Eltern drehen am Rad - auch eine Folge von PISA?

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    • Eltern drehen am Rad - auch eine Folge von PISA?

      Habe nur ich den Eindruck, dass immer mehr Eltern bezüglich der Schule (und zwar insbesondere in den ersten beiden Grundschuljahren ihrer Kinder )"am Rad drehen" oder geht das auch noch anderen so?

      Schon beim Kindergartenstammtisch wird über die richtige weiterführende Schule für Kinder, die noch nicht mal in der Schule sind, geredet; sobald die Kinder das erste Mal einen Schritt in die Schule gesetzt haben, muss die Leistung stimmen, wobei wir die vielen kleinen Erfolge oft gar nicht wahrnehmen und wehe, das eigene Kind bringt nicht die nötigen Ergebnisse, kann nach 5 Monaten noch nicht fließend lesen oder schreibt Zahlen immer noch spiegelverkehrt - dann ist natürlich die Schule Schuld, die nicht genug Hausaufgaben aufgibt, das Kind nicht genug fördert. Gleichzeitig nehmen wir in Kauf, dass der komplette Nachmittag für Hausaufgaben draufgeht, denn wenn wir Eltern sie nicht kontrollieren, macht es ja keiner; wir reduzieren unser gemeinsames Erleben mit unseren Kindern auf die Erledigung der Hausaufgaben und vergessen völlig, dass Schule nicht alles ist.

      wo bleibt das Vertrauen in die Kinder, in die Lehrer?
      wo bleibt die Geduld, einfach mal eine Entwicklung abzuwarten?

      Mir geht das Ganze zunehmend auf die Nerven, vor allem, weil ich das Gefühl habe, dass es seit PISA immer schlimmer wird!
      Denn auch, wenn man versucht, sich rauszuhalten, sich nicht von der allgemeinen Hysterie anstecken zu lassen, kann man doch nicht alle sozialen Kontakte abbrechen.

      So, das musste jetzt mal raus (Die ersten 5 Schultage in diesem Schuljahr waren extrem nervig)

      Nina
    • Seit den 70'er Jahren hatte die Ministerialbürokratie solche internationalen Vergleichstests erfolgreich abgeblockt.
      Wir hatten das beste Schulsystem der Welt. Punkt.
      Das Vertrauen in die Institution Schule wurde daher durch PISA empfindlich gestört.

      PISA-E 2003 brachte dann noch die Erkenntnis, dass die Chancen für Kinder aus "bildungsnahen Schichten" (die dauernd darüber nachdenken und reden) mehrfach bessere Chancen auf eine höhere Schulbildung haben.

      Aber ich denke eher, es liegt an diffusen Ängsten der Art:
      "Ohne Abi kannst Du nicht mal Frisör werden"
      gekoppelt mit der neuen "verbindlichen Schullaufbahnempfehlung" in NRW.



      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Ich halte diese Ängste für ganz real.

      "Ohne eine toll ausgemalte Mappe für Sachkunde kannst du nicht auf das Gymnasium."

      "Ohne dass deine Eltern den Eindruck erwecken, dass sie sich täglich um deine Hausaufgaben kümmern, kannst du nicht auf das Gymnasium."

      Schule und Lehrer haben eben viel Macht. Da werden Chancen vergeben und Weichen für das Leben gestellt. Zu verlangen, dass die Betroffenen das locker sehen, finde ich schwierig.

      Grüße Enja
    • "Ohne... kannst Du nicht aufs Gymnasium!"

      Ja und? Dadurch werden doch nicht alle Chancen für die Zukunft verbaut. Bei uns (gutbürgerlicher bis nobler Vorort) geht es doch inzwischen schon im Kindergarten um die Frage: Kommt mein Kind aufs Gymnasium oder nicht (an der Hauptschule werden übrigens immer weniger Kinder angemeldet, stand heute in der Zeitung) - und entsprechend wird dann frühzeitig Druck auf die Erzieherinnen ausgeübt, weil die Kinder möglichst schon im KiGa lesen und schreiben lernen sollen; dann wird der Druck auf die Lehrerinnen übertragen, die die Kinder nicht genug fördern und auch die Kinder stehen unter diesem Erfolgsdruck.

      WAS SOLL DAS?
    • Hallo Nina,

      Gelassenheit ist schon ein Kunst, die nicht jedem gegeben ist und mit der man sich leichter tut, wenn man schon Erfahrung hat.

