Dyskalkulie

    • Hallo,

      bei meinem kleinem Cousin wurde heute Dyskalkulie festgestellt, er ist jetzt in der 4. Klasse und hatte schon seit der 1. Klasse enorme Probleme mit Mathe.
      Das ist jetzt alles schwer wieder aufzuholen sagt die Ärztin, er soll deswegen auf eine Sonderschule versetzt werden.
      Kennt ihr euch damit aus? Denkt ihr dass das vielleicht nicht nötig sein wird?
    • Teilleitsungsstörungen sind heutzutage eigentlich kein Grund mehr, jemanden zu einer Förderschule zu schicken, ich hatte auch schon Schüler mit Dyskalkulie, die das Gymnasium erfolgreich durchlaufen haben - in Mathe haben sie halt "keine Wurst vom Teller gezogen", wie man so schön in Hessen sagt, und mussten auch um ihre 4 oder 5 und später um die wenigen Oberstufenpunkte, die sie erreichen konnten, schon echt hart kämpfen, aber wenn der Rest der Fächer läuft, geht das schon.
      Wird natürlich nicht ganz stressfrei - besonders wenn Mathe indirekt auch in Physik und Chemie zuschlägt... Man muss immer dran bleiben und Ausgleiche haben. Zwischendurch mal nachlassen, pubertätsbedingt, ging bei denen halt nicht.
      Wenn andere Fächer auch ein Problem sind, muss man über die Schulform nachdenken - und natürlich eh über gezielte Therapie.

      Hier sollte man unbedingt mal reingucken:
      rechenschwaeche.de/Hilfen_fuer…Dyskalkulie-Therapie.html

      Ps: alle der o.g. Schüler haben heute Abi! Mal so zum Mutmachen. :)
    • Hallo basti,

      ich will dir Mut machen und schmeiß auf keinen Fall gleich die Flinte ins Korn! Dyskalkolie wird schnell als "Krankheit" abgestempelt, obwohl wir wissen, dass eine Körperschwäche oder z.B. Fieber auch ganz schnell wieder verflogen ist bei entsprechender Behandlung und man wieder gesund ist. Ich sehe es so, dass der Lehrer bei deinem Cousin noch nicht die richtige Methodik bzw. Erklärweise gefunden hat, um ihm die Rechentechnik näher zu bringen! Oftmals können es gute Schulkameraden viel besser erklären. Versuche solche zu finden oder vielleicht einen altgedienten Lehrer mit anderen "primitiveren" Methoden als den heute oft ineffizienten "moderneren".
    • Äh, die Dyskalkulietherapie bedient sich durchaus moderner, sehr effizienter Methoden - und vor ein, zwei Jahrzehnten wollte man noch nicht mal anerkennen, dass es das überhaupt gibt...

      Vielleicht doch ieber erstmal bei den Experten nachlesen - durch Mitschüler und gute, alte Dunnemolserklärungen geht das jedenfalls eher nicht weg.
    • Liebe Meike,

      ich bin nicht der Einzige, der diese Schwäche nicht als Krankheit sieht, sondern dass im speziellen Fall der Mathematik eben noch nicht die richtige Gehirnsregion angesprochen worden ist. Wer nicht krank ist, braucht auch nicht "therapiert" werden, sondern es reichen gute bildhafte und praxisbezogene Erklärungen, die auch ankommen und verarbeitet werden können. Die Mathematik wird sowieso viel zu kompliziert gelehrt und selbst die studierten Mathematiker erkennen nicht die einfachen und wenigen hintergründigen Verbindungen und Sachlagen! Das ist die Ursache für das "schwierige" Fach Mathematik und dass auch theoretisch sehr gute Schüler kaum die Theorie richtig umsetzen können!
    • Wo habeich von Krankheit gesprochen? Therapie heißt mitnichten Behandlung. Die meisten vernünftigen therapeutischen Maßnahmen sind nichts anderes als das Begleiten zum Selbstständigwerden.

