Inklusion : Ich kann es nicht !

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    • Bezugnehmend auf die Ängste und Befürchtungen der Lehrer in diesem Thread <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.lehrerforen.de/index.php?page=Thread&threadID=32897&pageNo=1">http://www.lehrerforen.de/index.php?pag ... 7&pageNo=1</a><!-- m --> würde ich gern mal wissen, wie steht ihr als Eltern zu dem Thema.

      Ich muss sagen, ich habe mich noch nicht wirklich damit befasst. Unser Kindergarten arbeitete schon integrativ, aber das waren nur sehr wenige Kinder, auf die das im Ansatz zutraf. Im Kindergarten )70 Kinder) arbeiten 7 Erzieher, 2 Heilpädagogen und 2 Logopäden zusammen. Wie sieht das an der Schule aus? Unsere Grundschule hat eine Heilpädagogin, die uns und die Verbundschule betreut. Insgesamt sind das über 300 Kinder, für die sie zuständig ist. Zusätzlich arbeiten in der Ogata unseres Standorts nochmal 3 Sozialpädagogen, plus Praktikanten. Das wars.

      Barrierefrei ist unsere Schule nicht, Uralt-Bau, dementsprechend auch vergammelt. Unten gibts noch zwei Pavillons, die als Klassenzimmer fungieren. Ein Miniklassenzimmer ist zugleich der Ogata-Raum, da muss immer Hin- und Hergewechselt werden. An dem Standort sind 170 Kinder. Allein die Organisation der räumlichen Probleme ist immens. Dazu kommt der normale Schulalltag, und unsere Schule wird zur Montessorischule, das bedeutet, die Regelklassen laufen aus, es sind aber derzeit nur 4 Montessorilehrerinnen im Einsatz. Es müssen also noch zusätzliche Lehrer gefunden werden.

      So, und in das Chaos kommt nun noch die Inklusion.Ich lese in dem Thread Dinge, die ich so in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen habe, und muss schon sagen, das ist doch so gar nicht zu leisten. Was habt Ihr bisher gehört, wie steht ihr dazu und was kann man tun, damit die Bedingungen, wenne s denn so kommt, für alle akzeptabel umgesetzt werden können? (ausser ne andere Regierung wählen-das wird ja nichts ändern..) Oder besteht kein Bedarf daran, etwas zu tun? Lassen wir "die da oben" mal machen, unsere Kinder sind ja "nur" ne begrenzte Zeit in der Schule, wir sind ja auch irgendwie durchgekommen?
    • Re: Inklusion

      Hallo

      Was das Thema Inklusion betrifft,bin ich sehr zwiegespalten.

      Einerseits wünsche ich mir das endlich , Kinder mit und ohne Behinderungen selbstverständlich gemeinsam lernen können/dürfen.

      Andererseits :roll:
      Ich fürchte das auf Biegen und Brechen etwas aus dem Boden gestampft wird das keinem gerecht wird.Und das weil man viele Jahre Vogelstraußpolitik betrieb und nun gewungen ist zu handeln.
      Wenn Inklusion bedeutet das Förderschulen ausbluten, weil das Lehrpersonal *zwangsversetzt* an Regelschulen wird
      Regelschulenlehrer ohne sonderpädagogische Ausbildung ins kalte Wasser geworfen werden und man von ihnen verlangt Kinder mit verschiedenen Beeinträchtigungen zu integrieren und fördern.
      Förderschullehrer nur wenige Stunden in einer bestimmten Klasse verbringen,jedoch von Schule zu Schule hetzen,weil sie dort eingesetzt werden .
      Kinder mit unterschiedlichen Förderstatus auf Biegen und Brechen in Regelschulen unterbringen, obwohl es bedeutet das weitaus geringere Förderchancen für diese Kinder damit einhergehen.
      Viel zu kleine Räume,die unter normalen Bedingungen schon aus allen Nähten platzen,zur Verfügung stehen.
      Dann ist Inklusion keine Chance sondern eine Schweinerei!
    • Re: Inklusion

