Hallo Unag,
mal vorab: Ich bin Jahrgang 69, im Westen aufgewachsen, war mit 16 im Rahmen einer Klassenfahrt nach Berlin mal einen Tag in Ost-Berlin, fands merkwürdig, irgendwie anders, fremd. Ich habe 1990 bei einer großen deutschen Telefongesellschaft gearbeitet, damals waren wir noch Behörde

und wurde als junge Angestellte für ein halbes Jahr nach Rostock geschickt. Ich sollte die ostdeutschen Kollegen- und genauso hab ich es auch empfunden, das waren meine Kollegen- auf das Computersystem schulen, was wir schon jahrelang hatte. Ich hab in der Auskunft gearbeitet, wir tippten in den Computer, sie blätterten noch in Telefonbüchern- und das war der einzige Unterschied. Wir stöhnten über die manchmal begriffstutzigen ollen Ostfriesen, die der Ansicht waren, man säße im örtlichen Postamt, und allen Ernstes verlangten, man möge ihnen doch die Telefonnummern des örtlichen Viehkaufmanns geben, Name unbekannt, aber egal, es gibt ja nur einen ( ich darf das schreiben, ich bin selber Ostfriesin!

). Und die ostdeutschen Kollegen stöhnten über die Sachsen- die scheinen das ostdeutsche Pendant dazu gewesen zu sein....
Ich hätte mir gewünscht, man hätte die Chance genutzt, und geguckt, was kann man aus der DDR übernehmen ( ich hätte mir zum Beispiel ein gescheites Betreuungskonzept für meine Töchter gewünscht, anstatt mit einem Kindergartenplatz ab 3 - und dann nur für 3 Stunden!- rumzuhampeln. Dann sähe mein Lebenslauf wahrscheinlich weniger kunterbunt aus...und Tagesmütter waren hier entweder vergriffen, insdiskutabel oder unbezahlbar...). Ebenso hätte man - wenn sowieso schon soviel Kuddelmuddel gibt und so vieles zu regeln, das wäre ja kein großer Aufwand gewesen- durchaus gucken können, was machen wir mit dem Schulsystem? Aber- da ja schon vorher jedes Bundesland in Punkto Schule sein eigenes Süppchen gekocht hat, wäre das völlig illusorisch gewesen...
So hab ich immer das Gefühl, man hat die BRD der DDR "übergedeckelt". Ich denke, hier war vorher nicht alles so golden- und drüben wird auch nicht immer alles furchtbar gewesen sein.
Aber- da zu den politischen Zielen der SED auch die Mauer gehört hat, kann man nicht sagen, ihre theoretischen Ziele wären nicht die schlechtesten gewesen. Jeder Mensch auf der Welt sollte dorthin gehen können, wo er mag. Und- dann muß ich meine Bürger nicht einsperren- oder die anderen aussperren, je nach Sichtweise....