Lehramt studieren - Schlechte Berufsaussichten, guter Abischnitt... "überqualifiziert", zu jung ?

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    • Lehramt studieren - Schlechte Berufsaussichten, guter Abischnitt... "überqualifiziert", zu jung ?

      Hallo,

      Ich mache dieses Jahr Abi. Wenn alles so läuft, wie ich es gern hätte (ich mich nicht verschlechtere) werde ich mit 1,0 oder 1,1 abschließen. Nach dem Abi will ich eigentlich gerne auf Lehramt (für Gymnasien) studieren. Das ist eigentlich schon längere Zeit mein Traumberuf, aber Das erste Fach wäre Mathe (ist auch mein Leistungskurs, ich gebe auch Mathe - Nachhilfe für Klasse 5-10). Beim zweiten bin ich mir noch nicht ganz sicher. Entweder Geschichte (nach Mathe mein Lieblingsfach, konnte es aber nicht als LK belegen. War schon als ich klein war fasziniert von Geschichte - ich habe in der Grundschule schon Geschichtsbücher gelesen und das Interesse an Geschichte ist geblieben), Deutsch oder Englisch. Da tendiere ich aber eigentlich zu Geschichte. Ich denke aber auch darüber nach, direkt drei Fächer zu studieren, da ich gerne so vielseitig wie möglich wäre. Als drittes Fach käme auch Chemie infrage, aber ich will auf keinen Fall nur Naturwissenschaften haben (obwohl damit die Einstellungschancen wohl besser wären).

      Jetzt mal zu den Problemen, die ich habe, mich dafür zu entscheiden:

      1. Mein Abischnitt (alle, denen ich sage, dass ich Lehrerin werden will, meinen, dass das Studium für mich viel zu "unterfordernd" ist, ich dafür praktisch "überqualifiziert" wäre und ich mein Potenzial vergeuden würde - ich sollte lieber Medizin studieren, da das eh auf Platz zwei bei mir steht) - ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ist das wirklich so?

      2. Einstellungsprognosen. Sind mies. Vor allem für Geschichte und Deutsch, aber generell ja nicht so berauschend (wohl auch mit Mathe). Das ist nochmal ein weiterer Grund zu überlegen, ob ich mich nicht für etwas "Sichereres" entscheiden sollte.

      3. Mein Alter. Das klingt vielleicht albern, aber ich bin 17 und das noch bis Februar nächsten Jahres (Klasse übersprungen in der Grundschule und G8). Ich will eigentlich direkt anfangen zu studieren, aber dann wäre ich ja im Referendariat erst 22 und mit 24 fertig. Ist das zu früh? Werde ich dann vielleicht nicht respektiert?

      Soll ich unter den Umständen Lehrerin werden (das ist eigentlich das, was ich am allerliebsten machen würde, wenn alle anderen Faktoren keine Rolle spielen würden)?
    • Du musst mit deinem Beruf glücklich werden. Das ist erstmal das allerwichtigste. Ich kenne genug (mich eingeschlossen) Leute, die mit sehr gutem/gutem Abitur Lehramt studiert haben ohne gelangweilt gewesen zu sein - wie anspruchsvoll dein Studium ist, gestaltest du mit. Ich habe zum Beispiel quer durch die Fakultäten Vorlesungen besucht, die nicht unbedingt notwendig waren. Man is ja schon groß und entscheidet selber, ob man nur so rumdümpelt oder sich fordert.

      Was das Alter angeht: Geh ein Jahr ins Ausland! Work&Travel oder soziales Jahr... nichts prägt und reift so sehr, wie das - und es ist immer eine Erfahrung, die du nicht mehr missen möchtest. Wenn du als Praktikantin dann vor den Oberstufenschülern stehst, unter denen es ja auch gerne mal den einen oder anderen 20jährigen gibt, siehst du nicht ganz so jung aus und strahlst deutlich mehr Standfestigkeit aus..

      Mit Mathe kriegst du immer ne Stelle, egal wie die (ohnehin völlig unsinnigen) Einstellungsprognosen sind. Die stimmen nie und dann kommt es auch noch auf deinen Platz in der Rangliste an, Pensionierungen, Fächerkombinationen, Ort (ständige Schulneugründungen in Ballungsgeieten), usw, usf.

      Mach einfach, probier dich vorher aus... und lass dich nicht abhalten.
    • Zitat baldabiturientin:

      baldabiturientin schrieb:

      1. Mein Abischnitt (alle, denen ich sage, dass ich Lehrerin werden will, meinen, dass das Studium für mich viel zu "unterfordernd" ist, ich dafür praktisch "überqualifiziert" wäre und ich mein Potenzial vergeuden würde
      Nö, überqualifiziert auf keinen Fall ! Das Schulstubenmeisterdasein ist höchst anspruchsvoll, permanent fordernd und sehr anstrengend. Aber natürlich kann man mit einem Super-Abitur andere Berufsrichtungen einschlagen, die finanziell wesentlich lukrativer sind und in unserer Gesellschaft ein wesentlich höheres Image besitzen.

