Inklusion : Ich kann es nicht !

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    • Re: Inklusion

      Aber dass das derzeit mit den Mitteln und den Plänen auf keinem Sektor umgesetzt werden kann, ohne dass alle dabei verlieren werden.


      Das wiederum, würde ich so nicht stehen lassen wollen. Inklusion fängt im Kopf jedes Einzelnen an. Man kann auch jetzt schon vieles machen und erreichen, wenn man denn nur will und Berührungsängste abbaut. Am Arbeitsplatz geht bereits ganz viel. Und es gibt da auch ziemlich viele unterstützende Maßnahmen. Man muss nur fragen. Wenn man allerdings sieht, wie sehr manche als geistig behindert klassifizierte Erwachsene kämpfen müssen, um aus den sog. beschützenden Werkstätten herauszukommen und ihr individuelles Budget (<!-- m --><a class="postlink" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nliches_Budget">http://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nliches_Budget</a><!-- m -->) durchzusetzen, mit dem sie im ersten Arbeitsmarkt sogar unterkämen, dann ist das nur eines: traurig.

      Ich bleibe dabei: es braucht Beispiele, wie es gut funktionieren kann. Sonst wird sich der Großteil der Bevölkerung nicht darauf einlassen. Da ist Geld wirklich nur ein Aspekt. Es ist mir zu einfach, zu sagen, wenn man nur mehr Geld hätte, dann könnte man... Sicher muss da mehr Geld ins System, aber darauf warten?
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: Inklusion

      "UBI" schrieb:

      Ich bleibe dabei: es braucht Beispiele, wie es gut funktionieren kann. Sonst wird sich der Großteil der Bevölkerung nicht darauf einlassen. Da ist Geld wirklich nur ein Aspekt. Es ist mir zu einfach, zu sagen, wenn man nur mehr Geld hätte, dann könnte man... Sicher muss da mehr Geld ins System, aber darauf warten?

      Und damit ginge dann das politische Kalkül wieder einmal auf!
      Im Schulwesen ist dieses seit Jahrzehnten gang und gäbe: Entgegen der doch recht häufig verbreiteten Meinung, dass Lehrer eher bequeme Zeitgenossen sind, die ihren Beamtenstatus dazu nutzen, ein recht ruhiges Arbeitsleben nach dem Motto "vormittags recht und nachmittags frei" zu leben, zeigt meine Erfahrung, dass die Lehrerzimmer in überwiegender Anzahl von KuKs besetzt sind, welche durchaus eine sehr wohlwollende Grundeinstellung an den Tag legen und wo Vieles eben nur dadurch ermöglicht wird, dass eben nicht "Dienst nach Vorschrift" getan wird. (Das geht von dem privat finanzierten Arbeitsblatt, über die Ausstattung von Klassenräumen mit benötigtem (hiermit ist nicht der Wellness-Lehrersessel gemeint, der nach meiner Erfahrung ohnehin nicht vorkommt) Mobiliar , wie Regale in Ganztagsschulen, bis hin zu hohen Arbeitseinsätzen - über Belastungsgrenzen hinaus - in der Freizeit, um irgendwelche Projekte voranzutreiben, deren positive Wirkung fraglich ist, wo allerdings der Dienstherr meint, dass dieses sinnvoll sei. Gut, dass ist eine andere Diskussion und sie muss hier nicht weitergeführt werden.)
      Dieses ist dem Dienstherrn sehr wohl bekannt und er bedient/bediente sich (wiederholt) dessen. (Nun könnte man sagen: Selbst schuld! Stimmt auch - aber auch das ist eine andere Diskussion.)
      Es ist mehr als absehbar, dass, wenn dieses eigentlich positive Signal (Und verstehen Sie mich bitte nicht falsch, selbstverständlich haben Sie recht, dass eine funktionierende Inklusion auch eine aufgeschlossene Geisteshaltung benötigt - das ist auch meine Überzeugung!) der Entwicklung einer positiven Geisteshaltung, welche sich beispielsweise durch das Erarbeiten entsprechender Konzepte zeigte, von Schulpolitik eben nicht als das Anzeigen einer grundsätzlichen Bereitschaft interpretiert würde, sondern dahingehen fehl, dass es ja offensichtlich auch ohne die notwendigen Ressourcen ginge.
      Nein, in diesem Punkt muss ich Ihnen ganz entschieden widersprechen und meine, stellt (Schulpolitik) zunächst vernünftige Rahmenbedingungen sicher, dann habt ihr auch ein potentes Mittel der Werbung für eine Veränderung in den Köpfen!
    • Re: Inklusion

      Liebe Herr Sobchak,

      wir haben da gar keine Dissenz. Meine letzten Ausführungen bezogen sich im Wesentlichen auf Inklusionsbestrebungen am Arbeitsplatz. Und da finde ich, geht schon jetzt mehr, als man so meint.

