Sozialverhalten bei Hochbegabung

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    • Sozialverhalten bei Hochbegabung

      mich würden die erfahrungen anderer hb-mütter/väter bzgl. des ja so häufig als problem auftauchenden sozialverhaltens interessieren. (natürlich interessieren mich genauso die hb´s, die keine probleme damit/ dadurch haben).

      liegt es wirklich nur an dem "kognitiv weiter" entwickelt sein? wo seht ihr die ursachen?

      gruss,
      sprudelkopfs mutti
    • Hallo,

      ich möchte dazu ein Zitat aus der neuesten Broschüre zum Thema Begabung des Kultusministeriums Schleswig-Holstein bringen:

      "Hat man es mit einem Kind zu tun, das gleichzeitig hochbegabt und verhaltensauffällig ist, sollte man zusätzlich zur Förderung seiner besonderen Talente eine Beratung oder Therapie ins Auge fassen, die geeignet ist, sein Sozialverhalten zu verbessern. Die Ansprechpartner dafür sind Diplom-Psychologen. Eine solche Behandlung wird in der Regel nicht anders aussehen als bei weniger befähigten Kindern."

      Grüße Enja
    • hb/sozialverhalten

      also... schwierigkeiten im sozialverhalten werden meinem sohn erst seit schulbeginn bescheinigt... vorher war er "unauffällig" haha....

      der psych vom schulpsychologischen dienst sieht keinen therapiebedarf...

      er redet immer davon, die schule solle ihn mit "respekt" behandeln.... wie das aussehen sollte, weiss ich aber auch nicht....

      die "auffälligkeiten" äußerten sich in erster linie darin, dass es meinem kind schwer fällt, eine stunde morgenkreis auszuhalten, in dem alle ellenlang von ihren beschäftigungen am vorigen tag erzählen... oder dass er sich "zu tode langweilt" (o-ton), wenn er zum zehnten mal das kleine "a" schreiben soll. natürlich muss auch er lernen, sich zurückzunehmen, zu warten und anderen aufmerksamkeit zu schenken, allerdings hat aber auch er das recht auf adequate förderung und da haperte es wohl...

      ich kenne leider keine weiteren hb´s, weder auffällig, noch unauffällig, wobei die unauffälligen wahrscheinlich auch eher nicht so präsent sind, oder?

      rein theoretisch halten alle pädagogen ihn immer für das kind, welches sie gerne unterrichten würden (schnelle auffassungsgabe, breites interessensspektrum, großer wortschatz, etc.) aber praktisch ist das anscheinend nicht möglich und daraus kann man nicht einmal den lehrern einen vorwurf machen...

      aber, wie geht ihr denn nun mit der problematik um? alle hb´s zur verhaltenstherapie? alle schuld den eltern? auffälligkeiten bei hb´s = erziehungsversagen?
    • Re: hb/sozialverhalten

      Hallo Sprudelkopf,

      "sprudelkopfs mutti" schrieb:

      aber, wie geht ihr denn nun mit der problematik um? alle hb´s zur verhaltenstherapie? alle schuld den eltern? auffälligkeiten bei hb´s = erziehungsversagen?


      man muss im Laufe der Jahre schon einiges anhören. Mein Prinzip war eigentlich immer BEIDEN Seiten zuzuhören und nicht voreilige Schlüsse zu ziehen, egal wer mir von einem Ereignis zuerst berichtet hat.

      Eine weitere Strategie ist, den Vater zu wichtigen Gesprächen mitzunehmen. Die Vorwürfe in Richtung Erziehungsversagen werden deutlich vorsichtiger formuliert und die Lehrer hören einem länger zu, was man aus Sicht der Mutter zu berichten hat.

      Bei sehr heftigen und wiederholten Verhaltensauffälligkeiten ist eine Verhaltenstherapie wohl nicht zu umgehen. Bei uns hat es eigentlich immer geholfen, wenn man sich mit dem betreffenden Lehrer aussprechen konnte, mit sehr wenigen Ausnahmen. Aber da sind andere Eltern genauso aufgelaufen.

