Der „Schultrojaner“ steht unter Beschuss

    • Der „Schultrojaner“ steht unter Beschuss

      Der geplante Einsatz einer Software zum Aufspüren von illegalen digitalen Buchkopien auf Schulrechnern stößt auf heftige Kritik. Die Schulbuchverlage teilen datenschutzrechtliche Bedenken nicht.
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      In einer am Montag auf netzpolitik.org veröffentlichten Vereinbarung zwischen den Ländern und den Schulbuchverlagen heißt es: „Die Verlage stellen den Schulaufwandsträgern sowie den kommunalen und privaten Schulträgern auf eigene Kosten eine Plagiatssoftware zur Verfügung, mit welcher digitale Kopien von für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werken auf Speichersystemen identifiziert werden können.“ Jährlich solle mindestens ein Prozent der öffentlichen Schulen überprüft werden. Voraussetzung ist „die technische und datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit der Software“.
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      Zudem sei der in der Debatte gebrauchte Begriff „Schultrojaner“ irreführend, da es sich „keinesfalls um eine heimliche Überprüfung“ handele. Viele Schulen seien bereits informiert worden.

      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.focus.de/schule/schule/medien/kommunikation/schulbuchverlage-planen-plagiatssoftware-der-schultrojaner-steht-unter-beschuss_aid_680260.html">http://www.focus.de/schule/schule/medie ... 80260.html</a><!-- m -->

      Man merkt an den begrifflichen Nebelkerzen doch gleich, dass sich da wortgewaltige Deutsch-Oberstudienräte mit wortgewaltigen Schulbuch-Verlegern duellieren.
      Eine "Plagiatssoftware" würde doch nach Plagiaten suchen und nicht nach RAUBKOPIEN.
      Und ein "Trojaner" würde kein Lizenzaudit durchführen sondern die Lehrernotizen an die Eltern senden.


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Re: Der „Schultrojaner“ steht unter Beschuss

      Ich bin ab sofort echt wieder für diese Dinger, die nach Alkohol riechen. Wenn du den ganzen neuen Medienzirkus mitmachst, womöglich noch so, dass es Sinn macht, bist du ja ständig mit eiem Bein im Knast. Ob man solche Matritzengeräte auf dem Flohmarkt noch findet? Spiritus hab ich noch von Sylvester... :twisted:
    • Re: Der „Schultrojaner“ steht unter Beschuss

      In der Sache finde ich die Sache eigentlich nicht allzu dramatisch.
      Jeder Arbeitgeber sollte Vorkehrungen treffen, dass er lizenzrechtlich sauber da steht.
      Dann macht man einen "Probelauf" und beseitigt unauffällig berechtigte Fundstellen.
      Und penetrante Rechtsverletzer müssen natürlich disziplinarisch belangt werden.
      Die Kultusbürokratie ist sicher glücklich gewesen, so eine Software kostenfrei gestellt zu bekommen.

      Dass technische Laien sich allerlei Quatsch über die Fähigkeiten einer solchen Software zusammenreimen gehört halt dazu.
      Ich würde Bauklötze staunen, wenn eine Software den Text in allen Scanbildern auf einem Server liest und daraus ermittelt, wie viele Seiten von welchem Buch dort zu Recht oder zu Unrecht liegen.

      Nur dürfte das hier wohl der maximale Public-Relations-GAU für den Verband der Schulbuchverlage sein.
      Da hat die Verschleierung ein Jahr lang so schön funktioniert.
      Und nun geht das Ding ausgerechnet hoch, nachdem der CCC den "Staatstrojaner" vorgestellt hat.

      Das könnte eine arge Belastung für das warme Nest werden, in dem Lehrer, Verlage und Kultusbürokratie es sich gemütlich gemacht haben.
      Pikanterweise hat die UNESCO am selben Tag eine Empfehlung für freie Lehrmaterialien veröffentlicht, alledings für Hochschulen:
      In Verbindung mit der modernen Kommunikations- und Computertechnik und sozialen Netzen böten offene Lizenzen die Möglichkeit, Lehrmaterial kollaborativ zu entwickeln und vorhandene Materialien an lokale Bedürfnisse anzupassen, ohne aufwendige Lizenzverhandlungen führen oder Arbeit doppelt tun zu müssen.
      Regierungen werden aufgefordert, dafür zu sorgen, dass mit öffentlichen Mitteln erstellte Materialien unter einer offenen Lizenz bereitgestellt werden.

      <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.heise.de/open/meldung/UNESCO-empfiehlt-freie-Lehrmaterialien-1370467.html">http://www.heise.de/open/meldung/UNESCO ... 70467.html</a><!-- m -->


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.
    • Re: Der „Schultrojaner“ steht unter Beschuss

      Die Software soll wohl ausschließlich Texte überprüfen. Was in meinen Augen ziemlich sinnfrei ist, denn selbst wenn ein Lehrer widerrechtlich Auszüge aus Schulbüchern im Intranet abspeichert, so wird er sich kaum die Arbeit machen, diese nach dem Scannen noch per Texterkennung zu bearbeiten, als Bild abspeichern reicht ja völlig. In so fern sehe ich mich als Lehrer eigentlich von der ganzen Kiste nicht betroffen.
      Erstaunlich ist, dass der Aufschrei der Empörung trotzdem von den Lehrerverbänden kommt und nicht von den Elternverbänden. Die hätten nämlich viel mehr Grund dafür.
      Das Ganze soll nämlich so ablaufen, dass die Software das Intranet der Schule nach Texten durchsucht und diese mit einer Datenbank abgleicht. Diese Datenbank kann aber nicht bei der Software liegen (zu groß, nicht aktuell), sondern wird auf einem Server sein. das heißt natürlich auch, dass die Texte zum Abgleich an den Server übertragen werden müssen. Es ist zwar noch nicht klar, wer diesen Server betreibt, aber da die Länder dazu weder geld noch Lust haben werden, werden das wohl die Schulbuchverlage machen.
      Und Texte im Intranet sind eben nicht nur potentielle Plagiate, sondern vor allem ganz viele persönliche und vertrauliche Daten über Schüler, je nach dem Bereich in dem das Programm dann am Ende suchen wird, von Adresslisten bis hin zu Zeugnissen und Auszügen aus Schülerakten.

      Das böte den Schulbuchverlagen natürlich tolle Möglichkeiten, nicht wundern also, wenn demnächst nach der 5 in Mathe direkt Angebote für Nachhilfeliteratur im Briefkasten liegen oder nach der Disziplinarkonferenz direkt Werbung für "Wie erziehe ich mein Kind" Ratgeber.
    • Re: Der „Schultrojaner“ steht unter Beschuss

      "Moebius" schrieb:

      Diese Datenbank kann aber nicht bei der Software liegen (zu groß, nicht aktuell), sondern wird auf einem Server sein.

      Das denke ich auch.

      das heißt natürlich auch, dass die Texte zum Abgleich an den Server übertragen werden müssen.

      Das denke ich nicht.
      Es reicht völlig, die Hash-Werte ("Quersummen") von einigen Sätzen zu ermitteln und zu übertragen.

      Überhaupt würde ich technische Probleme nicht zu hoch ansetzen.
      Und selbst wenn der Trojaner V1.0 gar nichts sachgerecht kann ist es egal.
      Den Verlagen wird es darum gehen, *irgendeinen* Fuß in die Tür zu bekommen.
      Die PR-Abteilung wird sowieso verhindern, dass im großen Stil Lehrer vor dem Kadi zerren werden.


      - Martin
      Chemie ist wenn es kracht und stinkt, Physik ist wenn es nicht gelingt.