Entwicklung einer praktikable Alternative zum aktuellen Bidlungssystem (Feedback, Input, Daten benötigt)

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    • Entwicklung einer praktikable Alternative zum aktuellen Bidlungssystem (Feedback, Input, Daten benötigt)

      Danke an neleables von lehrerforen.de für die Weiterleitung zu diesem Forum. Bitte an die Moderatoren: Links im Text lassen, da sie zu weiterführenden Quellen weisen.

      Hallo zusammen,

      ich möchte euch ein Konzept vorstellen, dass unser Bildungssystem hoffentlich zum Besseren verändern wird. Die nachfolgende Vorstellung ist extra knapp gehalten, damit nicht die Motivation zu Ende zu lesen auf der Hälfte verloren ist ;)
      Wenn Fragen offenbleiben, nehmt an der Diskussion teil oder schreibt mir eine PN. Kurz zu mir selbst: Ich bin Psychologiestudent im ersten Jahr, Wirtschaftsinformatik Drop-Out nach einem Jahr dualen Studiums, Abiturient eines privaten Gymnasiums und 10er Absolvent einer staatlichen Schule in NRW. Ich bin kein Lehrer oder Lehramtsanwärter, obwohl mir der Beruf des Schulpsychologen sehr zusagt.

      Ich versuche mit meinem Team von School Up eine Software und ein Lernsystem zu schaffen, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten möglichst optimal befriedigt und Bildung auf ein neues, modernes Level hebt. Deshalb brauche ich eure Mithilfe um das aktuelle Konzept zu finalisieren und praktikabel zu machen.

      Als Psychology-Student und Interessierter Leser in den Bereichen Motivation und Lernen verstehe ich, dass jeder Mensch ein natürliches Bedürfnis hat zu lernen und neue Erfahrungen zu machen. Lernen geschieht aus Eigenmotivation und macht erst einmal grundsätzlich Spaß. Das Erlernen und Anwenden von neuen Dingen macht Spaß!

      Das Problem was ich sehe, ist, dass in unseren Schulen das Lernen und Lehren zu einem zu großen Teil keinen Spaß macht. Woran liegt das? An unmotivierten Schülern, inkompetenten Lehrern oder schuldzuweisenden Eltern? Ich denke an allen der gerade Genannten: Die Schüler sind nicht richtig motiviert, die Lehrkräfte haben nicht die Kompetenz mit der Überlastung umzugehen und die Eltern werden nicht ausreichend informiert und einbezogen. Die Ursache dafür liegt in unserem veraltetenBildungssystem (oder in unserer fortgeschrittenen Kultur?), das Schwächen und Lücken hat, die wie folgt erklärt werden: „Historisch gewachsen.“, „Das haben wir schon immer so gemacht.“ und „Das hat sich bewährt.“.
      Unser Problem ist heute auch, dass Schüler Spaß haben wollen. In dem Dokumentarfilm #ReGeneration (englischsprachig) beschreibt eine amerikanische Lehrerin das etwa so:
      "Unser Unterricht muss mit den Unterhaltungsmedien konkurrieren."
      Das Ergebnis sind uninteressierte Schüler, demzufolge unmotivierte/verzweifelte Lehrer und daraus resultierend aufgebrachte Eltern. Ein Teufelskreis.

      Bei der Kritik und Schuldzuweisung soll es nicht bleiben. Über das letzte halbe Jahr hat sich bei mir eine Idee für einen Lösungsansatz eingeschliffen. Hier sind einige Schlüsselwörter mit Verlinkungen zu eindrücklichen Konzepten, die meine Überlegungen beeinflusst haben (leider sind die Verweise meist auf Englisch):
      Ken Robinson, Paul Andersen, Gamifizierung/Gamification, Cousera, Udacity, Khan Academy, TED (search: education), TED-Ed, iBook(Author), iTunes U.