      Generell glaube ich nicht, dass die Problemchen, die wir hatten, mit Hochbegabung im Zusammenhang stehen. Wenn man z.B. zu einem Gespräch zitiert wird und einem nichts anderes berichtet werden kann, als dass das Kind die Lehrerin im Unterricht mit grossen Augen anstarrt oder dass dem 15jährigen Sohnemann in der Hitze des Gefechts ein unfeines "Scheixxe" entfahren ist, dann kann das vermutlich allen widerfahren.


      lg,

      füchsle
    • Re: hb/sozialverhalten

      "sprudelkopfs mutti" schrieb:


      die "auffälligkeiten" äußerten sich in erster linie darin, dass es meinem kind schwer fällt, eine stunde morgenkreis auszuhalten, in dem alle ellenlang von ihren beschäftigungen am vorigen tag erzählen... oder dass er sich "zu tode langweilt" (o-ton), wenn er zum zehnten mal das kleine "a" schreiben soll.


      Ich denke, Du vermischt da zwei Sachen. Das erste würde ich unter Aufmerksamkeitsstörung verbuchen, das zweite unter Unterforderung - so er denn das kleine "a" schon gut schreiben kann.

      Ich bin eigentlich kein Fan davon, Differenzierung massiv einzufordern oder gar mit HB-Gutachten rumzuwedeln wenn die Lehrer sie nicht sehen wollen. Gute Lehrer schaffen es zur Not auch ohne, schlechter Lehrer schaffen es auch mit Differenzierung nicht.

      Hier gibt es übrigens reichlich HB-Eltern:
      <!-- m --><a class="postlink" href="http://forum.mysnip.de/list.php?10520">http://forum.mysnip.de/list.php?10520</a><!-- m -->
      Die Gruppe ist natürlich überwiegend problemgetrieben nicht repräsentativ. Ohne Therapie kommt da kaum keiner aus.

      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Das Problem mit den kleinen a's ist, dass es wohl niemand faszinierend findet, die einzuüben, aber keiner ohne eben diese Übung auskommt. Bevor jetzt der berühmte Laptop ins Spiel kommt, würde ich noch hinzufügen wollen, dass ein Training der Feinmotorik eigentlich nie schaden kann.

      Wie massiv sind denn die Probleme? Ein bißchen Ungeduld im Stuhlkreis und Unlust beim a-Schreiben führt ja wohl eher nicht zur Empfehlung der e-Schule. Wie äußert sich diese Unlust denn?

      Grüße Enja
    • @enja

      es sind ganz viele kleine, für meinen sohn "nervige" dinge, die sich dann irgendwann potentiert haben... es ist wohl so, das er während des gesamten schultages nicht gefördert wurde.. (gefordert dafür umso mehr) er hat sich das einige tage angeschaut und dann festgestellt, alles öde und daran ändert sich auch von tag zu tag nix. dann ist er irgendwann einfach nach hause gegangen... ich war nicht wenig erstaunt, als er plötzlich vor der türe stand... ich muss dazu sagen, das wir direkt neben der grundschule wohnen... zwei minuten später stand dann seine lehrerin vor der türe... kurz und gut, festhalten wollte sie ihn nicht, als er äußerte, er würde nach hause gehen... im gespräch war dann die ansicht der lehrerinnen, er solle doch zuhause bleiben, wenn das noch einmal vorkommen sollte.... ich fand das nicht sehr sinnvoll :shock:

      wir haben uns dann geeinigt, dass er stattdessen zum direktor geschickt wird (wenn die lehrerinnen schneller sind als er) fand ich auch nicht besonders sinnvoll... das hat er dann auch einmal ausprobiert und fand es voll öde... danach ist er dann nicht mehr weggelaufen, sondern hat aus wut, weil ihn ein anderes kind wohl immer im unterricht geärgert hat, ein schulbuch zerrissen... konsequenz: direktor, der ihn anschreit, wenn er das noch einmal mache, könne er wieder in den kindergarten gehen... das nächste mal bekritzeln eines heftes: direktor. danach stumme verweigerung der mitarbeit... nach drei monaten schule fing er wieder an, nachts einzunässen, hatte ständig bauchschmerzen bis zum erbrechen und äußerte zum schluss irgendwann, er wolle nicht mehr leben...