      Meine Mittlere besucht eine Integrationsklasse ( 7.Klasse) an einer integrierten Gesamtschule. Anfangs als I-Schülerin, jetzt als Regelschülerin.
      Unsere Tochter ist Asperger Autistin; bis diese Diagnose "stand", gingen etliche Jahre ins Land. Bis dahin war von "geistig behindert und nicht beschulbar" über " evtl. in einer GB-Schule beschulbar" bis "eine Beschulung in einer Förderschule Lernen scheint angebracht." alles dabei.
      Eingeschult wurde sie schlußendlich in die normale Grundschule hier im Dorf. Nicht, weil wir auf gar keinen Fall unser Kind auf einer Förderschule sehen wollten, sondern weil sie irgendwie immer durch alle Raster fiel. Sie besuchte einen Sprachheilkiga, wurde ein Jahr zurückgestellt mit der Idee, evtl. könnte die Sprachheilschule passen. Aber- als es dann an die Einschulung ging, war ihre Sprachentwicklungsverzögerung komplett verschwunden. Eine auditive Wahrnehmungsstörung besteht bis heute.
      Sie ist in Teilbereichen hochbegabt, Mathematik und alle naturwissenschaftlichen Fächern fallen ihr sehr leicht. Die sprachlichen Fächer eher weniger, aber auch da lag sie immer im 2-3er Bereich. Ihr Problem war das "schulische Leben" an sich.
      In der hiesigen Grundschule, die sehr klein ist und daher entsprechend kleine Klassen hat, kam sie gut zurecht. Die Schule war klein, übersichtlich, alles bekannt- und sie hatte nur 16 Mitschüler, der Lärmpegel in dieser Klasse ging gen null. Außerdem war ihre Lehrerin sehr "straight" und gab klare Anweisungen, was die Schüler zu tun und zu lassen haben. Versuchte man, unserer Tochter eine Sache sehr langatmig und ausführlich zu erklären, verlor sie nämlich leicht den Faden und bekam die Kernaussage der Sätze nicht mit.
      Sie hatte am Ende von Klasse 4 ein sehr gutes Zeugnis. Die schlechteste Note war eine 2.
      Sie war auch eine sehr ordentliche und organisierte Schülerin. Eigentlich wäre eine Gym-Empfehlung "drin" gewesen. Aber am Gym wäre sie - in einer Schule mit 3000 Schülern, Standardgröße 30 Kinder pro Klasse, garantiert damals untergegangen. Sie brauchte da noch viel Führung durch den Lehrer, sag ich mal.
      In der I-Klasse - 21 KInder, davon 5 I-Kinder, eine Sonderpädagogin zusätzlich zur Regellehrkraft ständig in der Klasse- entwickelte sie sich so gut, daß sie ihren I-Status am Ende der 5.ten Klasse abgeben konnte. Sie liegt derzeit leistungsmäßig im oberen Notenbereich. Wir werden sehen, wo die Reise hingeht, nach dem Abschluß in Klasse 10.....

      Wenn die Bedingungen so sind, wie in der Klasse der Mittleren, reduzierte Klassenstärke, ständig ein Sonderpädagoge zusätzlich im Unterricht, dann kann es klappen. Aber es gibt auch hier Kinder, die nach ein oder zwei Jahren auf die Förderschule wechseln, weil sie einfach überfordert sind- mit allem.
      Positiv finde ich, daß die Klasse - aber schon von Anfang an- als sehr nette und umgängliche Klasse gilt, es so gut wie keine Beschwerden der Fachlehrer gibt und eine sehr gute Klassengemeinschaft herrscht. Sie nehmen jedes neue Kind erstmal freundlich auf- und Mobbing oder ähnliches gab es bis heute in der Klasse nicht. Fast alle Schüler dieser Klasse sind oder werden jetzt 14, was für eine gewisse pubertätsbedingte Unruhe sorgt, aber es gibt keine gravierenden Vorfälle.
      Nun wird in der IGS ohnehin in fast allen Fächern nach Kursen eingeteilt, es fällt den Regelschülern also nicht als etwas Besonderes auf, wenn die I-Kinder sich mühsam den Stoff der 4. Klasse erarbeiten, während der REst der Klasse über Winkelfunktionen brütet- je nach Leistungsstand in unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Alle Schüler bekommen immer die gleichen "Aufgabenzettel" für die sog. Arbeits- und Übungsstunden, nur gibt es in dieser Klasse eben nicht drei Schwierigkeitsgrade wie in den Regelklassen, sondern 5 oder 6. Vielleicht empfinden sie daher die I-Kinder nicht als etwas "Besonderes" oder "Anderes."