      Schätz doch mal ab, ob die von dir beschriebenen Eltern die Mehrheit bilden. Ich wage zu wetten, dass sie das nicht tun, aber sie sind halt besonders laut....

      Und was das Vertrauen angeht: ich habe auch nicht den Eindruck, dass man sich nicht kümmern braucht. Man kann schon froh sein, wenn es sich auf das Begleiten auf gewissem Abstand beschränken kann.

      Da sagte doch eine Lehrkraft Mitte des 1. SJ: "Sie kann alles, was sie können muss." Das war genauso richtig wie Blüms berühmte Aussage: "Die Rente heute (!) ist sicher". Im 2. SJ ließ sich die ADS-Problematik nicht mehr wegdiskutieren, aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen.

      Also, das ist schon eine Gratwanderung...

      Die lauten Eltern werden übrigens auch irgendwann ruhiger, ist so meine Erfahrung. Du hast schon Recht. Die "Hoch"zeit ist so rund um den Schuleintritt.

      Und selbstverständlich geht es auch ohne Abi. Zumindest war das früher so. Heute las ich in der Zeitung, dass in NRW das neue Schulgesetz den "Aufstieg" drastisch behindere...

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Die lauten Eltern werden irgendwann leiser, weil sie merken, dass sie nichts ausrichten können.

      "Nebenan" kann man ja gerade lesen, wie Eltern und Kinder skandalös verladen werden. Und die KL sich nicht zuständig fühlt und sich wundert, was sich die Eltern da so alles gefallen lassen.

      Grüße Enja
    • "Enja" schrieb:

      "Nebenan" kann man ja gerade lesen, wie Eltern und Kinder skandalös verladen werden. Und die KL sich nicht zuständig fühlt und sich wundert, was sich die Eltern da so alles gefallen lassen.


      Meinst Du damit den Thread "Benotung bei Unterrichtsausfall"?

      LG, das_kaddl.
      [img]http://foto.arcor-online.net/palb/alben/08/4410508/400_3333653337656163.jpg[/img]
    • "Nein, der Unterricht ist nicht vertreten worden (ja, das ist ein Skandal, wie ich finde, aber ich kann es nicht ändern)."

      Ein Skandal. Klar. Kommt immer mal wieder vor. Ausbaden sollen es die Kinder. Die Schule "kann es nicht ändern".

      "Dass sich keine Eltern beschwert haben bis jetzt, finde ich auch seltsam, aber die Eltern anscheinend nicht - obwohl ich als Klassenlehrerin ihnen diese Möglichkeit dargelegt habe."

      Die KL möchte nichts unternehmen, sich nicht beschweren, sich nicht für die Klasse einsetzen. Das müssen ihrer Meinung nach die Eltern tun. Die hat sie schon mal dazu aufgefordert. Anscheinend haben die aber das in diesem Thread an sich vermisste Vertrauen und rühren sich nicht. Eigentlich wird es ja auch nicht gern gesehen, wenn sich die Eltern als so eine Art Wach- und Schutztruppe fühlen. Es sei denn, es passt in den Kram, dann sollen sie.

      "Bin sehr gespannt, ob auf die Zeugnisnoten jetzt Reaktionen kommen - die sind in diesem Fall nämlich wichtig für die Schullaufbahn, was die Eltern und Kinder auch wissen..."

      Stattdessen würgt man den Kindern Noten rein - die auch noch wichtig sind für ihre Schullaufbahn - und wartet dann gespannt auf Reaktionen. Irgendwann müssen die Eltern doch mal aufwachen und merken, dass ihre Kinder verladen werden.

      Ein gutes Beispiel für das Risiko, das im Vertrauen liegt. Wenn es um mein eigenes Kind geht, ist die Gelassenheit zu akzeptieren, dass es aus solchen Gründen kein Abi bekommt ziemlich schwierig. Eigentlich auch unverantwortlich.

      Grüße Enja
    • Die lauten Eltern werden irgendwann leiser, weil sie merken, dass sie nichts ausrichten können



      Sich einem konkreten Anlass zu beschweren, halte ich für mein gutes Recht und ggf. auch für meine Pflicht (wenn ich als Elternvertreter gefragt werde)
      Allerdings bevorzuge ich dabei die "leisen Töne" und sachlichen Argumente, die in einem Fall wie dem "nebenan" geschilderten Unterrichtsausfall ja anscheinend gegeben sind.