      Dass wir für unser Bildungssystem insgesamt viel zu wenig ausgeben, ja, da bin ich auch dieser Meinung. Ein Land ohne Rohstoffe sollte so nicht mit dem Nachwuchs umgehen. Das Sparprogramm trifft ja nicht nur die Lehrer, auch von den Eltern wird zunehmend mehr verlangt. Wenn ich bedenke, dass ich das Gymnasium noch komplett alleine bewältigen konnte, dann sehe ich heute, dass da deutlich mehr elterlicher Einsatz normal zu sein scheint, wenn nicht sogar notwendig.

      Politiker sind aber sehr geschickt darin, verschiedene Gruppeninteressen gegeneinander auszuspielen. Mehr Geld für Behinderte: was soll aus unseren "normalen" Kindern werden? Geld für Hochbegabtenförderung: wir haben doch schon die individuelle Förderung, da braucht man das nicht. Schulbegleiter für Autisten: da wird es doch viel zu voll im Klassenzimer. Alle müssten sich engagieren. Lehrer und Eltern gemeinsam.

      Gruß
      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: Inklusion

      "UBI" schrieb:

      Liebe Herr Sobchak,

      wir haben da gar keine Dissenz. Meine letzten Ausführungen bezogen sich im Wesentlichen auf Inklusionsbestrebungen am Arbeitsplatz. Und da finde ich, geht schon jetzt mehr, als man so meint.

      OK! Da können Sie mal sehen, wie sehr die schulische Entwicklung mich sorgt, so dass ich Ihren Beitrag tatsächlich und fälschlicherweise hauptsächlich mit schulischem Bezug gelesen habe. Bitte sehen Sie mir das nach! Ich arbeite im Gegenzug auch an meiner Lesekompetenz ;)

      "UBI" schrieb:

      Alle müssten sich engagieren. Lehrer und Eltern gemeinsam.

      Hier sind wir völlig d'accord und hoffe, auch wenn es nicht positiv aussieht, dass da "noch was geht!"
    • Re: Inklusion

      Hier sind wir völlig d'accord und hoffe, auch wenn es nicht positiv aussieht, dass da "noch was geht!"


      Da wäre es wichtig, Schulen in der Öffentlichkeit bekannter zu machen, die Inklusion bereits jetzt leben. Und genau zu listen, warum die das leben können, sowohl, was finanzielle als auch räumliche Ausstattung angeht. Denn nur theoretisch kann sich das niemand vorstellen. Und dann kann man ja mal politisch daran arbeiten, dass diese Ressourcen auch kommen.

      Gruß

      Ubi
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Inklusion : Ich kann es nicht !

      Also dass ich es nicht kann, ist natürlich weiter kein Problem. ;)
      Aber wenn ich in den LF lese, wie Inklusion "von oben" personell und materiell (nicht) unterfüttert wird, dann würde mir das Sorgen machen.
      Wenn ich ein "inklusives" Kind hätte sowieso, aber auch sonst muss man wohl zukünftig den Schulen genau auf den Zahn fühlen, bevor man sein Kind irgendwo anmeldet.
      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.lehrerforen.de/index.php?page=Thread&threadID=32897&pageNo=1">http://www.lehrerforen.de/index.php?pag ... 7&pageNo=1</a><!-- m -->

      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Re: Inklusion : Ich kann es nicht !

      Mit der Inklusion ist es ein Elend, finde ich.....Ich habe kein Inklusionskind, aber ein Kind, was Integrativkind war- unsere Mittlere ist Asperger Autistin und lief von Klasse 5 bis 6 als Integrationskind in einer Klasse. Eines von Fünfen. Mit Beginn von Klasse 7 wurde ihr der I-Status aber sozusagen "aberkannt", weil die Schule der Meinung war- sie ist eigentlich kein I-Kind (mehr).
      Bei ihr war nicht der Schulstoff das Problem, sondern das Drumherum in der Schule....