      ich persönlich denke, wenn er in der klasse zumindest phasenweise adequat gefördert worden wäre, hätte sich das ganze nie so weit entwickelt... ich fand die konsequenzen der schule für fehlverhalten auch nicht richtig, habe mich aber kooperativ verhalten, um die autorität der lehrerinnen nicht zu untergraben...

      kinderärztin und psych. waren dann vor einer woche der ansicht, so gehe es nicht weiter, weil mein sohn mit dieser vorgeschichte wohl kein bein mehr auf den boden bekommen würde...

      ich habe dann die konsequenzen gezogen und eine andere schule gesucht (unter mithilfe der schulaufsicht, die mir auch dazu geraten hat)

      was ist da jetzt ab wann falsch gelaufen? ich weiss es auch nicht...

      fröhliche weihnachten an alle jedenfalls :D

      sprudelkopfs mutti
    • Für mich hört sich das tatsächlich so an, als sei er noch nicht schulreif. Dazu gehört nämlich, Anweisungen zu folgen. Auch die Geschichten mit zerrissenen und bekritzelten Büchern sind bedenklich.

      Die Vermutung, dass das weggeht, wenn man dem Kind schwierigere Matheaufgaben gibt, halte ich für ziemlich verwegen. Tatsächlich ist mir noch kein Kind bekannt, bei dem das geklappt hätte.

      Warum schreibst du das seiner Begabung zu? Ist die nachgewiesen? In dem Alter ist das noch nicht wirklich zuverlässig möglich.

      Wie möchtest du sicherstellen, dass es an der neuen Schule besser wird? Ihr könnt ja nicht jedes halbe Jahr eine neue suchen.

      Grüße Enja
    • "wir werden sehen..."

      So würde ich das, ehrlich gesagt, nicht anpacken. Auch auf das Urteil des Psychologen würde ich mich nicht blind verlassen. Es geht doch um viel zuviel.

      Eine Hochbegabung ist kein Freibrief für schlechtes Benehmen und auch keine Garantie für einen roten Teppich. Eher im Gegenteil.

      Grüße Enja
    • mit "mal sehen" gebe ich eigentlich nur meine nach wie vor positive grundstimmung zum besten.... mit schwarzsehen ist ja auch keinem geholfen... wenn ein cleverer erwachsener täglich 8 stunden in einem büro tütchen zusammen kleben muss und die kollegen mobben ihn und der chef ist unqualifiziert, dann kündigt er irgendwann, oder er rastet aus... jedenfalls sinkt wohl die frustrationstoleranz... natürlich muss mein sohn frust aushalten können und langeweile und ungerechtigkeit...
      ich bin nur der ansicht, die alte klasse war auch nicht die passende umgebung für ihn, eben weil sie das fördern nicht hinbekommen hat, ob hb oder nicht spielt da keine rolle... zuhause isr er ein ganz "normales" kind, dem regeln gesetzt werden und es ist bei weitem nicht so, dass ihm irgendwer einen roten teppich ausrollt, im gegenteil... und was die wissbegierde angeht, da achte ich sehr darauf, dass er ausgleich in form von bewegung und ruhephasen bekommt... wenig fernsehen und pc, viele andere kinder zum spielen, gesellschaftsspiele wie mensch ärger dich nicht (eben wegen der frustrationstoleranz)

      kann ich nicht hoffen und mir wünschen, dass es an der neuen schule, die keine "soziale brennpunktschule" ist, kleine klassen mit informierten lehrern und jahrgangsübergreifenden unterricht hat, besser klappen könnte, weil er da mehr wissen darf?

      gruss,
      sprudelkopfs mutti
    • Hallo Sprudelkopfs Mutti,

      was könnte dir helfen?