      Ansonsten hoffe ich sehr, dass die lauten Eltern aus den ersten Schuljahren, die sich wegen jeder Kleinigkeit aufregen, die sich keine Mühe machen, mal über die andere Seite nachzudenken und die mit ihrem lauten Gemecker den Ruf einer ganzen Schule nach unten ziehen, irgendwann leiser werden. :wink:

      @UBI
      "Begleitung mit gewissem Abstand" finde ich eine sehr treffende Formulierung.
      Wenn das funktioniert, müsste die Schulzeit eigentlich für Kinder und Eltern gut verlaufen - wobei ich nicht meine, dass das ein Einserabi sein muss, sondern vielmehr, das die Kinder ihre Schulzeit als insgesamt positiv empfinden - egal, welches Ergebnis herauskommt.

      Nina
    • Das ist so eine Art Instrumentalisierung der Elternarbeit. Die Eltern sollen protestieren - auf Abruf. Geordnet und ganz nach Wunsch und Willen der Lehrer. Das klappt häufig. Problematisch wird das, wenn Eltern- und Lehrerinteressen nicht dieselben sind.

      Dann sind die Eltern nicht mehr "engagiert", sondern "unverschämt".

      Ich habe als Elternvertreterin an der weiterführenden Schule immer den Schülern den Vortritt gelassen und sie erst bei Misserfolg unterstützt. Bei manchen Lehrern ist Schüler-Engagement auch nicht so ganz ohne Risiko. Manchmal können die sich das dann nicht leisten. Das ist nicht anders als bei den Lehrern, die sich bei der Schulaufsicht oder Schulleitung nicht unbeliebt machen wollen und deshalb die Eltern hinschicken. In Maßen finde ich das legitim.

      Grüße Enja
    • Re: Eltern drehen am Rad - auch eine Folge von PISA?

      Hallo Nina,

      "nina" schrieb:

      wo bleibt das Vertrauen in die Kinder, in die Lehrer?
      wo bleibt die Geduld, einfach mal eine Entwicklung abzuwarten?


      Nun, Vertrauen muss man sich im Allgemeinen erst verdienen. In der Schule ist das anders. Da bleibt einem, eigentlich nichts anderes übrig als eine grosse Menge an Vertrauen als Vorschuss bereitzustellen.

      Wenn man sich nach einiger Zeit eingestehen muss, dass man enttäuscht worden ist, dann mag man halt Entwicklungen nicht mehr einfach untätig abwarten. Wenn sie dann eingetreten ist, ist das Kind meist schon in den Brunnen gefallen.

      Du sprichst von der Grundschule. In den ersten zwei Jahren kann man vielleicht wirklich noch Vertrauen haben, oder freudig erwarten, dass sich das einstellt, wenn man eine positive Entwicklung absehen kann. Später aber ist dazu keine Zeit mehr.

      Enttäuschen ist zB folgendes: Lehrerinnen wünschen am Elternabend ausdrücklich, dass Eltern die Kinder ihre Hausaufgaben selbständig anfertigen lassen. Sie fordern täglich eine bestimmte Zeit. Wenn die abgelaufen ist, dürfen die Kinder abbrechen, egal wo sie sind.

      Das ist schön. So, nun hast du ein Kind, dass von Natur aus selbständig und flott arbeitet und somit auch täglich seine Zeit alleine arbeitet. Es kommt aber leider nicht ganz so weit, wie die Kinder, die Stunden lang ackern mit der Mama, die daneben sitzt. Ok, das ist nunmal so. Jetzt kannst du aber dreimal raten, bei welchem Kind die Lehrerin mangelndes Arbeitsverhalten und fehlende Motivation bei den Hausaufgaben feststellen wird............? Man, bzw. das Kind zieht einfach die Niete, wenn die Eltern nciht hinterher sind.

      So, das musste jetzt mal raus (Die ersten 5 Schultage in diesem Schuljahr waren extrem nervig)


      Mein Sohn ist in BW (verbindliche GE) in der 4. Klasse und ich bin Elternvertreterin. Ja, es ist einiges an Unruhe und auch Ängsten da. Ich werde auch relativ häufig von Eltern kontaktiert. Mal kann ich die Probleme besser verstehen, mal finde ich die Reaktionen mancher Eltern etwas übertrieben. Aber es sind alles echte Gefühle und "NERVIG" empfinde ich das nicht.