      Die wichtigste Frage, die geklärt werden sollte ist, wie kann die Eigenmotivation der Schüler geweckt und gefördert werden? Einen Ansatz liefert die Selbstbestimmungs-Theorie (SDT) nach Deci&Ryan: Durch Noten, Leistungserwartungen und Schulpflicht verschiebt sich die Motivation der Schüler in den heteronomen Bereich. D.h. Schüler sind von außen motiviert etwas zu tun. Fällt diese äußere Motivation weg, dann wird der Schüler sich nicht weiter engagieren, sprich z.B. sich nicht zu Hause hinsetzten um den Stoff selbständig zu vertiefen. Eine autonome Motivation aus sich selbst heraus kann bei Lernenden geschaffen werden - nachweislich (Quellen [englisch] bitte anfragen)! Wie genau das funktionieren kann, gebe ich gern an anderer Stelle wieder. Hier nun der Sprung zu dem tatsächlichen Konzept:
      Mit der SDT als Grundlage, bin ich auf den Gedanken gekommen Unterricht modular und ohne Noten zu gestalten. Der Schüler wählt (Autonomie vgl. SDT) was er lernen will und wann. Unterrichtsmodule (ein Modul beinhaltet mehrere thematisch zusammenhängende Unterrichtsreihen; ein Modul muss in sich abgeschlossen sein, z.B. Industrialisierung) sind teilweise alleinstehend, und teilweise aufeinander aufbauend. Für manche Module werden andere Module als Vorraussetzung benötigt (Kompetenz vgl. SDT). Ein Modul kann bestanden oder nicht bestanden werden. Bei Nicht-Bestehen, kann das Modul jederzeit wiederholt werden. Die Module organisieren sich in einem Modulbaum, die z.B. wie ein Technologiebaum aus der bekannten PC-Spiel Reihe „Civilizations“ aussehen könnten. Die Unterrichtsmodule und der Fortschritt/Leistungsbewertung der Schüler wird über eine Software verwaltet. Innerhalb eines Moduls muss der Schüler verschiedene Arten von Materialien durcharbeiten und erhält dafür Punkte: Video-Vorlesungen, Textmaterialien, Wissensabfragen und Übungen mit direktem Feedback, Mini-Spiele, Recherche- und Schreibaufträgen, weiterführenden Verweisen und Partner- und Gruppenaufgaben. Auf die genannten Punkte kann ich gerne in der Diskussion genauer eingehen. Zugriff auf die Module und die Materialien hat der Schüler über Computer (PC, Notebook, Tablet, Smartphone).
      Während der Schüler über die Software die Module durcharbeitet werden Statistiken und Informationen über den Fortschritt, die Fehler und das Lernverhalten der Schüler gesammelt. Diese Informationen sind für die individuelle Förderung entscheidend.
      Zunächst zu der Funktion der Lehrer in diesem etwas anderen System: Der Fachlehrer betreut Schüler in einem offenen Klassenraum und steht für thematische Hilfen bereit. Offener Klassenraum, da kein strikter Unterricht stattfindet, sondern viel mehr ein kommen und gehen von Schülern und Lerngruppen (im Rahmen von „Öffnungszeiten“). Dennoch gibt es z.B. Präsentationen, bei denen ein Lehrer aktiv ist oder die Aufsicht führt. Dazu kommt die Bewertung von freien Schreibaufgaben von Schülern des Fachs. Die andere große Funktion von Lehrern ist die pädagogische Betreuung der Schüler. Ich denke da an Coaching: Welche Lernziele hat der Schüler? Wie können diese erreicht werden? Gibt es Probleme oder Lernschwächen? Die Software wird Muster erkennen können und auf Probleme und Lernschwächen hinweisen, aber die Lösung muss persönlich erfolgen. Was ich dazu denke ist, dass genau diese persönliche Behandlung von Problemen und Lernschwächen aktuell zu kurz kommt (ganz klar, weil keine Kapazität vorhanden ist).
      Die Module sollten vorzugsweise von Verlagen erstellt werden auf Basis der Vorgaben des jeweiligen Bildungsministeriums. Der Lehrer bleibt also bei der thematischen Unterrichtsgestaltung außen vor, ist aber gefragt wenn es um die Vertiefung, pädagogische Fragen und die Beziehung zum Schüler (menschlicher Kontakt vgl. SDT) geht.

      Das war meine Idee knapp vorgestellt. Auf die einzelnen Bereiche gehe ich gerne in der Diskussion ausführlicher ein. Ich freue mich auf eure Fragen, Kritik, Zweifel und Anregungen. Eure Meinung hilft uns ein praktisches Produkt zu bauen, dass tatsächlich eine Verbesserung darstellt, anstatt nur anders zu sein.

      Vielen Dank!
      B.Bam.
    • Wie immer im Leben ist die erste Frage, die an ein "System" gestellt wird, die der Finanzierbarkeit. Weißt du wie die allermeisten Schulen bis dato ausgestattet sind? Mal hochgerechnet, was das insgesamt kosten würde? Wer betreut die PCs?

      Ich arbeite an einer sehr gut ausgestatteten Schule und bei uns gibt es bereits genügend Unterrichtssequenzen und auch fächerübergreifende Projekte, die ähnlich wie beschrieben funktionieren - dazu Planspiele wie ÖkoWi etc an der kursweise oder kursübergreifend teilgenommen wird. Ich bin selbst durchaus technik-affin und setze, wie viele Kollegen, virtuelle Plattformen und Lernmodule ein. Neben der Notenverwaltungs- und Rückmeldesoftware auf dem smartphone und neben Arbeiten mit dem Smartboard etc. Was den Unterricht, der zT sehr selbstbestimmt ist, sehr, sehr bereichert und individualisiert. Das ist allerdings eher eine Ausnahmesituation in der wir uns (noch - siehe unten) befinden, da die meisten Schulen uralt und kaum saniert sind, noch genügend PCs aus den 90igern da stehen habe und zwar - wenn es hoch kommt! - einen pro Klasse. Ohne Deckenbeamer. Mit vielleicht 5-10 fahrbaren oder laptop Einheiten. Oder so.

      Dazu kommt der bildungspolitische Zentralisierungswahn. Unsere Soft- und Hardware zB wird extern betreut (zwangsweise, nicht auf unseren Wunsch) obwohl wir genügend technisch versiertes Personal haben. Sicherheitsgründe, angeblich. Bürokratiewahn, more likely. Was dazu führt, dass zB neue software, seit einem Jahr vorhanden(!), trotz xfacher Aufforderungen einfach nicht aufgespielt wird (das macht ein zentrales Amt bei der Stadt - unterbesetzt und ausgebucht) und die flash/quicktime-Player nicht geupdated werden, kaputte beamer nicht repariert etc.

      Bisher behelfen wir uns durch ...nennen wir es mal ... kreative Wege drum herum. Die sind aber bei den zentralen Verwaltungen nicht beliebt und an anderen Schulen mangels IT-Fachmännern/frauen nicht möglich. Und man kann so auch nicht alle Probleme lösen. Letzte Woche konnte ich 5 Tage nicht auf das Transferlaufwerk zugreifen, wo die Daten für die Schüler abgelegt werden (müssen!). Cloud dürfen wir nicht, natürlich. Keiner konnte vor oder zurück :cursing: ! Lonet geht - wenn das internet geht. Was am pädagogischen Netz der Stadt hängt. Und was das zentrale Amt so alles als jugendgefährdend deklariert und damit im pädagogischen Netz sperrt: zB die Bundeszentrale für politische Bildung 8o ...?!?? Es ist zum Heulen.