      Und- eigentlich war sie auch mal Inklusionskind, sie wurde nämlich "unter Vorbehalt" in die Regelgrundschule eingeschult, aber nur, weil es für sie keine passende Förderschule gab. Für die Förderschule E war sie nicht autistisch genug, für die Förderschule L zu intelligent...aber irgendwo musste das Kind ja hin.
      Sie hatte das Glück, an eine Lehrerin zu geraten, die ihre Klasse immer gut im Blick und im Griff hatte, außerdem war die Klasse sehr klein (16 Kinder) und überaus pflegeleicht. So kam sie ohne zusätzliche "sonderpädagogische Förderung" zurecht. Aber in einer normal großen Grundschulklasse wäre sie wohl heillos überfordert gewesen....

      Ab Klasse 5 wurde es dann wieder schwierig- von den weiterführenden Schulen wollte nur die Hauptschule sie aufnehmen, sowohl Gym als auch Realschule lehnten ab- auf solche Schüler sei man nicht eingestellt. Und es ist schon besser, auf gewisse Eigenheiten des Schülers hinzuweisen, wenn man ahnt- es wird sonst schnell zu Irritationen kommen. Tochter verstand damals oft nicht, wenn jemand eine Redewendung verwendete und nahm diese wörtlich. So sagte die Musiklehrerin der Grundschule mal zu ihr- "Du bringst mich auf die Palme!" und Tochter erklärte ernsthaft: "Nein. Wir haben keine Palme im Klassenraum, und ich sitze die ganze Zeit hier auf meinem Stuhl." Was die Musiklehrerin für eine absolut unverschämte Antwort hielt- während meine Tochter die Aufregung der Musiklehrerin nicht verstand.....

      Also versuchten wir gar nicht erst, da irgendwas durchzuboxen und beschlossen: 1. Wahl IGS als I-Kind in einer I-Klasse, klappt das nicht, wirds die Hauptschule.

      Zumindest die hiesige REalschule "macht" eher wenig in Richtung Binnendifferenzierung....für die schwächeren Schüler gilt - wenn Du das nicht kapierst, bist Du wohl auf der falschen Schule- für die ganz starken Schüler gilt bei Langeweile durch ständige Unterforderung sinngemäß: Langweile Dich unauffällig oder wechsele die Schulform.

      Und wenn an so eine Schule nun holterdipolter die Anforderung gestellt wird- nun inkludiert mal!- denke ich, das wird ein ziemliches Chaos geben.

      Zudem finde die Klagen und Beschwerden von Lehrer, sie seien hierfür nicht ausgebildet, völlig berechtigt. Und diese 2 Stunden pro Kind und Woche für den GU, wie es hier in Niedersachsen vorgesehen ist, halte ich für einen Witz!

      Ich bin ziemlich egoistisch und hoffe für meine Mittlere, daß an ihrer Schule das erprobte und über etliche Jahrgänge eingeübte Integrationskonzept zumindest solange beibehalten wird, bis sie die Schule verlässt. Dadurch, daß man kurzerhand "Alle sind gleich" erklärt, daraus schlußfolgert, daß auch alle Schüler das gleiche lernen können - im gleichen Schwierigkeitsgrad und in der gleichen Zeit!- werden ja die Kinder nicht plötzlich von Zauberhand "anders".....
    • Re: Inklusion : Ich kann es nicht !

      "Sasapi" schrieb:

      Und diese 2 Stunden pro Kind und Woche für den GU, wie es hier in Niedersachsen vorgesehen ist, halte ich für einen Witz!

      Und jeder mag für da sich abschätzen, ob aus dieser grandiosen "Überbesetzung" künftig die personelle Ausfall-Reserve rekrutiert wird oder nicht.
      Also nach meiner subjektiven Einschätzung kommt bisher jegliches "Zusatzangebot", einschließlich bisherigem "Förderplanunterricht", auf weniger als 50% des Solls.

      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Re: Inklusion : Ich kann es nicht !

      Gibt es im LF eigentlich einen Gastzugang? :wink:
      Ich verfolge den dortigen Thread nämlich weiter - und hätte eine Anmerkung zum Wortwechsel zwischen zwei Usern. Es geht da um einen Schüler, der mit I-Helfer eine Grundschule besucht, speziellen Förderbedarf hat, aber keinen sonderpädagogischen Förderbedarf.