      Wenn ich aber mitbekomme, wie die Inklusion geplant ist- dann denke, so gehts ja nun nicht.
      An der hieisgen Grundschule gibts seit einigen Jahren den sog. gemeinsamen Unterricht. Ich war lange Schulelternvertreterin für diese Grundschule und hab da so einiges mitbekommen. Und- ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen braucht meiner Meinung nach mehr als zweimal die Woche mit vier anderen Kindern unterstützenden Unterricht durch den anreisenden Förderpädagogen. Ich denke nicht, daß das immer ausreicht.

      Und ich könnte mir vorstellen, daß es an weiterführenden Schulen im dreigliedrigen Schulsystem noch schwieriger wird. Die Schülerschaft ist zumindest größtenteils relativ auf dem gleichen Leistungsniveau. Zumindest an den Schulen des dreigliedrigen Systems, die ich kenne - die Realschule von der Kleinen, das Gym von der Großen- wäre Tochter untergegangen. Da hätte auch eine zweitweise Unterstützung, durch wen auch immer, nicht viel geholfen.....

      Meine Meinung ist daher- Integration, so wie ich sie kenne, ja, Inklusion, wie sie geplant ist- nein.
    • Re: Inklusion

      Ich kann mir Inklusion ohne konsequente Individualisierung des Unterrichts nicht vorstellen. Und das erfordert ganz andere Unterrichtskonzepte, als man sie derzeit an Schulen des dreigliedrigen Systems kennt. Und natürlich entsprechende Pädagogen und eine passende Raumsituation, in der auch mal Kleingruppen leistungshomogen frontal unterrichtet werden können. Was für mich hieße, dass Inklusion nur in einem eingliedrigen System funktionieren kann, wo jeder auf seinem Niveau gefordert und gefördert wird. Also eher in der Art von Montessori- oder Jenaplanschulen. Es gibt ja Schulen, die das erfolgreich machen. Da könnte man schauen, wie die das hinbekommen. Weniger kann ich mir Inklusion vorstellen, wenn 5 I-Kinder neben der Rest-Regelklasse beschult werden und in Kunst, Religion und Sport dann zusammenkommen. Abgesehen davon, dass das (wenn überhaupt) Ingegration wäre, finde ich das für alle Betroffenen auch sozial keine gute Situation.

      Solange Schulentwicklung ein ideologischer Spielball von Politikern ist, erwarte ich eh wenig Gutes.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: Inklusion

      Danke für die Antworten, sie decken sich sehr mit meinem Eindruck. Ich frage mich nur - was kann man tun? jeder Einzelne? Im Lehrerforum lese ich, dass einige gern Demos veranstalten würden. Warum nicht auch die Eltern selbst ins Boot holen? es geht uns ja alle etwas an? Was gibt es für Möglichkeiten? Sowas hier? <!-- m --><a class="postlink" href="https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/00-Homepage/homepage_node.html">https://www.dialog-ueber-deutschland.de ... _node.html</a><!-- m --> wo man Frua Merkel bis zum 15.04. noch schreiben könnte, was besser wäre? Eigene Eindrücke, Problemlösungen usw anbieten? Wer würde da mitarbeiten, wo sollte man das öffentlich machen, wer kann da mithelfen? und wer will da mithelfen? frag ich mich schon die ganze Zeit, je länger ich diesen Thread verfolge..
    • Re: Inklusion

      Mia,

      Schulpolitik ist Ländersache, da wird eine Email an die Kanzlerin nicht so viel nutzen. Du müsstest also landespolitisch aktiv werden, oder auch auf kommunaler Ebene. In unserer Stadt gibt es beispielsweise eine von Eltern initiierte Inklusions-Arbeitsgruppe, wo auch manchmal Vertreter des Schulamtes dabei sind. Landesweit in NRW gibt es verschiedene Initiativen und auch Standpunkte:

      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.nrw-eineschule.de/page/das-nrw-buendnis-eine-schule-fuer-alle">http://www.nrw-eineschule.de/page/das-n ... -fuer-alle</a><!-- m -->
      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.cdu-nrw-fraktion.de/fileadmin/user_upload/PDF/Broschueren/CDU_Broschuere_Inklusion_scr.pdf">http://www.cdu-nrw-fraktion.de/fileadmi ... on_scr.pdf</a><!-- m -->
      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.verband-sonderpaedagogik-nrw.de/wordpress/anregungen/category/inklusion-in-nrw/">http://www.verband-sonderpaedagogik-nrw ... on-in-nrw/</a><!-- m -->