      Was die weiterführenden Schulen betrifft ist mein Vertrauen übrigens auf ein absolutes Minimum gesunken. Wenn man da als Eltern nicht selber anpacken kann, hat man einfach die Niete gezogen. Tut mir leid, das so schreiben zu müssen. Aber es ist leider meine Erfahrung und meine Beobachtungen.

      lg,

      füchsle
    • Danke für Eure Antworten.
      Einige ausgiebige Spaziergänge am Wochenende sowie ein netter Abend mit Freunden gestern, bei dem wir nicht über Schule gesprochen haben, haben mich wieder beruhigt.
      Inwieweit Eltern bei der weiterführenden Schule mit anpacken müssen, kann ich nicht beurteilen, das ich da noch keine Kinder habe.
      Auch die Unruhe unter den Eltern von Viertklässlern kann ich gut nachvollziehen, auch wenn ich die Panikmache oft übertrieben finde.
      Aber die Aufregung, die manche Eltern von Erst- und Zweitklässlern verbreiten, kann ich inzwischen nicht mehr haben. Wenn die Parallelklasse schon 2 Buchstaben mehr gelernt hat, kann man vielleicht mal bei der Lehrerin nachfragen, woran das liegt, aber deshalb zu verbreiten, dass die Kinder nichts lernen "wo soll das denn noch hinführen,..." - ich will das einfach nicht mehr hören (versuche auch bewusst, diese Elternansammlungen auf dem Schulhof zu vermeiden).
      Aber diese Aufregungen gibt es ja anscheinend nicht nur bei uns.

      Viele Grüße
      Nina
    • Es gibt da schon große Unterschiede.

      Ich hatte am Anfang mal am Gymnasium um die Ecke gefragt, wie es denn so um die Kinder von unserer Grundschule bestellt sei. Ziemlich schlecht, war die Antwort. Ordentlich vorbereitet, sind eigentlich nur die Kinder der Lehrerinnen A und B. Die anderen Klassen kann man vergessen.

      Beim ersten Kind hatte ich noch Vertrauen. War ziemlich schmerzhaft im Endeffekt.

      Bei den anderen, habe ich mich dann "gekümmert".

      Grüße Enja
    • ...sondern vielmehr, das die Kinder ihre Schulzeit als insgesamt positiv empfinden - egal, welches Ergebnis herauskommt.


      Liebe Nina,

      so einfach ist es eben nicht. Die Abschlussnote hat schon signifikanten Einfluss auf die Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Soll heißen: es ist nicht unmöglich, es auch mit schlechten Noten zu schaffen, aber bedeutend schwerer.

      Da hört die Gelassenheit dann irgendwann auf. Ob man in den ersten 2 Jahren schon viel Wind machen muss, ist eine andere Frage. Aber viele Eltern wollen ihre Kinder gerne begleiten, bestmöglichst eben, gerade am Anfang. Oder aber sie haben einfach zu viel Zeit und das gehört zu den täglichen Sozialkontakten.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Eine gute Abschlussnote winkt wohl am ehesten, wenn man die richtige Schulform erwischt und das Kind diese als positiv empfindet. Wobei es die richtige Schulform aber auch nicht für jedes Kind gibt.

      Am Rande:
      Wenn ich mich so umschaue, dann wünsche ich mir schon, dass Töchterchen erst "im reifen Alter" eine Berufswahl treffen muss.
      Schwer vorzustellen, dass die bauchfrei gekleideten Handyquasselstrippen überhaupt eine Lehrstellensuche hinkriegen. ;)


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • OOhch,

      das geht schon. Wenn man erst mal eine beeindruckende Performance von einer schwarz glekleideten lila-haarigen Vertreterin des weiblichen Geschlechts gesehen hat, dann wird man da toleranter...

      Das Problem sind eher so die Zeugnisse, die nur 3er und 4er im Bewerbungszeugnis aufweisen und die 4er in Deutsch und Mathe. Da gebe ich dir recht: lieber ein gutes Hauptschul- als ein schlechtes Realschulzeugnis. Schlecht ist eben "ganz schlecht" oder "geht gar nicht", wie sich die Teenies heute so auszudrücken flegen. Aber wer macht das den Kindern deutlich genug klar und wer unterstützt sie, wenn sie das begreifen und wollen aber nicht können?


      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!