      Tochter galt bis zum Wegfall des I-Status ebenfalls als "von seelischer Behinderung bedroht", aber auch bei ihr wurde expliziert kein sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert. Eben weil sie durch alle Raster fiel....Nun fand sie - Glücksfall und vermutlich auch pädagogisches Geschick ihrer Grundschullehrerin- Bedingungen vor, die es ihr ermöglichten, dem Schulunterricht ohne I-Helfer beizuwohnen. Die Lehrerin sorgte für Ruhe in der Klasse, gab stets knappe klare Anweisungen, war für die Kinder absolut berechenbar - das ist in Ordnung, das ist nicht in Ordnung, und das ist an jedem Tag der Woche so.....die Klasse war sehr klein, die Schule war sehr klein, außerdem gleich nebenan und insofern "vertrautes Gebiet".

      Wäre diese Tochter in die Grundschule eingeschult worden, die auch die Große besuchte - Grundschule mit großer Schülerklientel aus Brennpunktviertel, 30 Schüler, davon etwa ein Viertel mit irgendwelchen Auffälligkeiten, die das Unterrichten und das unterrichtet werden nicht erleichtern- dann wäre sie zwar nicht zum Angriff übergegangen, hätte sich aber vermutlich unter den Tisch bzw. den Stuhl gesetzt, die Finger in die Ohren gesteckt und wäre erst wieder hervor gekommen, wenn sie zur Ruhe gekommen wäre. Weniger gefährlich für Lehrer und Mitschüler, aber Schüler unterm Tisch hervor zu locken gehört ja nicht gerade zu den Hauptaufgaben des Lehrkörpers...so lief es nämlich bei ihrem ersten Versuch in der Integrationsgruppe eines Kindergartens mit sog. offenen Konzept....

      Und es ist wirklich so- hat das Kind einen I-Helfer, und Schule, Schüler sowie Eltern sind der Meinung, die Sache läuft zufriedenstellend, ist es ratsam, diese Tatsache nicht an irgendwelche amtlichen Stellen weiterzugeben. Oder das Kind bei Berichten "auffälliger zu machen, als es ist". Sonst ist man nämlich den I-Helfer ganz fix wieder los- braucht man ja nicht mehr. Dann bleibt nur noch, ihn komplett aus eigener Tasche zu bezahlen....
    • Re: Inklusion

      Ich sehe es ja auch so- man sollte - gerade als Eltern!- sich doch mal überlegen, warum jemand Lehrer oder Lehrerin an einer bestimmten Schulform wird? Ich meine, soweit ich weiß, gibt es verschiedene Studiengänge- für Grund- und Hauptschule, für Realschule und für Gymnasien.
      Wenn sich nun jemand für die Realschule entscheidet- dort 10 Jahre Lehrer ist- und dann wird von ihm erwartet, er möge Aufgaben übernehmen, die mindestens in den Bereich "Heilpädagogik" fallen? Geht auch nur drum, Kinder was bei zu bringen. Haste ja gelernt. Nun mach mal!

      Das wäre genau das Gleiche, als würde man von mir ( ich hab vor meinem Studium mal Rechtsanwalts- und Notargehilfin gelernt) erwarten, ich möge mal eben eigenständig Mandanten vertreten vor Gericht. Weil die Anwälte ausgegangen sind, ReNo-Gehilfen als Vertreter vor Gericht günstiger sind oder warum auch immer. Schließlich hab ich in der Ausbildung gelernt, wenigstens zu erahnen, welches Gesetz wofür zuständig sein könnte, wie man den entsprechenden Paragraphen nachschlägt, und das Entschlüsseln von umständlichen Gesetzestexten gelingt mir meistens auch. Alles nur Recht. Also bitte, mach mal...Kann ja nicht so schwer sein. Für simple "Apfelbaum ragt über Gartenzaun"- Geschichten oder eine 08/15 Scheidung wirds schon reichen.....
      Es gibt zwar den Spruch: "Der Anwalt denkt, die ReNo lenkt"- aber die potentiellen Mandanten würden sich zu Recht beklagen. Und zwar lautstark. :lol:
    • Re: Inklusion : Ich kann es nicht !