      Man sollte immer im Blick behalten, dass unser Beruf u.a. auch deswegen sehr schwierig ist, weil in unserer Gesellschaft, im Gegensatz zu früher, kein Erziehungs- und Bildungskonsens mehr herrscht. Man darf dann nicht frustriert sein, wenn die Elternhäuser mit den Lehrern nicht mehr an einem Strang ziehen. 8)
      In den Deutschlands Schulen muss endlich wieder diszipliniert gearbeitet und gepaukt werden ! 8)
    • Meike schrieb:

      Du musst mit deinem Beruf glücklich werden. Das ist erstmal das allerwichtigste. Ich kenne genug (mich eingeschlossen) Leute, die mit sehr gutem/gutem Abitur Lehramt studiert haben ohne gelangweilt gewesen zu sein - wie anspruchsvoll dein Studium ist, gestaltest du mit. Ich habe zum Beispiel quer durch die Fakultäten Vorlesungen besucht, die nicht unbedingt notwendig waren. Man is ja schon groß und entscheidet selber, ob man nur so rumdümpelt oder sich fordert.
      Das sehe ich eigentlich auch so.
      Ich selber bin auch eigentlich nicht davon ausgegangen, dass es "zu einfach" ist, aber man hört es von allen Seiten.

      Meike schrieb:

      Was das Alter angeht: Geh ein Jahr ins Ausland! Work&Travel oder soziales Jahr... nichts prägt und reift so sehr, wie das - und es ist immer eine Erfahrung, die du nicht mehr missen möchtest. Wenn du als Praktikantin dann vor den Oberstufenschülern stehst, unter denen es ja auch gerne mal den einen oder anderen 20jährigen gibt, siehst du nicht ganz so jung aus und strahlst deutlich mehr Standfestigkeit aus..
      Work&Travel kann ich nicht machen, Mindestalter ist 18. Ich wollte eigentlich auch ins Ausland, aber ich bin mir unsicher, wie ich ohne zu arbeiten über die Runden kommen kann, denn FSJ im Ausland ist ja eher noch zu bezahlen, als dass man da was bekommt. Und Arbeiten im Ausland geht ja nicht. Meine Eltern wollen mich nämlich nicht unterstützen, obwohl sie es finanziell könnten. Sie meinen, dass das alles Zeitverschwendung ist und ich lieber sofort anfangen soll. Ich sehe das nicht so, aber ich weiß nicht, welche Möglichkeiten ich dann noch habe.

      Meike schrieb:

      Mit Mathe kriegst du immer ne Stelle, egal wie die (ohnehin völlig unsinnigen) Einstellungsprognosen sind. Die stimmen nie und dann kommt es auch noch auf deinen Platz in der Rangliste an, Pensionierungen, Fächerkombinationen, Ort (ständige Schulneugründungen in Ballungsgeieten), usw, usf.
      Ich hoffe ja, dass ich eine Chance habe. War nur verunsichert, weil ein Lehrer von mir immer erzählt, dass man mit nichts mehr eingestellt wird außer vielleicht noch Physik...

      LehrerKonservativ schrieb:

      baldabiturientin schrieb:

      1. Mein Abischnitt (alle, denen ich sage, dass ich Lehrerin werden will, meinen, dass das Studium für mich viel zu "unterfordernd" ist, ich dafür praktisch "überqualifiziert" wäre und ich mein Potenzial vergeuden würde
      Nö, überqualifiziert auf keinen Fall ! Das Schulstubenmeisterdasein ist höchst anspruchsvoll, permanent fordernd und sehr anstrengend. Aber natürlich kann man mit einem Super-Abitur andere Berufsrichtungen einschlagen, die finanziell wesentlich lukrativer sind und in unserer Gesellschaft ein wesentlich höheres Image besitzen.

      Man sollte immer im Blick behalten, dass unser Beruf u.a. auch deswegen sehr schwierig ist, weil in unserer Gesellschaft, im Gegensatz zu früher, kein Erziehungs- und Bildungskonsens mehr herrscht. Man darf dann nicht frustriert sein, wenn die Elternhäuser mit den Lehrern nicht mehr an einem Strang ziehen. 8)
      Ich selbst sehe mich auch nicht als überqualifiziert, ich habe ja nur das wiedergegeben, was andere sagen.

      Geld und Prestige sind mir nicht wichtig. Ich möchte nur nicht arbeitslos enden oder mit lauter befristeten Verträgen.
    • Wenn du so ein gutes Abi machst, guck doch mal nach nem Stipendium. Ein Jahr Studium im Ausland tut auch schon gut, da gibts Programme - Erasmus etc. Und in vielen Ländern sind die Studenten genau so jung, da wohnt man dann mit Gleichaltrigen auf nem Campus.
      eu.daad.de/de/
      Zeitverschwendung ist das mit Sicherheit nicht. Im Gegenteil.

      Einstellungschancen: wie gesagt - hör nicht auf das Geschwätz. Kriegen seit Jahrzenten alle Lehramtssstudenten gesagt, hat noch nie so wirklich gestimmt. Mit 3 Fächern schonmal gleich gar nicht.