      1. Es gehört keine Hochbegabung dazu, sich in der Grundschule zu langeweilen. Da müssen die Kinder irgendwie durch. Irgendwie heißt, mit halbwegs akzeptablen Verhalten. Was akzeptabel ist, solltest du mit deinem Sohn immer wieder besprechen. Das ist tatsächlich deine Aufgabe. Mehr als akzeptabel braucht es allerdings auch nicht zu sein. Wutanfälle, Bücher zerreißen, weggehen sind sicher nicht akzeptabel.

      2. Mit den Lehrern ins Gespräch kommen. Sie sollten im deutlich sagen können, was sie eigentlich von ihm erwarten. Mit HB-Kindern kann man durchaus Abkommen treffen und vereinbaren, was passiert, wenn man sich nicht daran hält. Auch über Belohnungen kann man nachdenken, wenn es gut klappt.

      3. Gerade das 1. Schuljahr ist schwer auszuhalten, wenn ein Kind schon schreiben, rechnen und lesen kann. Mit den 2. Schuljahr wird das besser. Ist zwar nur ein schwacher Trost, aber immerhin. Wenn er hoffnungslos unterfordert ist, kannst du auch über einen Klassensprung nachdenken, obwohl der auch nicht nur positive Aspekte hat.

      4. Beantworte jede Frage, bremse ihn zu Hause nicht aus, lass ihn lernen, wenn ihm danach ist.

      5. Verschaffe ihm Ausgleich: Sport, ein Instrument was auch immer. Schule sollte nicht das Wichtigste sein in eurem Leben. Das hilft auch dabei, das Sozialverhalten zu verbessern und Frustrationstoleranz aufzubauen.

      6. Erwarte nicht zuviel von der Schule. Vieles, was du dir erhoffst, können die einfach nicht leisten. HB wird vermutlich nie eine große Rolle spielen können, da nur 2% aller Kinder betroffen sind. Schön wäre natürlich eine individuelle Förderung für jedes Kind, aber dafür fehlen personelle und finanzielle Ressourcen. Es wäre schon viel geholfen, wenn er akzeptiert wird. Das ist aber schwierig, wenn das Sozialverhalten unverträglich ist.

      7- Schließe dich anderen Eltern an und tausch dich aus. In vielen Städten gibt es Elterninitiativen.

      Leider kann ich dir nicht viel mehr Positives berichten, aber es hilft auch nichts, da immer drauf zu hoffen.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Meine Tochter hatte auch im 1. Schuljahr ziemliche Probleme in der Schule: sie ist einmal wieder nach Hause gegangen, hat einige Male ihre Hausaufgaben zerrissen, weil ich sie auf einen Fehler aufmerksam gemacht habe,...
      Leider ist sie nicht hochbegabt - ich hatte deshalb keine Entschuldigung für ihr Verhalten :wink: und konnte auch nicht die Schule dafür verantwortlich machen nach dem Motto: "Kind ist unterfordert" :wink:

      Die Erziehungsberatung, viel Geduld meinerseits, weniger Kontrolle der HA durch mich und mehr Eigenverantwortung meiner Tochter sowie ein reger Austausch mit der Lehrerin brachten langsam aber sicher eine Änderung des Sozialverhaltens. Inzwischen ist sie im 3. Schuljahr und es läuft meistens gut.

      Ich habe oft den Eindruck, dass Eltern eine Hochbegabung gerne als Entschuldigung für ein nicht angemessenes Verhalten ihres Kindes anbringen - damit machen sie es sich meiner Meinung nach zu einfach.

      Nina
    • Hallo Nina,

      da bin ich völlig deiner Meinung. Es ist nur nicht immer so einfach zu entscheiden, was nun wegdiskutiert werden sollte und was sich dann doch zu einem Problem auswächst. Als Entschuldigung für schlechtes Benehmen kann eine hohe Begabung auf keinen Fall dienen.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!