      Ja...hätte ich auch ganz nett gefunden :)

      Aber, wie dem auch sei, vielleicht liest ja doch jemand aus dem Lehrerforum mit:

      Ich kann die angedachte Inklusionsgeschichte nur aus meiner persönlichen Sicht als Mutter beurteilen.
      Als in Niedersachsen der GU ins Rollen kam, war ich noch Schulelternvertreterin für unsere hiesige Grundschule- die Mittlere hatte die Schule da schon verlassen, unsere Jüngste war noch dort.
      Und- ich hatte nicht das Gefühl, daß der GU den Kindern so hilft, wie es sein sollte. Ich durfte mehrfach bei einer Stunde dabei sein; die anreisende Sonderpädagogin hatte den Eltern eines Jungen die Förderschule empfohlen ( war damals noch so; wenn der GU nicht ausreichte, wurde versucht, im Einvernehmen mit den Eltern das Kind auf die Förderschule umzuschulen). Die Eltern waren aber strikt dagegen, hatten die Elternvertreterin ihrer Klasse eingeschaltet, die konnten aber nicht recht miteinander, und da ich die Eltern und den Jungen schon sehr lange kannte ( er war so alt wie meine Mittlere, wurde aber ein Jahr verspätet eingeschult und wiederholte damals gerade die 3. Klasse) bat die Mutter ( und mittlerweile auch die Rektorin ) mich darum, doch mal dabei zu sein. Als unabhängiger Schiedsrichter sozusagen.
      Das Problem war- die Eltern erwarteten von der Sonderpädagogin, daß sie den Schulstoff mit dem Jungen quasi "nachpaukte" und nicht "rumspielte" während der Stunden. Das bringt ja nichts, ist ja kein "Lernen", befanden die Eltern. Bis zum Ende von Klasse 4 meiner Jüngsten waren an der hiesigen Grundschule vier Kinder im GU.
      Alle vier wechselten hinterher an die Förderschule- Schwerpunkt Lernen. Der GU hatte also das Problem nicht behoben, sondern nur "verschoben".
      Der oben erwähnte Junge besucht mittlerweile die Hauptschule - ebenfalls mit GU- und wiederholt ab dem kommenden Schuljahr die 6.te Klasse. Er ist jetzt 14. Und- in seiner jetzigen Klasse sitzen lediglich 12 Kinder ( die Hauptschule hier beginnt mit einstelligen Schülerzahlen in Klasse 5, und über die Jahre werden es dann mehr. In Klasse 10 sind es meist 2 Klassen, allerdings mit max. 20 Schülern.). Also eigentlich sehr gute Bedingungen...nur- wenn jetzt nicht auf wundersame Weise der Knoten noch platzt, dann wird es darauf hinauslaufen, daß der Junge irgendwann seine Schulpflicht soweit erfüllt hat und die Schule ohne Abschluß verlässt. Er bekommt in fast allen Fächern dauerhaft Nachhilfe, trotzdem ist kein Fach ( außer die eher praktischen Fächer wie Werken, Hauswirtschaft, Sport, Musik) besser als 5.
      Ich kenne die hiesige Hauptschule, die Lehrer dort, sehr gut. Auch die Arbeitsweise. Und ich weiß, daß diese Lehrer sich für ihre Schüler wirklich Beine ausreißen- was die reine Wissensvermittlung, aber auch die soziale Kompetenz angeht.
      Aber dieser Junge wäre an einer Förderschule sicher besser aufgehoben.