      Rein technisch sehe ich - bei allem guten Willen der meisten Kollegien - noch lange, lange kein Licht am Ende des Tunnels was den Sprung der Schulen ins technische 21 Jhdt angeht. Und ich glaube auch nicht, dass das politisch gewollt ist. Weil nicht kostenneutral.
    • Von der Beschreibung der (äußeren) Umstände möchte ich mich Meikes Ausführungen anschließen und hinzufügen: Deine Idee erinnert mich an eine Art "digitale Wochenplanarbeit". Insofern ist die Grundidee lange bekannt und wird auch fleißig an vielen Schulen umgesetzt.
      Darüber hinaus halte ich den Faktor Selbstbestimmung als Triebfeder für intrinsische Motivation für überschätzt. Für die SuS meiner Schulform jedenfalls. Hier lässt sich bei einigen zwar eine Steigerung der Motivation feststellen, welche allerdings auch recht schnell abebbt. Dazu kommen die vielen SuS, welche sich auch recht schnell durch "zu viel" Selbstständigkeit überfordert fühlen, was sich eher gegenteilig auf ihre Motivation auswirkt.

      Zusammengefasst: Für mich ist a) die Idee nicht neu, b) funktioniert dieses nur begrenzt und c) zu einseitig, dieses aber gleich auf mehreren Ebenen. Nämlich: 1) Weil intrinsische Motivation nicht so simpel anzufachen ist und 2) weil es zu technisiert ist und damit viele andere "Lernkanäle" nicht berücksichtigt werden.
    • Danke Meike und Walter für eure Beiträge.

      Zu der Finazierung haben wir folgende Hypothese:
      Die Entwicklung des Systems soll zum großen Teil über Förderungen, Crowdfunding und Privatinvestoren gedeckt werden. Die staatliche Einrichtungen sollen die Software selbst kostenlos nutzen können. Kostenpunkt ist natürlich die Infrastruktur, sprich Zentralrechner und ein entsprechendes Intranet mit ausreichendem WLAN (bestenfalls Internetzugang), wenn nicht schon vorhanden. Ein Tablet-PC für einen flüssigen Betrieb der Clientseite der Software ist für 100 € erhältlich (+20 € für externe Tastatur). Ein leistungsgerechtes und günstiges Endgerät zum Kauf verfügbar zu machen ist mir ein sehr wichtiger Punkt.
      Wer bezahlt das? Die Eltern der Schüler. Im Idealfall sollte der Kauf von Schulbüchern und Arbeitsheften, sowie Materialien wie Hefte, Stifte etc. auf eine Minimum reduziert werden, wodurch Eltern finanziell Spielraum für die Anschaffung eines Tablet-PCs hätten. Natürlich gibt es immer den Außnahmefall, dass eine Familie finanziell nicht dazu in der Lage ist. Hier wäre es an der Schule Geräte bereitzustellen. Klingt das realistisch? Mit welchen Kosten rechnest du, Meike oder auch du Walter, wenn ihr von einem solchen System und einem (funktionalen) Schul-Intranet hört/lest?

      Zum Zentralisierungswahn:
      Perfekt, genau mit diesem Wahn haben wir bei einem unserer Brainstormings kalkuliert. Ein Vorteil von Zentralisierung ist die Kostenreduzierung (insofern korrekt durchgeführt). Ein Kerneigenschaft von School Up soll ein zentraler "App-Store" sein. Der Zentralrechner einer Schule oder eines Schulverbands ist mit diesem Store-System verbunden. Updates können per Mausklick oder automatisch über Nacht aufgespielt. Die Eigenschaft eines Systems einfach aktualisierbar zu sein, ist die Grundlage von modernem Softwaredesign. Ich stimme aber zu, dass ein Intranet aus den 90er oder von Anfang 2000 keine solide Basis für eine solche Software ist.
      P.S. zum "App-Store": Über diesen Store werden hauptsächlich Unterrichtsmodule, die von Verlagen oder sonstigen Dienstleistern (sehr engagierten Lehrern?) erstellt wurden, vertrieben. D.h. das etwa eine "digitale Wochenplanarbeit" ohne intensiver Vorbereitung an einer Schule implementiert werden kann. Nutzungs-Lizenzen der Module sollen per Schule verkauft werden. Eine Ähnlichkeit zu dem originalen App-Store von Apple will ich hier nicht leugnen.

      Das unsere Politik ein schwerfälliger Aparatus ist, wird keiner Leugnen. Auch den Sinn hinter bestimmten Reglungen, kann man bestimmt ohne Erfolg suchen. Aber eine Tendenz zu 21stes Jhd., finden wir langsam auch in der Politik. Vielleicht braucht es hier auch noch den gewissen Anstoss, damit was ins Rollen kommt in diese Richtung. Ein Bereich übrigens den wir im eigenen Interesse beeinfluss möchten.

      Zur Anfachung intrinsischer Motivation bzw. zur Verdrängung dieser:
      Wenn ich dich, Walter, richtig verstehe, dann hast du verstanden, dass School Up v.a. auf Selbstbestimmung abzielt. Das ist nicht ganz der Fall. Es geht viel mehr um eine "Illusion der Selbstbestimmung". Wenn ein Schüler aus verschiedenen Modulen wählen kann, das er als nächstes machen will ist er in der Wahl durch drei Faktoren beschränkt: 1) Vorraussetzung für das Modul müssen erfüllt sein, d.h. aufbauende Module müssen abgeschlossen sein; bestimmte Module müssen abgeschlossen sein für gewisse Schulabschlüsse; bestimmte Module müssen abgeschlossen sein um gewisse Karrierewege einzuschlagen. Diese Faktoren sollen den Schüler leiten. Dennoch kann ein Schüler, der sich z.B. mehr auf einen kreativen Zweig konzentriert hat, jederzeit auf einen technischen umsteigen.
      Ein Punkt, den ich viel wichtiger finde ist die Verdrängung der intrinsischen Motivation durch Rewards: konkret Benotungen. Noten sind zudem oft nicht transparent und subjektiv beeinflusst. Die "Noten-Rewards" werden des Weiteren in "fixed Intervalls" entschieden. Hier wäre durch ein direktes Feedback und direkte Rewards mit Punkten ("fixed ratio"), wie in der Eingangsbeschreibung zu lesen, eine Motivationsverbesserung (vgl. Schedules of Reinforcement [wikipedia; engl.]). Gerne suche ich hier die Quellen zu entsprechenden Untersuchungen raus, falls von Interesse.

