sackgasse, die spätestens beim Dezimal- und Bruchrechnen zum Absturz führt. In Deutschland gilt jeder fünfte Schüler in diesem Sinne zumindest als latent rechenschwach. Sechs Prozent leiden unter einer echten Rechenschwäche (Dyskalkulie). Noch als Erwachsene scheitern sie beim Versuch, die Einwohner ihrer Heimatstadt abzuschätzen oder im Baumarkt mit den Rabatt-Prozenten klarzukommen.

      In der Schule wird Dyskalkulie meist nicht erkannt. Wie auch die Schreib- und Leseschwäche (Legasthenie) ist sie eine so genannte Teilleistungsstörung: Wer in Mathe auf einer Sechs steht, kann in Deutsch oder Bio ein Überflieger sein. Überhaupt sind Betroffene nicht selten überdurchschnittlich intelligent. Dummerweise müssen sie einen Gutteil ihrer Klugheit darauf verwenden, ihr Problem mit Tricks und Eselsbrücken zu kompensieren. Manche lernen das Einmaleins auswendig, andere wiederholen jedes Wochenende den gesamten Mathestoff der letzten Jahre, wieder andere zücken im Unterricht den Taschenrechner, wenn der Lehrer mal nicht guckt.
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      "Je intelligenter ein Schüler ist oder je besser sein Gedächtnis funktioniert, desto länger gelingt es ihm oft, seine Schwäche geheim zu halten", lautet Thomas Landwehrs einfache Formel. Demnach wäre Judith ein besonders intelligentes Mädchen. Bei der Achtklässlerin ist die Rechenschwäche nur aufgefallen, weil sie aus freien Stücken zum Lerntherapeuten ging. Ihre Lehrerin war ahnungslos. In Mathe steht das Mädchen auf einer Drei – und das, obwohl es vor der Therapie nicht einmal vier und fünf zusammenrechnen konnte.

      Landwehr hat die Rechenschwäche bei Judith aufgedeckt. Und er versucht, der Dyskalkulie auf neuartige Weise beizukommen. Während andere Lerntherapeuten auf Malpunkte, bunte Stäbe oder Holzklötzchen setzen, die schon aufgrund des Materials wieder zum Fingerzählen verführen, arbeitet der 34-jährige Leiter des Kölner Rechentherapiezentrums mit der so genannten Schlotmannschen Wasserglasmethode.
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      Wie schüttet man eine Sieben?
      "Wasser ist nicht abzählbar und führt deshalb viel schneller zum Erfolg", sagt Landwehr: Wer da mit Fingern rechnen will, der greift ins Leere. "Zudem ist Wasser positiv besetzt, der Umgang macht den Schülern Spaß. Und mit Wasser lassen sich Mengen und zu untersuchende Zahlenräume ohne einen verwirrenden Medienwechsel beliebig ändern." Will sagen: Ob sich zehn, hundert oder tausend Schlucke im randvollen Wasserglas befinden, ist nur eine Frage der Absprache zwischen Therapeut und Schüler.

      "Die Wasserglasmethode schult Rechenstrategien, die jeder von uns verwendet", sagt Landwehr. Mancher, der 16 plus 18 rechnet, "schüttet" im Kopf auch erst einmal die 30 voll, ohne es zu wissen. Wie vieles in der Pädagogik klingt diese Lösung ziemlich simpel. Aber sie kann sich auszahlen, wie Judith findet: "Ich kann jetzt schneller rechnen, und meine Finger brauche ich überhaupt nicht mehr". Die Methode ist laut Landwehr auch verwendbar, wenn es in Mathe komplizierter wird: "Selbst Brüche, Dezimalzahlen, Funktionen sowie Aufgaben der Prozent- und Wahrscheinlichkeitsrechnung lassen sich problemlos schütten."
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      Schluck für Schluck zum Schulabschluss
      Durch Umschütten können Schüler zudem in Eigenregie überprüfen, ob ihre Ergebnisse stimmen. Das macht die Wasserglasmethode auch für den eigenen Hausgebrauch geeignet. Die Materialien finden sich in Küchenschrank und Wasserhahn. Überhaupt ist Nachhilfeunterricht für Landwehr nur der letzte Ausweg. "Rechenschwache Schüler sollten im Klassenverbund richtig gefördert werden", lautet sein Credo. Deshalb bietet er vor allem auch Weiterbildungen für Lehrer, aber auch für Eltern an. Denn nur eine rechtzeitig erkannte und bekämpfte Rechenschwäche verhindert, dass kluge Kinder auf Schulen landen, die sie unterfordern.