      Das Problem, das man schnell hat, ist, dass jetzt einige Eltern für den Erhalt der Förderschulen kämpfen, andere verzweifelt nach einem Platz im GU suchen und auch Eltern nicht förderbedürftiger Kinder um die Ausbildung der eigenen Kinder fürchten, wenn jetzt auch noch die Inklusion ansteht. "Du schickst dein Kind auf eine Schule mit Behinderten?" bin ich schon mehrmals ungläubig gefragt worden. Und ich finde, alle Ängste muss man Ernst nehmen. Und insbesondere für eine bessere personelle und räumliche Ausstattung der Schulen kämpfen. Da muss mehr Geld ins System! Einen reisenden Förderschullehrer, für 2 Stunden abgeordnet, das kann und will ich mir gar nicht vorstellen. Das geht schief. Es braucht Teamteaching, Kleingruppenarbeit und individuelle Lern- und Arbeitspläne. Und eine entsprechende Lehreraus- und Fortbildung. Die Scheu vor Intengrationshelfern um Klassenzimmer muss abgebaut werden, der Lehrer vom Einzelkämpfer zum Teamplayer werden. Viele Lehrer haben Angst davor, das kann man verstehen. Ich hätte ja auch aus meiner eigenen Schulerfahrung heraus nicht geglaubt, dass Inklusion funktionieren kann. Weil es nämlich ganz andere Strukturen braucht.

      Man kann übrigens viel von Förderschulen (Förderbedarf L, E) lernen. Die müssen eh vergleichsweise viel differenzieren. Aber, seien wir mal ehrlich, welche Eltern "gymnasialer" Kinder wollen, dass ihre Kinder von Hauptschullehrern unterrichtet werden, geschweige denn Förderschullehrern. Ach ja, und auch von den Grundschulen könnten die weiterführenden Schulen viel lernen. Aber siehe die Diskussion in den Lehrerforen, auch das ist schwierig.

      Da gibt es also noch viel zu tun. Ich denke, durch die EU-Richtlinie kommt jetzt mal Dampf auf den Kessel. Bislang standen die Eltern von Kindern mit Förderbedarf beim Übergang auf die weiterführenden Schulen ja vor ziemlich verschlossenen Türen. Nach integrativem KiGa und integrativer Grundschule blieb dann bei den gut angepassten Kindern auf einmal nur wieder die Förderschule. Raus aus dem Freundeskreis, aussortiert. So sollten wir mit niemandem umgehen. Also: viel mehr Geld und Engagement ins System, dann kann es etwas werden.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: Inklusion

      UBI- an der IGS meiner Tochter werden auch Regelklassen nur in den "Nebenfächern" im Klassenverbund unterrichtet. Es wird ja ab Klasse 6 zunehmend eingekurst, da bleiben nur noch die Nebenfächer übrig....das führt dann oft dazu, wie es bei meiner Großen war- die wusste nur von den beiden allerbesten Freundinnen, welchen Abschluß sie wohl bekommen werden- die sassen in allen Fächern mit ihr im Kurs mit erhöhten Anforderungen- aber bei den anderen Klassenkameraden eher nicht. Allerdings läuft diese Schule im Ganztagsform mit sehr umfangreichen Zusatzangebot an den Nachmittagen- wo dann eher nicht kognitive Leistungsfähigkeit im Vordergrund stand.
      Und ich denke auch- es wird Kinder geben, die in einer Förderschule besser aufgehoben und dies auch so wünschen. Ab einem gewissen Alter sollte man Kindern ruhig ein eigene Entscheidung zugestehen.
      Es wird auch viele Eltern geben, die unbelehrbar der Meinung sind, jedes leistungsschwächere Kind hält nur den Betrieb auf und steht daher dem Lernzuwachs des eigenen Kindes im Wege...da wird man mit noch so vielen Erklärungen, daß es in der Schulzeit nicht nur um den reinen Wissenserwerb geht, nichts erreichen können.
    • Re: Inklusion

      "Sasapi" schrieb:

      Und ich denke auch- es wird Kinder geben, die in einer Förderschule besser aufgehoben und dies auch so wünschen. Ab einem gewissen Alter sollte man Kindern ruhig ein eigene Entscheidung zugestehen.