      Wie genau können die SuS (was heißt das?) selbstbestimmen? Wann ebbt die gesteigerte Motivation ab (bei der neu zugestanden gleichbleibenden Autonomie über Zeit oder wenn die Autonomie aufgehoben oder gesteigert wird)? Überforderung durch Selbstständigkeit kann ich gut nachvollziehen. Hier dann der Verweis auf von mir bevorzugte "Illusion der Selbstbestimmung".

      Zu Walters Zusammenfassung:
      a) Die (Grund-)Idee ist nicht neu ggf. aber der Ansatz des vollständigen Systems!?
      b) + c) welche "Lernkanäle" oder Aspekte siehst du von diesem Systemkonzept ungenügend abgedeckt? Hier wird es für mich spannend, weil wir konkrete Verbesserungen anstreben können. Bitte lass das nicht so knapp stehen :)
    • schoolup schrieb:

      Danke Meike und Walter für eure Beiträge.

      Zu der Finazierung haben wir folgende Hypothese:
      Die Entwicklung des Systems soll zum großen Teil über Förderungen, Crowdfunding und Privatinvestoren gedeckt werden. Die staatliche Einrichtungen sollen die Software selbst kostenlos nutzen können. Kostenpunkt ist natürlich die Infrastruktur, sprich Zentralrechner und ein entsprechendes Intranet mit ausreichendem WLAN (bestenfalls Internetzugang), wenn nicht schon vorhanden. Ein Tablet-PC für einen flüssigen Betrieb der Clientseite der Software ist für 100 € erhältlich (+20 € für externe Tastatur). Ein leistungsgerechtes und günstiges Endgerät zum Kauf verfügbar zu machen ist mir ein sehr wichtiger Punkt.
      Wer bezahlt das? Die Eltern der Schüler. Im Idealfall sollte der Kauf von Schulbüchern und Arbeitsheften, sowie Materialien wie Hefte, Stifte etc. auf eine Minimum reduziert werden, wodurch Eltern finanziell Spielraum für die Anschaffung eines Tablet-PCs hätten. Natürlich gibt es immer den Außnahmefall, dass eine Familie finanziell nicht dazu in der Lage ist. Hier wäre es an der Schule Geräte bereitzustellen. Klingt das realistisch? Mit welchen Kosten rechnest du, Meike oder auch du Walter, wenn ihr von einem solchen System und einem (funktionalen) Schul-Intranet hört/lest?

      Zum Zentralisierungswahn:
      Perfekt, genau mit diesem Wahn haben wir bei einem unserer Brainstormings kalkuliert. Ein Vorteil von Zentralisierung ist die Kostenreduzierung (insofern korrekt durchgeführt). Ein Kerneigenschaft von School Up soll ein zentraler "App-Store" sein. Der Zentralrechner einer Schule oder eines Schulverbands ist mit diesem Store-System verbunden.
      Ich glaube du bist da bei dreierlei etwas uninformiert:
      a) Die unfassbar schlechte Ausstattung vieler Schulen. Es gibt de facto an kaum einer ein intranet. Geschweige denn ein funktionierendes. WLAN verbieten die meisten Schulaufsichtsbehörden! Deine zuletzt gestellten Fragen kann ich nicht beantworten - bundesweit Millionen und Abermillionen? Habt ihr das nicht durchgerechnet/kalkuliert? Das fände ich aber etwas naiv, wenn man etwas entwickelt, mit dem man ggf. mal Geld verdienen möchte.

      b) Es gibt ein Gesetz zur Lehrmittelfreiheit. Kennst du das? Man kann Eltern bitten, mal hier und da eine Zusatzlektüre zu kaufen (umständliche Briefaktion mit Sammeln der Unterschriften etc), man kann es nicht verlangen. Wenn ein Elternteil keine 120 Euro (wer bezahlt Reparatur/Eratz? Wie lange hält so ein Tablet-PC in Kinderhänden?) bezahlen will, ist schon Schluss. Die Schulen haben so ein lachhaftes Budget, dass die das nicht ersetzen können. Kennst du IT Budgets in Schulen? Frag mal nach.
      Und selbst wenn es das Gesetz nicht gäbe - wo ziehst du die Grenzen zwischen "Eltern, die es sich leisten können und solchen, die es nicht können?" Gehaltsbescheinigung bei der Einschulung?

      c) Zentralisierung: zentraler App-store in Schulverbund/Schule? :D - Nein, du kennst das System offensichtlich nicht. Die Zentralisierung liegt nicht bei einem kleinen Schulverbund mit Leuten aus der Praxis. Das liegt beim Stadtschulamt, bei einer Behörde! Wo zu wenige Sachbearbeiter alle Schulen der Stadt verwalten. Würden, wenn sie denn ansprechbar wären. Nicht, dass die Schulen, wo sehr fitte IT-Leute sind, das so gewollt hätten, das ist so verordnet worden.

      Damit du mal weißt, wovon wir sprechen - das geht nämlich so:

      Du hast ein Softwareproblem. Irgendwer, der sich bereit erklärt, ruft bei der Stadt auf dem Amt an.
      Es ist keiner da / besetzt. Du musst in den Unterricht.
      Du probiert es später nochmal. Zehnmal. Es ist einer da. Der notiert sich dein Problem.
      Es passiert nix.
      Du rufst 2 Tage später an. Keiner da.
      Du schreibst eine mail. Keine Antwort.
      Noch eine. Keine Antwort.
      3 Wochen später: immer noch nix passiert. Du schickst die mails automatisch jeden Morgen los.
      6 Wochen später: du bekommst eine mail, dass du aufhören sollst, andauernd mails zu schicken, das Personal sei nicht da. Man habe 12 Mitarbeiter für 120 Schulen.
      Du regelst das Problem intern, wenn auch so semi-illegal.
      Ein Jahr später: du bekommst Post: jetzt könne ein Mitarbeiter des Amtes kommen und die (inzwischen total veraltete) Software installieren.
      Du weißt nicht, ob du lachen oder heulen sollst. :cursing: :pinch: ;(

