Lernmethode: Streichung der Mittagspause

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    • Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Hallo an alle,
      mich würde ein mal interessieren, wie hierzu die Meinungen sind und ob dies überhaupt im erlaubtem Rahmen ist:

      ich habe eine Tochter in der 7. Klasse, welche auf eine Ganztagsschule geht. Schulanfang ist um kurz nach 8 bis 16.10 Uhr. Somit haben die Kinder auch eine 1-stündige Mittagspause, in der sie etwas Essen können.
      Die Klasse ist relativ unruhig, mit ein paar Ausnahmen. Als Maßnahme gibt es hier immer eine Kollektivbestrafung, sprich ist ein Teil der Klasse laut dürfen alle nachsitzen. Darüber kann man nun schon streiten, wenn das eigene KInd zu den ganz ruhigen gehört.
      Jetzt ist es Mode geworden, das den Kindern die Mittagspause gestrichen wird. Es wird den Kindern 15 Minuten gegeben, um in der Klasse zu erscheinen. Dort wird dann ein Straftext abgeschrieben. Wer ihn nicht schafft stellt diesen zu Hause fertig. Ehrlicherweise muss ich sagen, hört hier der Spaß bei mir auf. Auch für die Kinder ist dies ein anstrengender Tag und ich bin der Meinung, das ihnen genügend Zeit gegeben werden muss, um etwas zu essen. Das meine Tochter zu den (zu-) ruhigen gehört kommt noch dazu.

      Wie steht Ihr dazu, dies ist meiner Meinung nach ein Methode, die so gar nicht geht, oder?

      Gruß
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Hallo,

      tja, diese Frage stelle ich mir auch immer wieder. Einmal bekamen wir als Antwort, das die Lehrerin nicht genau mitbekommen hat, wer laut war. :?
      Dieses Vorgehen findet auch nur bei 2 Lehrerinnen statt, komischerweise. Bei anderen Lehrern ist die Klasse wohl auch ganz ruhig.
      In der Schule wird viel Wert auf Gruppenarbeit gelegt, dementsprechend ist auch die Tischaufteilung im Klassenraum. Und das es bei Gruppenarbeiten immer etwas lauter sein mag finde ich auch logisch.
      Ich habe auch nichts gegen "Strafarbeiten", wenn jmd. ständig den Unterricht stört. Auch meine Tochter weiß, das wenn sie mal dabei sein sollte auch dementsprechend die Konsequenzen tragen müsste. Mich stört allerdings die Vorgehensweise innerhalb der Mittagspause und das ständig die mit darunter leiden müssen, die sich ruhig verhalten, wie meine Tochter auch.
      Die Frage die sich mir stellt ist, ob das ganze auch überhaupt rechtens ist.
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Dass der Lehrerinn keine Detektivarbeit zugemutet werden kann, ist sicherlich klar. Allerdings sollte sie doch merken, wer stört :o
      Wenn die Klasse insgesamt zu unruhig ist, so dass wiederholt Unterricht nicht möglich ist, darf auch mal die ganze Klasse nacharbeiten.
      Welches Bundesland ist es denn?
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      NRW

      Eine Lehrerin sollte schon mitbekommen, wer da stört. Ist ja nicht so, als würde sie 45 Minuten lang der Klasse den Rücken zudrehen. Wenn ich früher gestört habe musste auch nur ich dafür grade stehen. Ich finde mit der Methode der Kollektivbestrafung macht es sich die Lehrerin einfach. Zu einfach.

      Mal komplett nachsitzen ist zudem die eine Seite. Dafür aber die Mittagspause, um die es mir vornehmlich geht, zu streichen, ist meiner Meinung nach eine andere.
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Geht gar nicht, denke ich. Schüler haben ein Recht auf Mittagspause, Lehrer auch. Dann muss die ganze Klasse halt an einem anderen Termin rein.
      "Schlimmes geschähe dir da, mein Bester, wenn du nach Athen gekommen, wo in ganz Hellas die größte Redefreiheit herrscht, dann hier als einziger an ihr nicht teilhaben solltest. Aber setze auch dagegen: wenn du weitläufig redest und nicht das Gefragte beantworten willst, dass auch mir Schlimmes geschähe, wenn ich nicht weggehen dürfte, ohne dich zu hören." (Platon, Gorgias)
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      "Leinwand" schrieb:

      warum lässt sie die Kinder nicht nach Vorankündigung bei den Eltern nachmittags länger in der Schule bleiben?


      Das hätte evt. etwas mit organisieren zu tun. Anscheinend problematisch. Ich finde es aber auch nicht gerecht, grundsätzlich alle nachsitzen zu lassen, nur weil einige Störenfriede sich nicht an die Regeln halten. Man kann doch nicht von den Mitschülern erwarten, das diese das durch Gespräche in den Griff bekommen, wenn es die Lehrerin schon nicht schafft.
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Genau auf diese Methode setzt man in der Klasse meiner Jüngsten auch. Da durfte die Klasse jetzt einmal gesammelt "nacharbeiten", anstatt eine AG zu besuchen. Ich hab noch keine Rückmeldung erhalten, ob sich schon etwas geändert hat.
      Generell gilt diese Klasse als laut und unruhig, bei einer Lehrerin ist aber wohl extrem....