      "Neuesten Studien zufolge hat jeder dritte Sonderschüler eine nicht entdeckte Rechenschwäche", sagt Landwehr. Und nicht selten hängt die Empfehlung der Grundschule, die über den weiteren Bildungsweg des Schülers entscheidet, einzig an der Mathe-Note. Auch die Realschülerin Judith könnte es unter Umständen weiter bringen. "Sie hat ein Riesenpotenzial", lobt Landwehr. Ihre Rechenschwäche jedenfalls, da ist der Therapeut sich sicher, wird sie überwinden.

      Quelle: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.wdr.de/radio/schulportal2007/ratgeber/archiv/wasserglasmethode/index.phtml">http://www.wdr.de/radio/schulportal2007 ... ndex.phtml</a><!-- m -->
      Domus Cordis
    • Re: Ungewöhnlicher Weg aus der Dyskalkulie-Mit Wasser rechne

      Auch wenn der Beitrag schon länger zurückliegt, es wird aber immer noch kräftig Werbung für die "Wasserglasmethode" gemacht, als wäre das alles doch locker nachvollziehbar. Deshalb hier eine Kritik, an dem, was die Vertreter der Methode selbst vorbringen entlang, die die Wasserglas-Argumente zerlegt, wie es sich gehört. Fazit: diese "Methode" ist nicht ungewöhnlich, sondern beruht auf falschen Urteilen über mathematische Grundgedanken:

      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.rechentherapie.net/pdf/wasserglas.pdf">http://www.rechentherapie.net/pdf/wasserglas.pdf</a><!-- m -->
    • Mit Geist ginge es auch.

      Das Mädchen, mit dem da experimentiert wird, hat ein ungünstiges SELBSTBILD erworben mit Rechenquälereien. Nun gibt man ihr ein neues Bild, an dem sich neue Gedanken entwickeln können. Das Grundprinzip BILDdung ist zwar angegangen aber noch nicht gerade vital genutzt.
      In der neuen Ich-kann-Schule nutze ich den direkten Kontakt zu den im UNBEWUSSTEN liegenden, zu entwickelnden FEINEN Geistes- und Seelenkräften. Mit diesem Unbewussten kann man direkt sprechen, es aufrichten, auftanken, neu orientieren, den Talenten Zuversicht geben usw. Es fängt aber schon damit an, dass ich bewusst darauf achte, die sensiblen und entscheidenden Kräfte nicht bereits durch formale pädagogische Maßnahmen nin die Flucht zu schlagen. Das habe ich in meinen Untersuchungen für die Ich-kann-Schule allzuoft dem Werdegang der Schüler entnehmen müssen.
      Was soll den die Suggestion, dass Kinder, die mit den Fingern zählen, Dyskalkulie haben? Das tun Minister im Fernsehen. Wer würde es wagen, das dann dem Herrn Minister zu sagen? Bei Kindern und allen in der Hierarchie unter uns haben wir keinerlei Hemmungen. Und wir achten nicht auf die Suggestivwirkungen, die das Problem groß machen.
      Wenn wir sorgfältiger mit GEIST umgingen, würden die meisten Probleme nicht so groß werden und wären relativb einfach zu lösen.
      Ich grüße freundlich.
      Franz Josef Neffe
      Franz Josef Neffe
      Immer wenn ich nichts im Kopf habe, ist die Gefahr besonders groß, dass mir was einfällt.