      Da habe ich ja auch gar kein Problem damit. Vielleicht muss man ja auch noch mal diskutieren, dass Inklusion auch bedeutet, etwas für die sehr intelligenten Kinder zu tun. Förderung entlang des gesamten Begabungsspektrums, wie das so schön heißt.

      OT Für Martin: kennst du nicht die tollen Bilder:
      <!-- m --><a class="postlink" href="http://vdk.de/cms/img/12878B13288625912.jpg">http://vdk.de/cms/img/12878B13288625912.jpg</a><!-- m -->

      Die erinnern mich immer so fatal an die Erklärung der Unterschiede zwischen precision und accuracy (die Bilder mit der Schießscheibe)
      <!-- m --><a class="postlink" href="http://celebrating200years.noaa.gov/magazine/tct/accuracy_vs_precision_220.jpg">http://celebrating200years.noaa.gov/mag ... on_220.jpg</a><!-- m -->
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: Inklusion

      Ideal wäre es wenn Inklusion bzw Integration so funktionieren würde das Förder und Regelschulen gleichberechtig nebenher existieren .
      Wenn Integration an der Regelschule bedeutet das ausreichend Lehrpersonal vorhanden ist und nicht wie es jetzt teilweise abläuft,Lehrer sich aufreiben im Bemühen allen gerecht zu werden.
      Wenn ich sehe das hier an verschiedenen GU-Grundschulen in unserer tollen Landeshauptstadt
      Förderschullehrer nur an zwei bis drei Tagen in einer Klasse sind und dies auch nur für wenige Stunden ,dann empfinde ich dies als große Mogelpackung.
      Wenn Eltern mit schulpflichtigen förderbedürftigen Kinder heute, erst kurz vor Beginn der Einschulung erfahren auf welche Schule ihr Kind kommt,dann wage ich mir das Ausmaß des Chaos was auf alle zukommt nicht auszumalen.
      Mich interressiert auch stark wie es denn in der Nachmittagbetreuung aussehen wird.
      Wird es genügend Betreuungskräfte geben die heilpädagogisch geschult sind?
      Wenn ich ehrlich bin fürchte ich stark, das es eine ideale Gelegnheit ist *teures* Personal einzusparen.
    • Re: Inklusion

      Nun ist es in der Klasse meiner Mittleren so, daß dort überwiegend so "Grenzkinder" sitzen- also Kinder, die auf der Förderschule Lernen unterfordert, in einer Regelklasse aber überfordert wären. Oder andere Probleme haben oder so Eigenheiten wie meine Tochter, die in der 5ten Klasse in Deutsch beim Thema "Mein Lieblingsbuch" unbedingt eine seitenlange Abhandlung über "Das Universum in der Nußschale" schreiben wollte. Die Deutschlehrerin erklärte, sie hätte schon so ihre Schwierigkeiten- sie kenne das Buch nicht, Naturwissenschaften seien ihr ein Gräuel, und auch der Alternativvorschlag meiner Tochter , "Eine kurze Geschichte der Zeit", sagte ihr nicht recht zu. Allein schon der Name Stephen Hawking treibe ihr Angstschweiß auf die Stirn. Das Problem wurde so gelöst, daß die Klassenlehrerin- ist Fachlehrerin für Naturwissenschaft- mit ihr zusammen die Buchvorstellung bewertete.
      Einen Mitschüler von ihr kenne ich seit 10 Jahren- sie waren schon Kollegen im Sprachheilkiga. Er ist ein "Rückkehrer" von der Sprachheilschule.
      Dann gibts noch zwei Schüler mit ausgeprägtem ADHS, die vorher auf der Schule für soziale und emotionale Entwicklung waren.

      Ich denke, das ist zwar eine bunte Mischung, aber kein Kind ist wirklich schwer beeinträchtigt. 1 Schüler hat wirklich extreme Lernprobleme, aber bei ihm ist das Kurzzeitgedächtnis gestört- das macht das Lernen schwierig, aber der Junge ist sonst keine "Herausforderung", sage ich mal.