      Über Nacht aufspielen?? :D :D
      Ehrlich. Ich seh's noch nicht. Noch lange nicht. Und: ich würd's als alleiniges Konzept nicht wollen. Denn:

      Walter hat noch mit einem recht: Schüler sind durch gar nichts Gleichförmiges lange motivert. Selbst nicht durch am PC sitzen, so beliebt das auch ist. Methodenvielfalt und das Ansprechen unterschiedicher Lernkanäle ist unerlässlich, das weiß man aus der Lernpsychologie nicht erst seit vorgestern - und aus der Praxis weiß das jeder, der mit Schülern arbeitet. Es handelt sich um junge Menschen mit einem ungeheuren Kommunikationsbedürfnis. Wie geht Gruppenarbeit mit diesem Konzept? Wie gehen kreative Methoden in den Sprachen/Geisteswissenschaften mit diesem Konzept? Rollenspiele? Szenische Interpretation? Wie soll man damit Experimente in Biologie/ Physik / Chemie gemeinsam erarbeiten und es mal zischen und krachen lassen? Debatten am runden Tisch in PoWi? Sprechen in Englisch geht nur durch Sprechen miteinander und das muss in einem halbwegs vernünftigen Unterricht 45% der Stunde ausmachen. Und zwar nicht mit dem PC, der selbst mit Sprachmodulen nur einförmig und schematisch reagieren kann. Diskussionen müssen mit anderen Menschen geführt werden, kontrovers, lebendig und unberechenbar.

      Das Konzept ist auf Begreifen (bestenfalls) ausgerichtet, aber nicht auf Interaktion und darauf, aneinander und miteinander zu wachsen. Das ist zu wenig.

      Als Module zwsichendrin ist das alles nett und okay (und: wie Walter sagte: gibt es schon) - aber es ersetzt nicht die vielen, vielen anderen Wege auf denen der Mensch lernt und wächst.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Meike ()

    • Meike schrieb:


      b) Es gibt ein Gesetz zur Lehrmittelfreiheit. Kennst du das? Man kann Eltern bitten, mal hier und da eine Zusatzlektüre zu kaufen (umständliche Briefaktion mit Sammeln der Unterschriften etc), man kann es nicht verlangen.
      Na ja, das hängt vom Bundesland ab.

      Die logische Folgerung ist, dass die "digitale Revolution" genau dann kommen wird, wenn sie mehr spart als sie kostet.
      War in anderen Bereichen auch nicht anders.
      Einsparung bedeutet da Einsparung von Lehrerstunden/-stellen.
      Und dann kommt sie mit aller Macht...


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • E-learning ist immerhin ein Wort, das zunehmend viele Leute kennen. Einige Hochschulen hoffen so, der Studentenschwemme des kommenden Jahres Herr zu werden. Grundsätzlich ist das schon OK.

      Die Realität der Schulen hat Meike ja schon beschrieben. An der sehr gut ausgestatteten Schule meiner Tochter ist es in der Tat das Problem, die Serverwartung, die Nutzungsrechte, das Aufspielen der Software etc. sinnvoll (sprich zeitnah und kompetent) zu regeln. Außerdem hält die Hardware in Kinderhänden nicht lange. Das wird nur besser sein, wenn die Hardware ins Eigentum der Kinder/Familien übergeht. Insofern muss tatsächlich das Endgerät gekauft werden, denke ich mal.

      Die Eigenmotivation ist auch so eine Sache. Das funktioniert auf etlichen Gebieten ganz gut und die Ergebnisse sind eindrucksvoll. Allerdings würden die Gebiete, die Kinder und Jugendliche sich selber aussuchen nicht den gesamten offiziellen Lehrplan überdecken. Und fürs Lehrplan-Pflichtprogramm ist die Motivation in der Pubertät eher niedrig. Wie formulierte das ein Hamburger Montessori-Pädagoge: Auf die sensible Phase für unregelmäßige Verben warte er schon sein Jahren.

      Trotzdem, e-learning wird seinen Weg machen, allein schon aus finanziellen Gründen, wie Martin bereits schrieb.

      Und lass dich nicht entmutigen. Nachhilfeinstitute sind wahrscheinlich die ersten, die so ein System einsetzen.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • oh-ein-papa schrieb:

      Meike schrieb:


      b) Es gibt ein Gesetz zur Lehrmittelfreiheit. Kennst du das? Man kann Eltern bitten, mal hier und da eine Zusatzlektüre zu kaufen (umständliche Briefaktion mit Sammeln der Unterschriften etc), man kann es nicht verlangen.
      Na ja, das hängt vom Bundesland ab.

      Die logische Folgerung ist, dass die "digitale Revolution" genau dann kommen wird, wenn sie mehr spart als sie kostet.
      War in anderen Bereichen auch nicht anders.
      Einsparung bedeutet da Einsparung von Lehrerstunden/-stellen.
      Und dann kommt sie mit aller Macht...


      - Martin
      Na, wenn das eine flächendeckendes "Alternative zum Bildungssystem" werden soll :) , ist so ein Gesetz in dem einen oder anderen Bundesland nicht so ganz unerheblich.

      Und so teuer wie die digitale Revolution in Schulen (mit dazugehöriger Ausstattung und administrativem System) sind wir noch viele, viele Jahre(zehnte?) nicht... :D 8)

      Ubi, selbst wenn Eltern die PCs alle kaufen, gehen sie doch in Kinderhänden kaputt? Und dann ist die Realität wohl eher so, dass in jedem Kurs/Klasse dauernd 1,2 oder mehr Schüler nicht arbeiten können. Es sei denn, die Eltern sind dauernd hinterher, dass sofort repariert / ersetzt wird, sonst ist das Kind schnell abgehängt. Okay, da tut sich eine ganz neue Branche auf: SchülerPCBlitzreparaturservice! :D Oder die Schule besitzt doch alles, dann bin ich auf die Finanzierung/Verwaltung etc gespannt.