      Allerdings sind die meisten guten Therapien auch etwas kompexer als gut gemeinte "Man muss nur mal richtig---" - Rezepte.
    • Hallo Basti,

      Du schreibst

      basti schrieb:

      bei meinem kleinem Cousin wurde heute Dyskalkulie festgestellt, er ist jetzt in der 4. Klasse und hatte schon seit der 1. Klasse enorme Probleme mit Mathe. Das ist jetzt alles schwer wieder aufzuholen sagt die Ärztin, er soll deswegen auf eine Sonderschule versetzt werden. Kennt ihr euch damit aus? Denkt ihr dass das vielleicht nicht nötig sein wird?
      offensichtlich wurde versäumt, in der Schule rechtzeitig zu intervenieren, sei es durch Rücksichtnahmen bzw. Fördermaßnahmen oder auch nur Information der Eltern, dass ein Verständnisrückstand und deshalb eine permanente Überforderung in Mathe besteht. Dieser Lernrückstand ist zwar jetzt nicht auf die Schnelle zu ändern, trotzdem gelten dafür die gleichen Grundsätze, als hätte man es gleich in der 1. Klasse schon bemerkt:

      Für eine Behebung von Rechenschwäche (was keine Krankheit ist) gilt:

      1. Eine individuelle Lernstandsanalyse von einem geeigneten Diagnostiker (Förderlehrer oder Rechenschwächetherapeut) machen lassen, aus der ein detaillierter Förderplan abgeleitet werden kann.
      Nicht unspezifisch üben und auswendig merken lassen. Das bewirkt das Gegenteil von mathematischem Lernen! Die Kinder gewöhnen sich das Denken ab, weil es gewohnheitsmäßig meistens reicht, ein paar richtige Lösungen und Antworten abgeliefert zu haben.

      2. Eine Einzelförderung einmal pro Woche, in der das Kind durch gezielte Fragen auf die Erarbeitung zentraler mathematischer Begriffe hingeführt wird (Mengenbegriff, Zahlbegriff, Wert, Stellenwert, Differenzierung von Zeichen und Bedeutung, Zerlegen, Unterschied, Teil und Ganzes, Vervielfachung, usw.). Kein üben und schematisch Aufgaben lösen oder Merkreime!

      3. Rücksichtnahmen der Schule zur Herausnahme des Kindes aus der Konkurrenz und Verminderung des überfordernden Leistungsdrucks: Notenaussetzung, Aussetzung bewertender Arbeiten und Abfragungen, Individualisierung oder Aussetzung von Hausaufgaben zugunsten der Fördermaßnahme.
      Das gilt bei Deinem Kind nun erst recht, wenn es auf die weiterführende Schule kommt (in Rheinland-Pfalz sogar per Erlass von 1993 vorgesehen).

      Eine Verschiebung solcher Kinder auf die Förderschule nur wegen Mathematik wäre absurd! Das wäre wie ein Bestrafung des Kindes für etwas, was durch die Grundschule verursacht wurde. Auch Förderschulen haben nicht immer die richtigen Konzepte für Verständnisschwierigkeiten. Oft wird dort der Standpunkt vertreten, man müsse durch Übungen an schwierigere Sachverhalte heranführen. Auf begriffliches Lernen wird dann verzichtet, weil man den Kindern ein mathematisches Verstehen nicht mehr zutraut.

      siehe auch: rechenschwaecheinstitut-volxheim.de/knol-google.pdf

      Gruß yacofred
    • Meine kleine Nichte hat auch Dyskalkulie. Nun ist sie aber in eine neue Schule gekommen und das scheint ihr aber offensichtlich gut zu bekommen. Früher ist sie immer jedem Thema, das nur entfernt mit Mathe zu tun hatte, aus dem Wege gegangen. Jetzt bringt sie sogar ganz gute Zensuren mit nach Hause. Erstaunlich, was die Umwelt für einen Einfluss haben kann.
    • Ich poste mal in dieses Thema, weil es gerade zu meiner Doktorarbeit passt, mit der ich gerade erst angefangen habe.
      Im Internet habe ich zwar hilfreiche Tipps zum Verfassen einer Doktorarbeit gefunden, ich weiß aber nicht wo ich eine Datenbank finde, um "Versuchspersonen" zugreifen zu können.
      In meiner Doktorarbeit (Psychologie) geht es nämlich um die psychologischen Auswirkungen von Dyskalkulie und LRS. Oftmals ist der typische Verlauf ja der, dass man nicht nur in dem betroffenen Bereich schlecht in der Schule ist, sondern es die Noten insgesamt runterzieht. Ich selbst leider unter Dyskalkulie und habe einen ungewöhnlichen Verlauf vorzuweisen - denn ich habe Abitur gemacht und ein Studium absolviert und das obwohl ich in Mathe stets schlecht war uns meine Dyskalkulie erst mit 28 festgestellt wurde. Ich suche für meine Doktorarbeit nun Erwachsene und auch Kinder, die mir einige Fragen beantworten möchten.