      Wir wohnen allerdings sehr ländlich, die Schülerschaft ist an dieser Schule allgemein noch recht "handzahm", sag ich mal. Ich glaube, einige Lehrer an einer Schule in einem sozialen Brennpunkt in einer Großstadt wären vermutlich froh, wenn ihre Schüler halt so "kariert" wären wie die Mitschüler meiner Tochter- wenn sonst nichts ist 8)
    • Re: Inklusion

      Sehr schön und vor allem unglaublich wichtig, dass dieses Thema allmählich auch bei den Eltern ins Bewusstsein rückt!
      Dafür, dass es "erst" nun geschieht (Es gibt auch viele Lehrer, welche erst allmählich mit dem Begriff Inklusion etwas anfangen können.), können Sie im Übrigen nichts - es scheint, dass unsere Politiker - egal, welcher Couleur -, sich entschieden haben, uns (Eltern + Lehrer) Inklusion sehr leise und ohne großes, wahlwirksames Tamtam mehr oder weniger "unterzuschieben".

      Warum ist das wohl so? Wenn es so läuft, wie es bislang geplant ist - und das wird es, wenn es keinen nennenswerten Widerstand gibt, aber dazu später mehr -, soll es "Inklusion" zum Nulltarif geben. D.h. es ist keinesfalls geplant, notwendige Ressourcen für die Inklusion bereitzustellen. Im Gegenteil: Förderschulen (Wir haben in Deutschland eines der besten Förderschulsysteme weltweit!) werden auslaufen. Förderschulkollegen wie Wanderprediger auf eigene Kosten durch das Land fahren. Keinesfalls werden diese wichtigen Kollegen ausreichend den Unterricht ergänzen können, alleine deswegen, weil gar nicht angedacht ist, dass immer ein Förderschulkollege mit in der Klasse ist. In NRW gilt folgender Schlüssel: 0,1 Förderschullehrerstellen für ein Förderkind. Rechnen Sie mal bitte damit und vergessen Sie nicht, dass Inklusion nicht bedeutet, dass man aus zehn Förderschülern eine kleine Klasse bildet, die dann immerhin zum Teil von einem Förderschullehrer versorgt werden könnte. Rechnen Sie mal mit Zahlen wie drei – fünf Förderschulkinder in einer Klasse von 25 Kindern. Wie oft kann der Förderschulkollege da anwesend sein?
      Woher weht sonst noch der Wind? In NRW sollen Hauptschulen (und Realschulen!) auslaufen. Stattdessen soll es mehr Gesamtschulen geben und sogenannte Sekundarschulen (HS + RS) sollen entstehen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist konzeptionell überhaupt nichts gegen Gesamtschulen und den grundsätzlichen Gedanken einer Sekundarschule zu sagen, solange "sauber" umgesetzt. Hier entstehen real allerdings sehr große Schulsysteme, selbstverständlich auch mit größeren Klassengrößen. Für die Sekundarschule wird mit durchschnittlichen Klassengrößen um 25 SuS gerechnet, was zumindest für die HS eine Anhebung um 5-7 SuS bedeutet. Glauben Sie, dass es durch die Auflösung der Hauptschulen, keine Hauptschüler, welche ihrerseits auch eine Menge Förderbedarfe haben, mehr gibt!? In Luft werden diese sich ja wohl nicht auflösen.
      Rechnen Sie nun bitte in diese Überlegungen Inklusion zum Nulltarif mit ein! Graut es Ihnen ein wenig? Zu recht - würde ich meinen. Hier hat Schulpolitik einen Grad an Verlogenheit und Perfidität erreicht, welcher nicht mehr ertragbar ist.
      Am Ende überlegen Sie bitte, welchen SuS diese Planungen überhaupt gerecht werden. Keinem! Hier fallen dann alle Kinder durchs Raster – völlig unabhängig, ob nun Förderschüler oder "Elitegymnasiast" - ihr Kind wird dabei sein!

      (Ich bin nicht sonderlich auf die Gymnasien eingegangen. Selbstverständlich sind diese aber in den Plnungen zur Inklusion einbegriffen.)

      Was können Eltern tun?