      Wobei ich die erste wäre, die bei einem dezentralen System mit Administrationsrechten an den Schulen Hurra schreien würde. Ich hab weiß Gott auch nix gegen e-learning. Es ersetzt und kann halt nicht alles.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Meike ()

    • Meike schrieb:

      so teuer wie die digitale Revolution in Schulen (mit dazugehöriger Ausstattung und administrativem System) sind wir noch viele, viele Jahre(zehnte?) nicht... :D 8)
      Zumindest sinken die Hardwarepreise deutlich schneller also die Lehrergehälter.
      Natürlich wird man Lehrer nicht abschaffen, nur Schritt für Schritt auf das unbedingt notwendige Maß abbauen.
      Die Lücken füllen dann preiswerte, angelernte "Selbstlerncoaches" oder so als Aufsicht vor den Kisten.
      So wie heute schon bei uns eine Sportstunde durch eine "Bewegungsstunde" bei einer Sozialpädagogin vom Drittanbieter ersetzt wird.

      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Als preiswerte, angelernte Selbstlerncoaches kann man dann ja die Mütter aktivieren, die ja heute auch oft nur teilzeit arbeiten, damit sie sich nachmittags um den Schulerfolg ihrer Kinder kümmern können. Die könnten dann nett was nebenher verdienen (wenn es sich nur um ein paar Stunden handelt lässt sich das sicher auch als Minijob einrichten), den Staat kostet es viel weniger als die Beamten und weil die Mütter in der Zeit ja keine (oder nur minimale) eigenen Rentenansprüche erwerben, sind sie auch im Rentenalten deutlich billiger als normale angestellte Lehrer oder gar Beamte...

      Doch, ich freue mich schon drauf - dann wird sicher alles besser werden...
    • oh-ein-papa schrieb:

      Meike schrieb:

      so teuer wie die digitale Revolution in Schulen (mit dazugehöriger Ausstattung und administrativem System) sind wir noch viele, viele Jahre(zehnte?) nicht... :D 8)
      Zumindest sinken die Hardwarepreise deutlich schneller also die Lehrergehälter.
      Natürlich wird man Lehrer nicht abschaffen, nur Schritt für Schritt auf das unbedingt notwendige Maß abbauen.
      Die Lücken füllen dann preiswerte, angelernte "Selbstlerncoaches" oder so als Aufsicht vor den Kisten.
      So wie heute schon bei uns eine Sportstunde durch eine "Bewegungsstunde" bei einer Sozialpädagogin vom Drittanbieter ersetzt wird.

      - Martin
      Hähä, stimmt. Dann beantrage ich einen Nebenerwerb, und ersetz mich selbst in den Stunden, um die man mich reduziert hat. Oder so. Jedenfalls wird das ganz, ganz toll... :P
    • Wo ist eigentlich der Thread- Ersteller abgeblieben? Wollte er nicht eine hitzige Diskussion über alle Details seiner Erfindung? ?(
      Auf die einzelnen Bereiche gehe ich gerne in der Diskussion
      ausführlicher ein. Ich freue mich auf eure Fragen, Kritik, Zweifel und
      Anregungen. Eure Meinung hilft uns ein praktisches Produkt zu bauen,
      dass tatsächlich eine Verbesserung darstellt, anstatt nur anders zu
      sein.
    • Anscheinend hat sich der Threadstarter aus der Diskussion verabschiedet, weil er nicht die ihm genehme Bestätigung erfahren hat. In Foren ist das doch oft so: "ich diskutiere gerne mit Dir, aber nur, wenn Du mich in meiner Meinung bestätigst"

      Vielleicht sind einige Antworten hier auch einfach zu pragmatisch ...
    • Entschuldigt, da bin ich wieder. Die letzten Tage waren etwas durchwachsen ..
      Zunächst einmal vielen Dank für die weiteren Beiträge. Ich versuche möglichst auf alle Punkte einzugehen.

      Das dieses Konzept/diese Alternative nicht innerhalb dieses Jahres flächendeckend umgesetzt werden kann, ist mir sehr bewusst und auch nie der Plan gewesen. Vielmehr gehe ich davon aus, dass eine erste einsatztaugliche Vor-Version ehestens in 2-3 Jahren zum Einsatz kommen wird. Für dieses Jahr steht bei uns die Finalisierung des Konzepts an, im nächsten Jahr sollen einige Studien an Schulen durchgeführt werden zu einzelnen Aspekten des Konzepts. Parallel dazu entwickeln wir eine abgespeckte Vor-Version mit der wir dann bis Ende des nächsten Jahres ggf. schon den ein oder anderen Test fahren können. Ein flächendeckender Einsatz wird tatsächlich, wie Meike sagt, erst mit vernünftiger Infrastruktur laufen. Da zu einem Ergebnis zu kommen ist eines unserer Primärziele, aber das braucht bestimmt ein paar Jahre bis der Prozess abgeschlossen ist. Bis dahin halten wir uns an Schulen, die a) eine Infrastruktur haben, die die Einführung zulässt oder b) bereit sind diese aufzubauen. Den Status Quo darf man nicht außer acht lassen, aber für ein fortschrittliches Produkt muss man auch Fortschrittsbereitschaft auf Kundenseite erwarten.