      Ich kenne etliche Lehrer, die sich eine langes gemeinsames Lernen stark machen. Die Schule meiner Mittleren sieht sich als Schule für alle Kinder, und das setzt sie auch gut um. Nichts desto trotz gibt es auch hier Kinder, die - nachdem sie 1, 2 Jahre Integrationskinder waren- wieder zurück auf eine Förderschule gehen. Weil für sie die Bedingungen- kleinere Klasse und ständig zwei Lehrer im Unterricht- noch nicht ausreichen. Und die jetzige Integration bedeutet: Man trägt den besonderen Bedürfnissen der Integrationskinder Rechnung. Bei der Inklusion ist das ja eigentlich in Reinkultur gar nicht vorgesehen; da soll einfach jedes Kind nach seinen Bedürfnissen gefordert und gefördert werden....man zeige mir doch mal, wie das funktionieren soll. Ich bin Mutter von drei Töchtern; und als alle drei noch klein waren, ging es mitunter recht trubelig zu. Manchmal wars so hektisch, daß ich kaum noch wusste, was nun zuerst angesagt ist- also kümmert man sich ( Überleben im Chaos, halt) zuerst um die, die am lautesten schreit. Und hofft, daß es sich irgendwie schon wieder ausgleicht- kommt ja jede mal dran.
      Wenn es mir schon kaum gelingt, meinen drei Töchtern - bei 24 stündiger Daueranwesenheit!- gerecht zu werden....dann sollen Lehrer aber 28 oder gar 30 Kindern gleichzeitig so gerecht werden, daß sich keiner langweilt, aber auch niemand überfordert ist. Und bitte einen Unterricht, der mitreißt...damit die lieben Kleinen auch gerne und mit Spaß in die Schule gehen....nicht zu viel verlangen, aber auch nicht in Watte packen... jedes neue Themengebiet auf zig verschiedene Arten erklären und begreiflich machen, damit mit allen Sinnen gelernt wird...und, ach ja: Für jedes Kind des bestmöglichen Abschluß am Ende der Schulzeit.
      Ich weiß zwar nicht, wie das funktionieren soll, aber bitte.
      Also muß ein Lehrer eigentlich sowas sein wie eine "eierlegende Wollmilchsau". Frag mich nur, warum dann die Gehälter nicht wesentlich höher sind, als sie es eben sind. Um solche Multitaskingtalente müsste sich die Wirtschaft doch eigentlich reißen, da müsste der Staat doch eigentlich ordentlich finanzielle Anreize leisten, damit ihm solche Talente nicht nach dem Studium verlustig gehen?
      Nun zu unterstellen- die Inklusion klappt schon, wenn die Lehrer es nur genügend wollen- finde ich schon..naja. Obwohl, und das möchte ich betonen, ich keine Lehrerin bin! Wollte ich auch nie sein. Als sich das Schultor hinter mir zum letzten Mal schloß, ging ich bis zur Einschulung meiner Ältesten allen Schulen aus dem Weg. Ich denke, das war für alle evtl. Schüler und für mich eine sehr gute Entscheidung :D

      Ich halte das mir bekannte Integrationskonzept- wie ich es eben von meiner Mittleren her kenne, kleine Klasse, ständig ein Sonderpädagoge mit in der Klasse, ohnehin mehrere SozPäds für alle Schüler an der Schule- für gut. Zumindest bei meiner Mittleren hat es insofern funktioniert, daß sie seit Beginn von Klasse 7 kein Integrationskind mehr ist- ihr Problem war nicht das kognitive Lernen. Ihr Problem lag eher im Kommunikations/sozialen Bereich.
      Aber das sollte der Minimum-Standard sein. Wenn der nicht erreicht ist, dann hätte ich mein Kind lieber auf eine Förderschule geschickt ( obwohl das in ihrem Fall auch schwierig geworden wäre. Irgendwie passte sie ja nirgendwo hin).
      Mir waren Noten und Abschlüsse gerade bei ihr immer relativ "egal"- ich kann Tochter die Welt nicht so machen, daß sie ist, wie Tochter sie gerne hätte. Also, für sie völlig verständlich. Wir als Eltern können nur versuchen, ihr zu helfen, in dieser Welt, die für sie manchmal sehr unverständlich "tickt", so gut wie möglich klar zu kommen. Für sie war das soziale Lernen viel wichtiger. Und in diesem Punkt war und ist ihre Schule klasse. Wäre es aber an einen Punkt gekommen, wo sie völlig isoliert oder eher so als Mitläuferin angesehen worden wäre- hätten wir sie von der Schule genommen. Dazu kam es aber nie.
      Und was echte Freundschaften angeht- die gibt es, auch zwischen I-KIndern und Regelschülern. Wobei in der Klasse der Mittleren eher die Schüler sitzen, die an der Förderschule Lernen unterfordert, aber an einer Regelschule in einer normal großen Klasse überfordert gewesen wären. Meist entwickeln sich diese Freundschaften - die Herrschaften sind jetzt 14- über gemeinsame Interessen. So sind der Klassenprimus und ein I-Schüler Mitglied im gleichen Angelclub. Oder im Sportverein. Mag auch daran liegen, daß in dieser Klassenstufe die Schüler ohnehin schon sehr "eingekurst" sind, also nur noch in den Nebenfächern als Klassenverbund unterrichtet werden. Wenn dann die I-Kinder in "ihren Kurs" gehen, ist das genauso wie bei den anderen Mitschülern, die sich mehrmals täglich in anderer Konstellation zusammenfinden.

