Junglehrer nur unzureichend auf Schulalltag vorbereitet

    • Junglehrer nur unzureichend auf Schulalltag vorbereitet

      "SPON" schrieb:

      Besonders unzufrieden sind dabei die Junglehrer, also jene, die seit weniger als fünf Jahren unterrichten. Auf die Frage: "Worauf hat Sie Ihr Studium nur unzureichend vorbereitet?" sagten demnach jeweils rund 40 Prozent: auf Schüler, Eltern und auf den Schulalltag generell. Nur jeder fünfte gab bei der Frage die Vermittlung des Stoffes an.


      Quelle: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,829264,00.html">http://www.spiegel.de/unispiegel/jobund ... 64,00.html</a><!-- m -->
      Jeder nach seinen Möglichkeiten!
    • Re: Junglehrer nur unzureichend auf Schulalltag vorbereitet

      Wie sieht denn so ein Lehrerstudium aus? Lernen die Studenten nur ihre Fachgebiete oder gibt es auch so eine Art "Pädagogiktraining"?

      Ich denke mal, das Lehrersein ist schon schwieriger geworden.
      Eltern mischen sich immer mehr ein - wir sind alle selbst mal zur Schule gegangen und glauben deshalb, mitreden zu können - Noten werden heute viel wichtiger genommen als früher, die Kinder haben sich auch verändert, meine Eltern sind wesentlich strenger erzogen worden als ich. Und wenn man mal am Nachmittag den Fernseher mal einschaltet, könnte man meinen, es gibt nur noch Problemfamilien (und schaltet besser schnell wieder ab...).
    • Re: Junglehrer nur unzureichend auf Schulalltag vorbereitet

      Also, ich bin ja nun kein Junglehrer mehr. Ich weiß, dass beim jetzigen Studium das Ganze modularisiert ist, was in der Praxis zu einer unglaublichen Fülle an zusammenhangslosen Einzelveranstaltungen, die in bestimmten Reihenfolgen unter relativ hohem Zeitdruck abgearbeitet werden müssen, führt, - und unsere Referendare sagen, sie haben alles ein bisschen und nix richtig gelernt - Pädagogik, Didaktik, Fachwissenschaft, ein Minibisschen Praxis. Nichts ist richtig vernetzt oder mal in Ruhe zu Ende gedacht, für nix ist richtig Zeit, alles muss vor allem schnell gehen.
      Das war bei mir nicht so. Ich hatte einen relativ weit gesteckten Rahmen und konnte Interessenschwerpunkte setzen, und eine zweijährige Praxisunterbrechung in England war auch kein Problem - die sich dann übrigens als der wichtigste Teil des Studiums herausstellte.
      Die Referendare berichten uns genau das - alle praxisrelevanten Sachen - Gesprächsführung, Konfliktbearbeitung, Zeitmanagement, Langzeitplanungen, Unterrichtsreihen (nicht Einzelstunden!), Klausurkorrekturen, Notengebung etc - haben sie " mal gehört" aber nie wirklich in Ruhe gemacht. Stattdessen ganz viel Zeug, das im Alltag nur sehr marginal wichtig ist: "die Reformpädagogik nach 1945" ... Usw.
    • Re: Junglehrer nur unzureichend auf Schulalltag vorbereitet

      Sehe ich auch so. Ich hatte mir ja einiges von der engeren Verzahnung der universitären Ausbildung mit der praktischen Arbeit an den Schulen erhofft, denn ich glaube, dass der Lehrerberuf ein handwerklich praktischer Beruf ist. Leider ist das wohl nicht eingetreten.

      Ich halte die Hoffnung, dass man sich auf theoretischem Wege auf praktische Problemfelder vorbereiten könne, für reichlich naiv. Wie mit komplex strukturierten Lerngruppen pädagogisch sinnvoll umgegangen werden kann, lernt man nicht, indem man für ein Proseminar Bücher liest und Klausuren schreibt. Auch nicht, wie man konfliktarm unangenehme Leistungsbewertungen abgibt, schwierige Elterngespräche führt oder kollegial reibungsarm mit einem Kollegium voller kantiger Persönlichkeiten klarkommt. Und erst recht nicht, wie man eine Unterrichtsreihe so plant, dass einerseits der Lehrplan erfüllt wird, andererseits das Klausurtiming hinkommt, drittens die Schüler tatsächlich etwas lernen und idealerweise noch Zeit für die Bedürfnisse übrigbleibt, die sich aus dem Unterrichtsleben heraus ergeben!

      Sowas lernt man nur durch Praxis - und zwar am besten in einem langsamen, möglichst unhektischen Lernprozess, der einem die nötige Zeit lässt, seinen eigenen Weg und seine eigene Position zu finden. Curricular verdichtete und modular zeitlich und inhaltlich gedrängte Bildungsgänge sind dafür vollständig ungeeignet.

      Was soll man sagen? Anfänger bauen viel Murks, das ist ganz normal. Was sie brauchen, ist ein Kollegium und sind Dienstvorgesetzte, die erst einmal hinter und vor ihnen stehen, sie bei der Hand nehmen, ihnen Sicherheit verschaffen, sich zu entwickeln, und sie in aller Ruhe zu Kollegen aufbauen, die in der Alltagsarbeit ihr volles Gewicht und mehr ziehen.
      Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too? - Douglas Adams
    • Re: Junglehrer nur unzureichend auf Schulalltag vorbereitet

      Das hast du schön geschrieben, das wär ja was, wenn die Anfänger (am besten in jedem Beruf) erst mal an die Hand genommen, unterstützt und - falls nötig - ein bisschen angeleitet würden!
      Oft denke ich aber auch, manch älterer Lehrer könnte sich bei dem ein oder anderen jungen was abgucken.
      Eine Hand wäscht die andere - aber wo gibt's das schon.