      Machen Sie sich bewusst, dass Sie in Ihrer Gesamtheit eine politische Macht (ein Privileg, was Sie von der Lehrerschaft unterscheidet) sind! Diskutieren Sie mit anderen Eltern dieses Thema. Informieren Sie sich und informieren Sie andere Eltern. Stellen Sie Politikern Ihre Fragen zur Inklusion.
      Sollten Sie dann zu der Überzeugung gelangen, dass Sie Inklusion zum Nulltarif ablehnen, verschaffen Sie Ihrer Überzeugung deutlichst Gehör! Was meinen Sie, wie schnell sich das Wahlprogramm der einen oder anderen demokratischen Partei (man hat ja derzeit nicht mal die Wahl!!!) in Ihrem Interesse ändern wird, wenn Sie ihr politisches Gewicht in die Waagschale legen?!
    • Re: Inklusion

      Informieren Sie sich und informieren Sie andere Eltern.


      Schwierig das. Es herrscht nämlich leider das Sankt-Florians-Prinzip. Des Problems bewusst sind sich nur Eltern betroffener Kinder. Alle anderen grenzen sich eher ab und wollen mit dem Thema nicht wirklich etwas zu tun haben. Inklusions-Gesprächskreise werden in der Zeitung angekündigt, sind aber schlecht besucht. Da haben Eltern "normaler" Kinder gar keine Antennen dafür. Die sorgen sich eher, dass zu wenig Zeit für ihr Kind bleibt, wenn dort auch noch Kinder mit Förderbedarf in der Klasse sitzen. Und dass da eine Spar-Mogelpackung als neue Entwicklung verkauft wird, bekommen sie gar nicht mit. Erst wenn man dahin käme, dass individuelle Förderung gut für alle Kinder ist und Inklusion auch eine Chance, dann wird man da etwas erreichen können. Dafür braucht man aber viel mehr "Best Practice" Beispiel in der Öffentlichkeit. Und mal einen einfach erklärten mindestnotwendigen Personal- und Raumschlüssel.

      Hat man in jeder Klasse 5 Kinder mit Förderbedarf, dann können sich selbst beim jetzigen Schlüssel 2 Klassen einen Förderschullehrer "leisten", der dann fest an der Schule ist und nciht reist. Allerdings werden die Förderbedarfe da unterschiedlich sein. Der Förderschullehrer muss auch noch zum Allrounder mutieren. Besser sieht es aus, wenn 10 Klassen 5 Föderschullehrer haben. Und die ihren Unterricht in Teams und Projekten organisieren und außerdem die Behörden Gelder für Integrationshelfer zu Verfügung stellen. Das ist aber eine ganz andere Art von Schule und Unterricht, als ihn sich die meisten Eltern überhaupt vorstellen wollen. Und geht auch nicht ohne Kleingruppenräume. Welche Schule hat die schon?

      Die Diskussion um die Hamburger Primarschule macht mich eher mutlos hinsichtlich der Hoffnung, eine einheitliche Elternfront zu organisieren.
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: Inklusion

      "UBI" schrieb:

      Die Diskussion um die Hamburger Primarschule macht mich eher mutlos hinsichtlich der Hoffnung, eine einheitliche Elternfront zu organisieren.

      "Sasapi" schrieb:

      Ja, ich denke auch- eine geschlossene Elternschaft wird man da eher nicht hinbekommen...


      Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses sehr schwierig ist!

      Dennoch beschreiben Sie hiermit,

      "UBI" schrieb:

      Da haben Eltern "normaler" Kinder gar keine Antennen dafür. Die sorgen sich eher, dass zu wenig Zeit für ihr Kind bleibt, wenn dort auch noch Kinder mit Förderbedarf in der Klasse sitzen.
      , die gemeinsame Diskussionsgrundlage, denn genau darauf wird es hinauslaufen. Inklusion, so wie sie geplant ist, wird kein Kind, egal ob Förderschulkind oder Regelschulkind, ausreichend und sinnvoll fördern und fordern. Am Ende wird sich die Situation für alle verschlechtern.
    • Re: Inklusion

      Inklusion, so wie sie geplant ist, wird kein Kind, egal ob Förderschulkind oder Regelschulkind, ausreichend und sinnvoll fördern und fordern. Am Ende wird sich die Situation für alle verschlechtern.