      Zum Thema Lehrmittelfreiheit: Ja die Freiheit gibt es in einigen BL, und es gibt Parteien die diese bundesweit anstreben. Wie Martin ebenfalls schon gesagt hat, die Hardwarepreise sinken. Google will demnächst ein Tablet für 99 USD rausbringen, das von der Leistung weit über dem liegt, was wir Client-seitig für unsere Software benötigen. Davon abgesehen bin ich optimistisch, dass in Blick auf die Statistiken zu Mobilfunk-Geräten und -Verträgen, Eltern das Geld zur Verfügung haben um ein Lerngerät für 100 € für ihre Kinder zu erwerben. Reperatur fällt zumindest in DE meist unter die Gewährleistung, außer bei mutwillige Zerstörung oder auch versehentlichem Unfall, die in jedem Fall von den Eltern beglichen werden müsste (ob nun Privat- oder Schulgerät). Zudem der von Ubi genannte Punkt, dass die Sorgfalt mit der ein solches Gerät behandelt wird natürlich auch vom Eigentum abhängt.

      Zu der Zentralisierung: Wenn per automatischem Update oder per Mausklick die Software von mehreren Schulen aktualisiert wird ist das eine massive kostenersparnis. Ich verstehe, dass es aktuell nicht überall der Fall ist, dass dies klappt. Dennoch bin ich optimistisch, dass im gegebenen Zeitrahmen eine effektive Zentralisierung von Netzwerken umgesetzt wird, allein aus Kosten, Zeit und Sicherheitsgründen.

      Methodenvielfalt, unterschiedliche Lernkanäle und eine Software die den Rahmen für Leistungsbewertung und Unterricht gibt wiedersprechen sich nicht. Im Eingangspost habe ich bereits den Hinweis gegeben, dass eine Unterrichtseinheit aus Video-Vorlesungen, Textmaterialien, Wissensabfragen und Übungen mit
      direktem Feedback, Mini-Spiele, Recherche- und Schreibaufträgen,
      weiterführenden Verweisen und Partner- und Gruppenaufgaben bestehen soll. Im folgenden direkt die Antworten zu den konkreten Fragen von Meike:
      • Wie geht Gruppenarbeit?
        Wie bisher auch, mit ein paar Verbesserungen: Gruppen werden über die Software zusammengestellt, d.h. etwa gleicher Stand, gemischt: stärkere und schwächere Schüler und zu einem gewissen Grad zufällig. Die Evaluation der Gruppen-Arbeit wird über die Software getätigt, Selbst-Einschätzung, Peer-Grading der Arbeit innerhalb der Gruppe, Peer-Grading der Ergebnisse der Gruppe von "fremden" Gruppen, Einschätzung des betreuenden Lehrers.
        Die Gruppe trifft sich in einem Klassenraum und wird dort wie im Eingangspost vorgeschlagen von einem Fachlehrer betreut. Die Aufgabe wird extern des Systems gelöst und die Ergebnisse wieder in das System eingegeben. Die Ergebnisse können entweder falsch/richtig sein, dann kann die Software diese direkt evaluieren, oder "offen" sein, sprich ein Kunstwerk, Gruppenbericht oder ähnliches. Die "offenen" Ergenisse werden dann über die genanntent Evaluationsmöglichkeiten bewertet und im System registriert.

      • Wie gehen kreative Methoden in den Sprachen/Geisteswissenschaften?
        Vom Prinzip genauso wie die Gruppenarbeit: Die Aufgabe wird über das System gestellt, die Bearbeitung erfolgt extern unter Betreuung und die Ergebnisse werden wieder in das System eingegeben.

      • Rollenspiele oder Szenische Interpretation?
        Interessanter Punkt, den ich so noch nicht bedacht habe. Vielleicht kann man hier in etwas größeren Gruppen geschlossene Veranstaltungen mit Fachlehrer gestalten. Die Evaluation kommt dann v.a. durch den Lehrer (physisch/psychisch nicht anwesend, teilgenommen, gute beteiligung) und über Peer-Grading.

      • Experimente in den Naturwissenschaften?
        Siehe Gruppenarbeit. Ergebnisse können nach Eingabe direkt vom System erfasst werden, da meist eindeutig oder mit einer bestimmten Anzahl an möglichen Ergebnissen.

      • Debatten/Diskussion zu aktuellen Themen?
        vgl. Gruppenarbeit oder Rollenspiele oder Szenische Interpretation

      • Sprachen lernen?
        Das Lernen von Sprachen ist definitiv ein Knackpunkt. Inzwischen gibt einige Fortschritte, sodass Sprachen lernen per Computer einfacher wird, aber das selbst-sprechen ist natürlich nicht immer gegeben. Hier könnte es über geschlossene Veranstaltungen mit Fachlehrer oder Gruppenarbeit gelöst werden. Ich würde allerdings bevorzugen hier auch dem Internet und das Lernen der Sprache per Online-Kontakte einen Platz zu geben. Das ist auf jeden Fall ein Bereich an dem wir noch intensiv überlegen und arbeiten.
      Es ist nicht das vorrangige Ziel, dass diese Software alle Lernkanäle des (Schul)Lebens abdeckt, sondern vielmehr die Ergebnisse zentral und transparent zu erfassen, Unterricht(svorbereitung) zu vereinfachen, Schüler zu motivieren durch Technologie und mehr Autonomie und die genauere Evaluation was ein Schüler nun wirklich kann und was nicht.

      "digitale Revolution" = Lehrstellen Abbau: Ich denke nicht, dass die Lehrstellen abgebaut werden können. Schüler brauchen Lehrer. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass die Aufgaben einer Lehrstelle sich verändern werden und neue Aufgabenbereiche und Stellen entstehen, z.B. wie von Martin und Nina vorgeschlagene "Crash-Kurs"-Coaches. Diese Coaches sollten dann aber schon eine etwas intensivere Ausbildung auf sich nehmen, denn nur Mütter dahinzusetzten wird nicht ausreichen. Das alles trägt hoffentlich zu einem effizienteren Bildungssystem bei. Jetzt abzuschätzen ob Lehrstellen abgebaut werden und welche neuen Stellen geschaffen werden kann ich nicht, dafür führen wir in nächstem Jahr Studien durch um zu sehen, wie viel Fachlehrer, wie viel Coach und wie viel Selbstlernzeit nahe Optimum sind.