      Es ist schon mal üblich, jemanden früher aus der Mittagspause zu holen, um einen Text als Strafarbeit abszuschreiben. Aber die ganze Klasse ....
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Einfache klare Antwort in NRW: es geht nicht.

      Laut SchulG NRW §53,1 gilt:
      Einwirkungen gegen mehrere Schülerinnen und Schüler sind nur zulässig, wenn das Fehlverhalten jeder oder jedem Einzelnen zuzurechnen ist.


      Ergo (und sorry für die Kollegin, aber sie müsste es ja eigentlich auch wissen): Kollektivstrafen sind also grundsätzlich erlaubt, es müssen aber wirklich ALLE Schüler beteiligt gewesen sein. Das ist hier scheinbar nicht der Fall. Also: nicht erlaubt.

      Zu den möglichen Strafen steht dort noch:
      (2) Zu den erzieherischen Einwirkungen gehören insbesondere das erzieherische Gespräch, die Ermahnung, Gruppengespräche mit Schülerinnen,
      Schülern und Eltern, die mündliche oder schriftliche Missbilligung des Fehlverhaltens, der Ausschluss von der laufenden Unterrichtsstunde, die
      Nacharbeit unter Aufsicht nach vorheriger Benachrichtigung der Eltern, [/b]die zeitweise Wegnahme von Gegenständen, Maßnahmen mit dem Ziel der
      Wiedergutmachung angerichteten Schadens und die Beauftragung mit Aufgaben, die geeignet sind, das Fehlverhalten zu verdeutlichen. Bei wie-
      derholtem Fehlverhalten soll eine schriftliche Information der Eltern erfolgen, damit die erzieherische Einwirkung der Schule vom Elternhaus unter-
      stützt werden kann. Bei besonders häufigem Fehlverhalten einer Schülerin oder eines Schülers oder gemeinschaftlichem Fehlverhalten der Klasse
      oder Lerngruppe soll den Ursachen für das Fehlverhalten in besonderer Weise nachgegangen werden.


      Ein Nacharbeiten / Nachsitzen ist also möglich. Allerdings würde ich dem Wortlaut nach darunter verstehen, dass das Kind NACH dem Unterricht nachsitzt. Nicht in einer Pause.
      Dazu (zur Pause) steht im Runderlass des Ministeriums zu den Ganztagsschulen und Angeboten noch folgendes:
      Für die Mittagspause, die Einnahme des Mittagessens und für Schüleraktivitäten in dieser Zeit im Schulgebäude oder im Außen-
      bereich sichert die Schule die Aufsicht durch Lehrkräfte bzw. andere Fachkräfte. Betreuungs- und Aufsichtszeiten, die von Lehrkräften
      im Rahmen des Ganztagszuschlags während der Mittagspause, z. B. in Mensen, Cafeterien, auf dem Schulgelände oder in Trainings-
      räumen, durchgeführt werden, werden zur Hälfte auf die Unterrichtsverpflichtung angerechnet. Die Mittagspause darf 60 Minuten
      nicht unterschreiten.

      Auch dank dieser Aussage bewegt sich die Lehrerin meiner Meinung nach auf dünnem Eis. Denn sie sorgt durch die Strafe für eine Unterschreitung der Mittagspause. Dies wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit demnach sogar undenkbar, wenn es sich nur um die Bestrafung einzelner Schüler handelt.

      Abgesehen davon ist es in meinem Augen unsinnig, den Schülern die Mittagspause und das regenerieren zu stehlen. Denn dann werden sie sich im Nachmittagsbereich auch nicht besser konzentrieren und Benehmen können.

      Wie gesagt: "Sorry" an die Lehrerin.

      kl. gr. Frosch
      Free Tibet
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      "oh-ein-papa" schrieb:

      Ich würde nach dem dahinter stehenden "pädagogischen Konzept" fragen.
      Ob denn die Lehrerin das kurz auf einer Seite zusammenfassen könnte.
      Damit es in das Schulprogramm aufgenommen werden kann.

      - Martin


      das dürfte schnell geklärt sein: den durch die Störungen versäumten Unterrichtsstoff nachholen.
      Und wenn die ganze Klasse häufig dermaßen unruhig ist, dass kein Einzelner ausgemacht werden kann, müsen eben alle oder viele ran.
      Natürlich nicht ständig !
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Kann schon sein.
      Ich möchte aber, dass "häufige kollektive Streichung der Mittagspause für Nacharbeit" in das pädagogische Konzept der Schule aufgenommen wird.
      Vermutlich müßte ich den Schulleiter erst massiv dazu drängen. :twisted:

      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Hallo,

      erst mal danke für Eure zahlreichen Antworten. Der ein oder andere Beitrag war da schon sehr hilfreich. Die Androhung, die gestrige Mittagspause wieder zur Strafarbeit zu nutzen, wurde dieses mal nicht durchgeführt. Ich werde mir das Spielchen jetzt erst mal weiter anschauen und mir, falls es erneut zur Streichung einer Mittagspause kommen sollte, einen Gesprächstermin in der Schule besorgen.