      Alles richtig, trotzdem steht zu befürchten, dass es eher Absetzbewegungen der Eltern von nicht betroffenen Kindern gibt, als gemeinsame Aktionen für eine Schule für alle. Man schaue sich nur mal in NRW die Argumentation der FDP zum Gymnasium an: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.fdp-nrw.de/files/557/20120417-ChL-Statement.pdf">http://www.fdp-nrw.de/files/557/2012041 ... tement.pdf</a><!-- m --> . Wie mehrfach geschrieben, kann ich mir persönlich sowohl ein gegliedertes als auch ein nicht gegliedertes Schulsystem vorstellen. Unter dem Aspekt der Inklusion würde ich mich für ein nicht gegliedertes aber stark differenzierendes System entscheiden. Das sehen Eltern von Kindern mit Gymnasialempfehlung in der Regel aber völlig anders. Wenn über 60% der Kinder ein Gymnasium besuchen (Tendenz steigend) wird man in den Köpfen dieser Eltern anfangen müssen, für entsprechende Veränderungen zu kämpfen. Die aber genau diesen Eltern Angst machen und aus deren Sicht ihren Kindern nichts nutzen.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: Inklusion

      Diese "Verschiebebewegungen" sieht man hier schon- und hier sollen nur Haupt- und Realschule zusammengelegt werden. Nicht mal als Schulform, sondern nur in ein Gebäude! Es sind viele Eltern dabei, die ihre Kinder dann lieber auf Gedeih und Verderb zum Gym schicken, als sie mit den "Schmuddelkindern" aus der Hauptschule in einem Gebäude zu lassen....was den Gym-Lehrern auch nicht so recht ist. Es gab dieses Jahr schon etliche Kinder, die mit eingeschränkter Realschulempfehlung zum Gym gingen, die Klassen sind brechend voll- ablehnen darf das Gym nicht. Notfalls werden die Schüler in Containern unterrichtet.
      Das reguliert sich über die Jahre- viele gehen nach der 6ten Klasse zur Realschule oder zur IGS....aber ob man dem Kind damit einen Gefallen tut? Meiner Meinung nach nicht!
    • Re: Inklusion

      "UBI" schrieb:

      Das sehen Eltern von Kindern mit Gymnasialempfehlung in der Regel aber völlig anders. Wenn über 60% der Kinder ein Gymnasium besuchen (Tendenz steigend) wird man in den Köpfen dieser Eltern anfangen müssen, für entsprechende Veränderungen zu kämpfen.

      Ich bin als Zielperson schon zu alt. Man könnte auch sagen, zu klug.
      Der integrative städtische Montessorikindergarten meiner Kleineren hatte statt 25 nur 15 Kinder pro Gruppe.
      Bei mehr und besser ausgebildetem Personal. Und er konnte praktisch zeigen, dass es funktioniert.

      Weit darunter würde ich im Schulwesen mein Kind auch nicht ohne Not unterbringen.


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Re: Inklusion

      Ich sehe das auch so, dass das unter Umständen sehr schwierig werden könnte. Im Grunde hat man ja nur eine begrenzte Zeit zur Vorbereitung zur Verfügung. Das Modell "ich kümmere mich ganz intensiv um die schwachen Schüler" habe ich schon hinter mir. Momentan tendiere ich mehr dazu, die Starken und die Mitte zu fördern - weil´s einfach mehr Wirkung hat. Ist aber auch nicht ganz zufriedenstellend - sobald die Gruppe zu heterogen wird, wird´s halt schwierig, allen gerecht zu werden.
      Und nicht jeder hat die finanzielle Möglichkeit, sein Kind "unterzubringen".
    • Re: Inklusion

      Inklusion betrifft ja nicht nur den Schulbereich. Letzte Woche war ich gerade in einem Probeseminar einer Bewerberin (auf eine Professorenstelle), die das Thema Inklusion in der Arbeitswelt innerhalb von 30 Minuten darstellte. Auch dort gibt es dieselben Fragen, dieselbe Ratlosigkeit und dieselben Befürchtungen. Alle sind sich im Kern einig, dass Inklusion ein schöner Gedanke ist. Aber dass das derzeit mit den Mitteln und den Plänen auf keinem Sektor umgesetzt werden kann, ohne dass alle dabei verlieren werden.
      In unserer Stadt wird nun ürigens die Realschule mit der Hauptschule zu einer Sekundarschule umgewandelt, weil die Hauptschule trotz sehr guter Arbeitsweise kaum noch Anmeldungen vorweisen konnte... hier lösen sich die Hauptschüler also tatsächlich in Luft (oder Wohlgefallen?) auf.