      Und bei einigen Beiträgen in den Threads zum Thema "Inklusion", da dachte ich schon- au wei. Ein bißchen sehr rosarot 8)
      Hoffentlich ist der Absturz dann nicht allzu heftig.
    • Re: Inklusion : Ich kann es nicht !

      Sasapi, der Grund, warum das LF inzwischen ein reines Lehrer(anwärter)forum ist, hat mit dem Elternverhalten vor ein paar Jahren zu tun, das war nicht immer so. Schade, aber jetzt ist es die Regel, die halt gilt. Zur gemeinsamen Diskussion gibt es ja dieses Forum.

      Ich werde aber nochmal Werbung für deinen Beitrag/ deine Beiträge machen, wenn's recht ist - vielleicht macht sich ja doch noch einer die Mühe, hier nochmal weiterzudiskutieren.
    • Re: Inklusion : Ich kann es nicht !

      Hallo Saspi,

      danke für deine ausführlichen Bericht. Ich finde es interessant das Thema aus Sichte eines betroffenen Elternpaares zu sehen. Ich habe bisher zwar noch keine Inklusionserfahrung, aber im Kollegium unterhalten wir uns natürlich über das Thema und stehen dem Thema im Moment noch skeptisch gegenüber.

      Ich habe follgende Bedenken:

      - Ich habe keine Ausbildung mit Kindern und Jugendlichen, die sonderpäd. Förderbedarf benötigen. Ich weiß nicht wie man Kinder mit einer Lernbehinderung ideal fördert oder wie Kinder mit Problemen im emotionalen Bereich. Um sie ideal zu fördern benötige ich aber auch Hintergrundwissen, warum sie diese Probleme haben und wie man sie fördert. Mit zusätzlichen Arbeitsblättern, die speziell auf diese Kinder zugeschnitten sind, ist es nicht getan.
      - Ich muss auf zentrale Prüfungen hin arbeiten. Bereits jetzt ist es teilweise sehr knapp den notwenigen Stoff zu vermitteln. Wie wird es sein, wenn Schüler mit Förderbedarf im Unterricht sitzen.
      - Wie wird es sein - wie du es auch angedeutet hast - wenn diese Kinder ständig Misserfolge aufweisen? Sind sie dann nicht demotiviert? Müssen sie die Schule dann ohne Abschluss verlassen? Wie gut ist dieser Abschluss dann?
      - Eine Grundschulkollegin (ich arbeite an einem Gymnasium) meinte, dass Kinder, die eine Förderschule besuchen / besuchten durchaus eine realistische Chance auf eine Ausbildungsplatz. Wie es um diese chancen besteht, wenn diese Schüler auf einem Gymnasium / einer Real- oder einer Hauptschule besuchen, bezweifelt sie.
      - Wie sieht es mit Mobbing aus?
      - Finden diese Kinder echte Freunde auf der entsprechenden Schule oder sind sie eher die Außenseiter?
      - Viele Kollegen (gerade die "Sprachler", die viel korrgieren müssen) haben oft keine Zeit extra Material für diese Schüler zu erstellen (wobei es damit nicht getan ist). Auch ich sehe bei mir zeitliche Probleme dieses zu bewerkstelligen.
    • Re: Inklusion : Ich kann es nicht !

      Ich fand diesen Text - aus Sicht eines Vaters - ganz interessant! <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.sprachbehinderungen.de/pdf/Inklusion-Vortrag-ergaenzte-Version-Landeselternschaft.pdf">http://www.sprachbehinderungen.de/pdf/I ... schaft.pdf</a><!-- m -->
      Dieser Vater kommt zu folgendem Ergebnis
      Die Antwort auf die oben gestellte Frage lautet also: Die allgemeine Einführung der inklusiven Regelschule ist auf lange Sicht eine Illusion.
      , welches er aus den Erfahrungen herleitet, die sein Sohn in inklusivem/integrativem und Förderschulunterricht gemacht hat.
    • Re: Inklusion

      Hallo Sasapi,

      danke für deine Beiträge aus Vatersicht.