      Lieben Gruß an alle
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      "Leinwand" schrieb:

      Dass der Lehrerin keine Detektivarbeit zugemutet werden kann, ist sicherlich klar.

      Genau das wird ihr aber mit der Untersagung der "Kollektivstrafe" zugemutet. Es ist eben doch nicht immer sooo einfach, sofort jedes Fehlverhalten individuell zuzuordnen.
      Ich bin kein Fan der "Kollektivstrafe", aber ins Repertoire sollte sie m.E. gehören. Schülerinnen und Schüler, die in 12 Jahren Schulen gelernt haben, dass sie nur Verantwortung für das tragen, was sie selbst verursachen, werden sich im weiteren Leben über Versicherungsbeiträge, Steuern, Reaktionen auf Deutsche im Urlaub u.v.a. wundern. Aber vielleicht würde es sich ja schon lohnen, statt des Begriffs "Kollektivstrafe" das Wort "Solidaritätszuschlag" zu benutzen... 8)
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      "kleiner gruener Frosch" schrieb:

      Nur: was haben die anderen Schüler damit zu tun.
      Du wirst doch auch nicht bestraft, nur weil du dich in der Bank aufgehalten hat, als sie gerade überfallen wurde. Oder doch?

      kl. gr. Frosch

      Insoweit das Ergreifen der Täter öffentliche Gelder kostet: Doch, klar. Ich muss noch nicht mal anwesend gewesen sein.
    • Re: Lernmethode: Streichung der Mittagspause

      Erstaunlich, wie selbstverständlich von Eltern angenommen wird, dass ihr Kind schon nicht zu den Störern gehörte! Immer mit der Begründung, dass das Kind im häuslichen Umfeld schließlich auch ein eher "ruhiger Geselle" sei. Blauäugig auch, davon auszugehen, dass Kinder ihren Eltern immer "die Wahrheit" über schulische Vorkommnisse erzählen. (Evt. die subjektiv wahrgenommene Wahrheit des Kindes – ich will mitnichten alle Kinder als Lügner darstellen – die aber eben von den tatsächlichen Vorgängen weit entfernt sein kann.)
      Jedenfalls erscheint es mir als höchst fragwürdig, aufgrund der subjektiven Eindrücke eines Kindes, darauf zu schließen, die Lehrerin hätte einen Fehler oder gar etwas Illegales getan.
    • Erdrückung oder Erziehung ?

      Es ist doch das einzig Vernünftige, was man gegen so einen Unsinn von Schule noch tun kann: wenigstens stören!
      Schulen haben keinerlei gesetzlichen Auftrag für Erpressung und Nötigung. Diese sind durch nichts gerechtfertigt. Pädagogik ist Kinderführung, nicht Kinderunterwerfung. ErZIEHung gehört nicht zur Wortfamilie "drücken"; wer mit Druck erzieht, ist kein ErZIEHer sondern ein ErDRÜCKer.
      Und wenn einem Kinder das durch ihr Verhalten spiegeln, dann ist es ein grobes Vergehen und Fahrlässigkeit, die Warnzeichen mit "Pädagogik" plattzuwalzen.
      Als Ich-kann-Schule-Lehrer beklage ich, dass wir vielerorts Schulen zu Unterrichtsvollzugsanstalten herabpädagogisiert haben. Es wird nur noch geschaut, ob es nach dem Papier stimmt; die wirkliche Wirklichkeit wird ausgeklammert und verdrängt.
      DRUCK komprimiert Problem und Mensch; das ist das exakte Gegenteil von Lösung. Wenn wir mit DRUCK scheitern, machen wir aber noch mehr DRUCK und scheitern in der Folge noch mehr. Erregt sind wir dann nicht über unsere eigene Sturheit und Dummheit sondern darüber, dass sich die Kinder nicht unterworfen und nicht eingefügt und nicht richtig mitgemacht haben. So machen wir die Probleme immer größer und noch größer und schuld sind immer die anderen.
      In der neuen Ich-kann-Schule gilt das SOG-Prinzip. Sog löst, Sog richtet auf, Sog macht wachsen, mit Sog kann man die Kräfte punktgenau lenken.
      Wir haben die Möglichkeit, die bekannten Fehler weiter zu perfektionieren oder umzukehren und zu lernen. Da die Lehrer in der Krankheitsstatistik schon ganz oben an der Spitze sind, wäre die zweite Möglichkeit womöglich überlegenswert. Ich wünsche guten Erfolg.
      Franz Josef Neffe
      Franz Josef Neffe
      Immer wenn ich nichts im Kopf habe, ist die Gefahr besonders groß, dass mir was einfällt.