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von oh-ein-papa ()

    • Mit der Dyskalkulie hat sich die Pädagogik verkalkuliert.

      Du hast ganz sicher keine Dyskalkulie.
      Es geht nur Deinen Rechen-Talenten und den mitspielenden Persönlichkeitstalenten schlecht.
      Ihre Notsignale wurden nicht verstanden.
      Damit wollten sie nur signalisieren, wie sehr sie nach Achtung, Anerkennung, Aufrichtung,Bestätigung ihrer Güte, Bestärkung, Bewunderung, Ermunterung, Ermutigen, Interesse an ihrer guten Entwicklung und mehr desgleichen ausgehungert sind.
      Nicht nur der Körper, auch unsere entscheidenden Geistes- und Seelenkräfte haben Hunger und brauchen regelmäßig und reichlich Pflege und Stärkung und sensible Lenkung.
      Im Ich-kann-Schule-Experiment habe ich immer wieder erlebt, dass Kinder sofort sehr viel besser als alle "Diagnosen" behaupteten, schreiben oder rechnen konnten, ohne dass ich mit ihnen auch nur einen Buchstaben oder eine Zahl geübt hätte.
      Das ging immer, wenn ich für Persönlichkeitswachstum sorgte.
      Dadurch dass der Mensch wächst, wird er dem, Leben und seinen Aufgaben gewachsen.

      Für die Ich-kann-Schule führte das zu dem Satz:
      Probleme erscheinen immer als Sachprobleme, sie sind aber stets persönliche Probleme.
      Die Pädagogik hat sich immer mit bestem Misserfolg in die Scheinprobleme verbissen und dadurch die Probleme vergrößert und vermehrt.
      In der Ich-kann-Schule werden die Seins-Probleme gelöst, und das funktioniert verlässlich.
      Hier kannst Du ein paar Beispiele lesen: "Mit der Dyskalklulie hat sich die Pädagogik verkalkuliert."
      schulen-der-zukunft.org/bibliothek/berichte-interviews/
      Guten Erfolg!
      Franz Josef Neffe
    • Dykalkulie ist es in den meisten fällen nicht. Oft, und das wurde hier schon erwähnt, ist es das Lernumfeld, das zu dem Leistungsabfall in Mathematik geführt hat.
      Ich arbeite seit 25 Jahren als Lerntherapeut mit Kindern, die eine Teilleistungsstörung in Deutsch oder Mathe haben oder die einfach bessere Noten in der Schule haben möchten. Das sind Schüler von der Grundschule bis zum Gymnasium.
      Es gibt dabei immer wieder Schwerpunkte, die in den höheren Klassen zu Problemen führen. Das sind vor allem das 1x1 und das Bruchrechnen. Ich habe es schon bei Abiturienten erlebt, dass diese handwerklichen Fertigkeiten nicht beherrscht wurden und dadurch eine Reihe anderer Folgeprobleme auftauchten.

      Deshalb trainiere ich in den unteren Klassen verstärkt das 1x1 und das Bruchrechnen. In der Schule ist dazu oft nicht genügend Zeit vorhanden.
      Ich habe gerade jetzt in den Sommerferien 2015 mit Schülern, die das Bruchrechnen nicht beherrscht haben und jetzt in die siebente Klasse kommen, die mathematischen Fertigkeiten trainiert. Das ist in 5 Stunden zu schaffen. Da ich privat arbeite muss ich ganz einfach effektiver sein, als es in der Schule möglich ist.
      Dazu habe ich die LETTRIS-Software entwickelt, die ich ab diesem Jahr auch anderen Interessierten zur Verfügung stelle. Man kann sie hier finden:
      lettris.de
      und zum Testen kostenlos herunterladen. Es ist in jedem dieser Programme das erste Level in allen Stufen voll anwendbar.
      Allerdings, ein solches Programm kann keine Wunder vollbringen. Die Kinder müssen in jedem Fall auch motiviert werden, damit zu trainieren.

      Viel Erfolg

      Michael Nitsche