      P.S.: Nicht genehme Bestätigung und Entmutigung wurden hier im Thread genannt, deshalb kurz dazu: Dieses Konzept ist nicht innerhalb einer Nacht entstanden, sondern über ein gutes halbes Jahr. Das Konzept hat auch bereits einige Diskussion hinter sich, auch mit vehementer Ablehnung. Ich persönlich sehe es als Bestätigung und Ermutigung, dass das Konzept hier diskutiert wird, denn daran sehe ich, dass es zumindest irgendein Interesse weckt.
    • Entmutigung ist auch nicht das Ziel einer kontroversen Diskussion. An happy clapping wächst aber auch kein Konzept.

      Bisher sehe ich die konkrete Umsetzung für meine Fächer (Englisch/Deutsch/Oberstufe) noch nicht. Da finden keine linearen Lernprozesse statt, politische Diskussionen sind ergebnisoffen, szenische Interpretationen, kreative Schreibprozesse, die Entwicklung von Sprachsensibiität etc, und gruppendynamische Prozesse wie gemeinsames Denken vom Computer bis dato weder steuerbar noch erfassbar. Was nicht heißt, dass es keine sinnvollen Module geben kann, die nutze ich ja jetzt schon und die gibt es auch schon. Über sinnvollen Zuwachs auf dem Gebiet würde ich mich freuen.
    • Ich habe mich neulich abends mit Bekannten unterhalten und wie so oft kam das Thema auf Handys etc. Eine Bekannte war total begeistert von ihrem tablet PC, weil "keine Fragen mehr offen bleiben, man alles schnell nachsehen kann, jederzeit sämtliche Infos bekommen kann; man hat seine Termine immer parat,..."
      Das ist sicher alles richtig und sicher auch bequem, aber ich finde das gruselig. Ich will gar nicht immer sofort alles wissen, manchmal denke ich auch ganz gerne über eine Frage nach oder diskutiere sie mit anderen.

      Ähnlich geht es mir mit dem hier vorgestellten Programm.
      Wenn ich mir ansehe, wie normal es für meine Teenie - Töchter ist, permanent vernetzt zu sein, auch beim Fernsehen immer nebenbei den PC laufen zu haben, sich mit Freunden zu treffen und dann sitzen sie im Kreis und jeder fummelt mit seinem handy rum... dann finde ich es gar nicht schlimm, dass es in der Schule ein handy Verbot gibt und dass sie dort noch mit Menschen in direktem Kontakt stehen.

      Ich finde es gar nicht erstrebenswert, dass sie auch dort überwiegend durch oder mit elektronischen Medien lernen. Wo, wenn nicht in der Schule, erleben meine Mädels denn heute noch mit Gleichaltrigen, dass man ein Thema mal einfach besprechen kann, dass man Dinge kontrovers dieskutieren kann und nicht einfach wegzappt, wenn man grad keine Lust drauf hat, dass man selber und auch andere Fehler machen darf, dass man manchmal über eine Frage nachdenkt und bei einer ganz anderen Fragestellung landet,...

      Bei Eurem Konzept haben sie zwar die direkte Bestätigung oder Fehlermeldung durch das System, aber wo bleibt die Möglichkeit, auf Umwegen die Antwort herauszufinden oder kreative Alternativen zu entwickeln?

      Ich bin gewiss nicht medienfeindlich eingestellt, aber deuer Konzept ist mir einfach zuviel Medieneinsatz - nicht zuletzt stellt sich auch die Frage nach der Ermüdung der Augen, etc.

      Die Lebenswirklichkeit unserer Kinder verändert sich so rasant, dass ich bewusst versuche , ihnen Freiräume zu verschaffen, in denen es z.B. heißt" heute bleiben wir mal ohne technische Geräte" und dann auch die sich daraus ergebende Langeweile ertrage. Und aus dieser Langeweile heraus ergeben sich dann auf einmal kreative Ideen und danach sind alle ausgeglichener als vorher.

      Also, für mich brauchts definitiv nicht mehr Einsatz von Computern im Schulalltag.
    • schoolup schrieb:

      Zu der Zentralisierung: Wenn per automatischem Update oder per Mausklick die Software von mehreren Schulen aktualisiert wird ist das eine massive Kostenersparnis. Ich verstehe, dass es aktuell nicht überall der Fall ist, dass dies klappt. Dennoch bin ich optimistisch, dass im gegebenen Zeitrahmen eine effektive Zentralisierung von Netzwerken umgesetzt wird, allein aus Kosten, Zeit und Sicherheitsgründen.

      Trotzdem eine spannende Sache.
      Wer haftet denn, wenn der Service ein paar Tage nicht zur Verfügung steht und Unterricht ausfallen muss?
      Und wer haftet, wenn sich irgendwann zeigt, dass ein Stück Software Schülerleistungen falsch beurteilt hat?

      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • nina schrieb:

      Ich finde es gar nicht erstrebenswert, dass sie auch dort überwiegend durch oder mit elektronischen Medien lernen.

      Es wird auf eine Drei-Klassen-Gesellschaft hinauslaufen:
      Die Schüler, die reale Physikexperimente im Klassenraum durchführen dürfen.
      Die Schüler, die per Webcam reale Physikexperimente teilweise beeinflussen können.
      Die Schüler, die mit Simulationen vorlieb nehmen müssen.

      Wie schon gesagt, das wird eine reine Kosten- bzw. Effizienzfrage sein.
      Ebenso wie das Verhältnis von Lehrerstunden zu computergestützten Selbstlernstunden.


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • nina schrieb:

      Und aus dieser Langeweile heraus ergeben sich dann auf einmal kreative Ideen und danach sind alle ausgeglichener als vorher.

      Papier zerkauen, Kügelchen formen und diese mit dem Kakao-Strohhalm an die Tafel blasen kann man auch in hochtechnologisierten Umgebungen.
      Streiche einfach "Tafel", setze "Display" oder "Whiteboard" ein.

      - Martin ;)
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.