      Ich bin Lehrer (Gym.) Zwar habe ich keine Erfahrung mit Inklusuion, aber ich möchte einmal aus Lehrersicht einige Bedenken äußern:

      - Ich habe keinerlei Ausbildung im Bereich Sonderpädagogik. _Um aber zu verstehen (!) warum ein Kind mit einer Lernbehinderung oder ein Kind mit Defiziten im emotionalen Bereich so und so verhält bzw. sich so und so verhält, benötige ich Fachwissen - auch um dieses Kind richtig fördern zu können. Es reicht eben nicht aus dem Kind ein auf ihn abgestimmtes Arbeitsblatt zu überreichen. Viele dieser Kinder benötigen eine deutlich intensivere Betreuung als meine anderen Schüler (davon habe ich vielleicht im Idealfall 20 in der Klasse). Entweder vernachlässige ich die "normalen" Kinder oder eben das Kind, das auf einer Förderschule besser aufgehoben wäre. Vermutlich kann ich beiden Schülergruppen nicht mehr so gerecht werden, wie ich es gerne möchte. Nicht umsonst gibt es spezielle Studiengänge für Sonderpädagogik (für die verschiedenen Förderschwerpunkte).
      Du hast das Beispiel der ReNo-Gehilfin genannt. Ein anderes Beispiel möchte ich ergänzend anführen: Wenn ich Zahnschmerzen habe, gehe ich zu meinem Zahnarzt, wenn ich am Blinddarm operiert werden muss, macht dies gewiss nicht mein Zahnarzt oder ein Veterinärmediziner.
      Soll ich alles können? Soll ich mir selbst alles beibringen?
      - Wenn mir nur für 2 Stunden in der Woche ein Förderschullehrer zur Verfügung gestellt wird - so wie du es schreibst und wie ich es von anderen Kollegen, die im Grundschulbereich tätig sind, gehört habe - reicht es defintiv nicht aus.
      - Ich muss meine Schüler auf zentrale Prüfungen vorbereiten. Schon jetzt muss man durch den Stoff hetzen, um alle Themengebiete, die geprüft werden, im Unterricht zu behandeln. Wenn mein Unterricht nun - wie im Lehrerforum durch einen User gut beschrieben - durch die Schüler mit Förderbedarf gestört und damit aufgehalten wird - wird die Zeit noch knapper. Damit ist niemandem geholfen.
      - Du hast auch sehr gut beschrieben, dass diese Kinder an einer Regelschule überfordert sein können und damit Frust schieben und die Schule im Extremfall ohne Abschluss verlassen. Eine Kollegin, die an einer Grundschule bereits Erfahrungen mit Inklusionschülern gesammelt hat, merkte an, dass Schüler auf der Förderschule druchaus realistische Chancen auf eine Ausbildungsplatz haben. Was geschieht mit diesen Schülern auf einer Regelschule, wo sie eben nicht so gute Chancen haben z.B. speziell auf sie zugeschnittene Praktika zu absolvieren oder entsprechende Noten zu erlangen.
      - Wie sieht es mit dem Problem Mobbing aus? Oft werden die Kinder gemobbt, die "anders" sind, schwächer sind, sich nicht so gut durchsetzen können etc.
      - Können diese Kinder auf einer Regelschule echte Freunde gewinnen?
      - Selbst wenn es mit einem extra auf diese Kinder zugeschnittenen Arbeitsblatt getan wäre: Es gibt genügend Kollegen, die ich kenne, die einfach keine Zeit haben dieses zu erstellen. [Korrekturen, Unterrichtsvorbereitung und sie möchten gewiss nicht nur für die Schule leben].
      - In einem Fernsehbericht habe ich gesehen, dass ein Schüler mit sonderpäd. Förderbedarf nicht nach dem gymnasialen Lehrplan unterrichtet wurde, sonder nach dem Förderschullehrplan. Soll ich mich auch noch in diesen einarbeiten und den Unterricht speziell für einen Schüler vorbereiten? Ich habe dafür keine Zeit und bin - wie bereits erwähnt - nicht für ausgebildet.
      - Schon jetzt gibt es Klassen, in denen verhaltensauffällige Schüler sitzen. Diese Stunden zehren an den Nerven. Die Interssierten leiden unter der Situation ... Wie wird es sein, wenn Kinder mit Förderbedarf im emotionalen Bereich in dieser Klasse sind (oder in anderen?).

      Ich sage: Inklusion geht zu Lasten aller Kinder.